Über 34.000 Tonnen Bauern spritzen immer mehr Pflanzengift

Stefan Sauer in Berliner Zeitung, 12.05.17

stieg die Gesamtmenge der in Deutschland ausgebrachten Pflanzschutzmittel zwischen 2009 und 2015 um rund 4600 auf 34.700 Tonnen. „Wenn immer mehr giftige Pestizide auf unsere Äcker gespritzt werden, darf sich niemand wundern, wenn Schmetterlinge, Bienen und Lerchen verschwinden“, sagte Fraktionsvize Oliver Krischer der Berliner Zeitung. Der Grünenpolitiker machte für den steigenden Herbizid-Einsatz die Regierung verantwortlich: „Jahr für Jahr nimmt der Einsatz von giftigen Pflanzenschutzmitteln in Deutschland zu. Das ist das Ergebnis einer Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung, die ohne Rücksicht auf Verluste auf industrielle Massenproduktion setzt.“

SPD-Haushaltspolitiker wirft Schäuble Lügen vor

in Focus, 12.05.17

Der SPD-Haushaltsexperte Johannes Kahrs hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der Steuerpolitik Lügen und „Fake News“ vorgeworfen. „Schäuble hat bei Steuerthemen immer gelogen“, sagte Kahrs der „Passauer Neuen Presse“ vom Freitag. „Seit 2004 kündigt er Steuersenkungen an, bei jeder Bundestagswahl“, sagte der SPD-Politiker weiter. „Nicht ein einziges Mal hat er geliefert.“ Alle Ankündigungen des Ministers zu Steuersenkungen seien „Fake News“.

In dieser Legislaturperiode hätte Schäuble die Steuern senken können, sagte Kahrs dem Blatt. Die SPD habe angeboten, mit ihm zusammenzuarbeiten, was Schäuble abgelehnt habe. „Seine Glaubwürdigkeit liegt bei null“, sagte Kahrs. Kahrs unterstützte zugleich die Forderung des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz nach mehr Hilfe für Frankreich. „Wenn wir wollen, dass Europa eine Chance hat, müssen wir mehr tun, insbesondere gegen die Jugendarbeitslosigkeit“, sagte der Haushaltspolitiker. Sollte Europa „scheitern“, habe Deutschland am meisten zu verlieren.

Wirklich alles Gold, was glänzt? Zur Rolle der Berufs- und Spartengewerkschaften in der Tarifpolitik

Reinhard Bispinck in dgb, 11.05.17

Bei der Rolle der Berufsgewerkschaften in der Tarifpolitik handelt es sich um ein heikles, sehr kontrovers und häufig auch emotional diskutiertes Thema. Für die einen sind die Berufs- und Spartengewerkschaften der neue Typus einer kämpferischen Gewerkschaft, die unbeeindruckt von den Restriktionen einer eingefressenen Sozialpartnerschaft für die originäre Interessenvertretung ihrer Mitglieder steht. Für die anderen sind sie hingegen eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit, die rücksichtslos und ohne Blick auf die Interessen der Gesamtbelegschaften die Einzelinteressen kleiner Belegschaftsgruppen vertreten.
Tarif- und Gewerkschaftspolitik – eine Bestandsaufnahme

Wenn man über Tarifpolitik – auch über die Tarifpolitik der Berufsgewerkschaften – spricht, muss man darüber Klarheit haben: Wir reden über ein schrumpfendes Handlungsfeld, in dem nur noch 58 Prozent der Beschäftigten durch Tarifverträge erfasst werden. Die Tarifbindung ist leider schon seit 20 Jahren rückläufig.

North Rhine-Westphalia: the state that takes the pulse of Germany

Derek Scally in Irish Times, 11.05.17

The best place to get the pulse of the state is at one of its estimated 3,000 Trinkhalle. Equal parts kiosk, convenience store and drop-in centre, Duisburg’s Bunkerbude is perhaps the state’s most unique such establishment, open from 5am to 4am and set into a second World War bunker with weeping concrete walls.

Coffee-drinking locals defy the mid-morning chill and sit outside at a round table. In characters and conversation it’s like encountering a Samuel Beckett-Twin Peaks mash-up of absurd wit with a tinge of fatalist resignation.

Geschrei und ein klarer Sieger: Die große Show von Le Pen und Macron

Alexander Oetker in ntv, 04.05.17

Die Blutdrucksenker, bitte: Die TV-Debatte zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron ist ein offener Kampf. Mit Anbrüllen und Unterbrechen. Mit ungeahnten Einblicken. Und einem nun fast sicheren Präsidenten. … Boinville-en-Mantois. 300 Einwohner. Kirche, Rathaus. Mehr nicht. Kein Bäcker mehr, kein Fleischer, keine Bar. Schlicht: kein französischer Traum mehr. Früher gabs hier 18 Bauern. Heute sind es noch 4. Es laufen nur die Alten über die Straße. Die Jungen, die Arbeit haben, sind in Paris. Und pendeln jeden Tag.
Immer wieder sagen uns die Menschen hier, dass sie sich vergessen fühlen. Von den Politikern der letzten Dekaden. Alle würden sich nur für die eigene Macht interessieren und für Paris und für feine Bistrots. Niemand aber würde sich für die Menschen auf dem Land interessieren. Für die Arbeiter. Für die Kultur, die dieses Frankreich im Kern zusammenhält.
Was sie über Macron denken? „Einer von ganz oben“, sagt eine. „Was soll der Banker denn richten?“, fragt ein Mann. „Er wäre die Fortsetzung der vergangenen Jahre und er denkt doch sowieso nicht an uns“, sagt eine Rentnerin. Über 30 Prozent der Bürger hier haben im ersten Wahlgang Marine Le Pen gewählt. Sie solle es einfach mal probieren, sagen sie hier. Die anderen seien ja alle gescheitert. …

Von Fake News, Filterblasen und digitaler Empathie

Richard Gutjahr in gutjahr.biz, 03.05.17

Ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn es nicht das Publikum ist, das sich in einer Filterblase befindet? Wenn es nicht das Internet und seine neuen Gatekeeper sind, die das Volk auf dumme Gedanken bringen – sondern vor allem wir selbst, die Medienmacher und -manager?

Erblinden schadet der Gesundheit. Prozessoptimierung im Krankenhaus durch effektiveres Patientenmanagement

U. Gellermann in Raionalgalerie, 02.05.17

Eine ganze Gesellschaft hat ihren klaren Blick auf ihr Gesundheitswesen verloren: Verhüllt vom Reformdampf und drapiert mit allgemeinem Medien-Schall und Rauch von „Prozessoptimierung im Krankenhaus durch effektiveres Patientenmanagement, Aufnahmemanagement und Entlassungsmanagement“. Erblindung gegenüber jenen gesellschaftlichen Prozessen, die den Profit zum Maßstab aller Dinge machen, schadet der Gesundheit. Der des Einzelnen und auch aller anderen.

Die berechtigten Angriffe auf Trump und die „Rechtspopulisten“ wirken wie ein Schutzschild für die etablierten Kriegsführer und Neoliberalen. Chomsky klärt mal wieder auf.

Albrecht Müller in Nachdenkseiten, 22.04.17

Höhere Löhne, mehr Investitionen: Exportüberschüsse lassen sich senken

in ntv, 20.04.17

„Made in Germany“ hat einen guten Ruf. Und so finden die Waren weltweit viele Abnehmer. Doch der hohe Exportüberschuss ist vielen Ländern ein Dorn im Auge. Einer Studie zufolge lässt sich gegensteuern – profitieren würden Arbeitnehmer.

Habermas sieht Europa „tief gespalten“

Jürgen Habermas im Interview in Die Zeit, 19.04.17

Der Philosoph Jürgen Habermas sieht vor der Wahl in Frankreich auch die deutsche Bundesregierung in der Verantwortung für einen drohenden Rechtsruck im Nachbarland. Deutschland habe eine Krisenpolitik durchgesetzt, „die die immer noch weiterschwelende Finanzkrise nicht gelöst“ habe, sagte Habermas. Dadurch sei das Auseinanderdriften der Länder in Nord- und Südeuropa beschleunigt und „Europa tief gespalten“ worden, sagte der Philosoph der ZEIT. „Ein Weiter so mit demokratisch entmündigten Völkern, die über ökonomische Anreize zur Ordnung gerufen werden, besiegelt den Zerfall“, sagte Habermas.

Reformation und ÖkonomieGottes Güter umsonst

Christoph Fleischmann in Deutschlandfunk, 16.04.17

Dem Papst ging es offensichtlich ums Geld, und nicht um der Seelen Seligkeit, bemerkte Luther spitz. Rom war alarmiert, weil es ums Geschäft ging: Gottes Gnade umsonst für alle, nicht mehr als kostenpflichtige Ware des Papstes – diese Botschaft drohte das Geschäft kaputt zu machen. Eine Botschaft mit einer ökonomischen Konsequenz – auch heute noch: Dass die Menschen an allen Gütern der Gemeinschaft teilhaben können unabhängig von ihrer Leistung, das wäre – so der Reformationshistoriker Berndt Hamm – die Überführung der Gnadenlehre Luthers in eine Gesellschaftstheorie. Commons, Gemeingüter als Konsequenz aus Luthers Gnadenlehre: Weil wir Menschen sind, nimmt uns Gott an. Weil wir Menschen sind, steht uns zu, was wir zum Leben brauchen – nicht aufgrund irgendeiner Leistung.

EU: Beendet die grundfalsche Griechenland-Politik!

Anton Hofreiter, Sven-Christian Kindler in Die Zeit, 14.04.17

Die deutschen Parteien verfolgen falsche Konzepte, um Europa aus der Krise zu führen. Nun will sogar Martin Schulz den Sparkurs Merkels mittragen. Ein Fehler!

AfD unter sich: Lauer Wahlkampfauftakt in Altenessen

Marcus Beusmann in correctiv.tv, 08.04.17

Aber der Funke sprang nicht über. Nach der Veranstaltung sitzt ein Ehepaar in einer Eisdiele. Beide sind 56, er ist LKW-Fahrer, sie arbeitet in einer Spielbank. Sie wohnen in Altenessen. Mit der AfD wollen sie nichts zu tun haben. Es gebe schlechte und gute Ausländer, sagt der Mann, und es gebe schlechte und gute Deutsche. Der Mann arbeitet bei einem Libanesen und Libanesen würden in ihrem Haus wohnen, und die seien sehr nett. Den Schulz fänden sie gut, der würde wieder die SPD zu dem machen, was sie mal gewesen sei, sagt der Mann, und so würden viele ihrer Bekannten denken.

Seehofer kann mit Kirchen-Kritik an Flüchtlingspolitik leben

in epd, 06.04.17

„Ich würde einem Kardinal nie vorwerfen, dass er dafür eintritt, Schutzbedürftigen zu helfen“, sagte der bayerische Ministerpräsident dem Hamburger Magazin „Stern“. Doch Politiker müssten „eben auch noch eine Menge anderer Interessen ausbalancieren und aushalten“.

Immer mehr Resistenzen: Eine neue biotechnologische Ära im Pflanzenschutz

in , 05.04.17

Seit Jahren nimmt die Zahl der Schädlinge, Unkräuter und Krankheitserreger mit Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel zu. Neue Wirkstoffe werden kaum noch gefunden oder sind so teuer, dass sich eine Markteinführung nicht lohnt. Auswege aus der Misere könnten neue biotechnologische Konzepte eröffnen, allen voran die „Genschere“ CRISPR/Cas.

„… und dadurch steht er vor Freisler, als Christ und als gar Nichts anderes…“ – Christlicher Glaube als Fundament und Handlungsorientierung des Widerstandes gegen das ‚Dritte Reich‘

Gabriel Rolfes in HSozUKult, 04.04.17

Duale Ausbildung schützt nicht vor Niedriglohn

Stefan Sauer in Frankfurter Rundschau, 02.04.17

wies Sachsen mit 40,3 Prozent den höchsten Niedriglohn-Anteil unter voll ausgebildeten Beschäftigten auf. In Mecklenburg Vorpommern arbeiteten 39,6 Prozent der Menschen mit Berufsabschluss für weniger als zehn Euro pro Stunde, in Brandenburg waren es 37,8, in Sachsen-Anhalt und Thüringen je 37,5 Prozent.

Dem stehen vergleichsweise geringe Anteile in Hamburg (13,8 Prozent), Baden-Württemberg (14,8), Bayern (15,9), Hessen (17,5), NRW (18,0) und Bremen (18,2 Prozent) gegenüber. Über dem Bundesdurchschnitt von 20,9 Prozent lag von den alten Bundesländern lediglich Niedersachsen mit 21,1 Prozent sowie Berlin mit 23,1 Prozent.

Interessenkonflikt im Fall Jung: Wir brauchen Verhaltensregeln für Abgeordnete

Marco Bülow in marco-buelow.de, 31.03.17

Ex-Bundesverteidigungsminister und heutiges stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss Franz-Josef Jung (CDU) wechselt im Mai in den Aufsichtsrat des Rüstungskonzerns Rheinmetall.