Selbständige in Griechenland sollen ausgerottet werden

Kostas Giannakidis in Griechenland-Blog, 13.05.17

Griechenland hat den größten Anteil Selbständiger aller Länder der Europäischen Union. In Griechenland tangiert der Anteil der selbständigen Beschäftigung 32§ der aktiven Bevölkerung. Der Durchschnittswert in Europa ist 15§. Und je moderner eine Wirtschaft ist, um so geringere Selbständigkeits-Quoten präsentiert sie allgemein. Eine hohe Selbständigkeit haben außer Griechenland auch Italien, das sich wegen seiner Steuerhinterziehung hervortut, sowie ebenfalls Portugal und Rumänien. Die niedrigsten Selbständigkeitsquoten werden dagegen in Dänemark und Luxemburg verzeichnet.

Die Ungeliebten

Christian Sywottek in brand eins, 01.03.17

Es gibt mehr als vier Millionen Selbstständige in Deutschland, viele sind es aus Überzeugung. Die Politik kann mit ihnen wenig anfangen. Und wirft den Leuten allerhand Knüppel zwischen die Beine – statt ihr volkswirtschaftliches Potenzial zu nutzen.

Explodierende Beitragsschulden in der Krankenversicherung, Solo-Selbständige, die unterhalb des Mindesteinkommens jonglieren und warum Bismarck wirklich tot ist

Stefan Sell in Aktuelle Sozialpolitik, 11.02.17

Siegfried Huhle: „Die Tariftreue muss stärker kontrolliert werden“

Heinz Jürgen Hauzel im Wiesbadener Kurier, 2016-09-09

„Das Handwerk zahlt mehr als den Mindestlohn“, sagt Huhle. „Aber wir leiden seit Jahren zunehmend darunter, dass Firmen hingehen und sich auf alle möglichen Arten um den Mindestlohn herumdrücken. Wir können nicht in Konkurrenz treten zu Firmen aus dem Osten. Es ist schon schwierig mit den Thüringern, von Rumänen und Ungarn ganz zu schweigen.“ Die Elektriker beispielsweise hätten ihm gerade wieder berichtet, wie sehr sie unter Billig-Angeboten aus den ostdeutschen Bundesländern zu leiden hätten.

Er erzählt von einem Auftrag, den sein Unternehmen jüngst in der Schweiz durchgeführt hat. „Da mussten wir unsere Mitarbeiter nach Schweizer Tarifen bezahlen. Und wir mussten das nachweisen, die Überweisungen vorzeigen. Sonst hätten wir 30 000 Franken Buße zahlen müssen, und nie mehr Aufträge in der Schweiz erhalten. So schützt man den Binnenmarkt, so schafft man gerechte Vergabeverfahren und gerechte Entlohnung“, ist der 66-Jährige, der vor 50 Jahren seine Lehre im Familienunternehmen antrat, überzeugt. Der Kreishandwerksmeister wiederholt seine alte These, dass sich „die Wertigkeit handwerklicher Tätigkeit“ auch in der Bezahlung der Beschäftigten niederschlagen müsse. „Es ist ein interessanter Beruf, der macht Spaß und bringt Abwechslung, aber es muss sich auch lohnen und ordentlich bezahlt werden, sonst hört der Spaß auf.“

Huhle ist sicher, dass es uns gesamtgesellschaftlich schadet, „wenn die Sozialleistungen, die über Jahrzehnte erkämpft wurden, in der heutigen Geiz-ist-geil-Mentalität Stück für Stück zurückgefahren werden“.

Ausrottung der Selbständigen in Griechenland

Die Überbesteuerung der Freiberufler und Gewerbetreibenden in Griechenland stranguliert das private Unternehmertum und fördert Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft.

Es ist bekannt, dass in Griechenland die Selbständigen (sprich Freiberufler, Handwerker und Gewerbetreibende) einen großen Anteil der (wirtschaftlich) aktiven Bevölkerung darstellen.

In der Realität ist Griechenland gemäß auch den jüngsten Angaben des Europäischen Statistischen Amts (Eurostat) unter den europäischen Staaten das Land mit der proportional größten Anzahl Selbständiger im Verhältnis zu der Gesamtheit der Beschäftigten, ohne dass diese Analogie sich in den Jahren der Krise geändert hat.

Griechenland-Blog, 2016-08-16

Selbermachen als Revolution

Aus den „Hausnachrichten„, Ausgabe Herbst 2011 von Manufactum

„Aber was heißt schon konservativ? Wer sich heute nach Jahrzehnten unhinterfragter, hochtechnisierter Lebensmittelindustrie darum bemüht, wenigstens ein stückweit wieder die Kontrolle über das tägliche Essen zurückzugewinnen, und durch eigenes Gärtnern einen Ausweg aus dem künstlichen Paradies der spottbilligen Supermarkt-Lebensmittel sucht, ist am Anfang des 21. Jahrhunderts alles andere als konservativ. Das aber ist das hauptsächliche Ansinnen – unseres und das eines Großteils der Gärtner: das Selbermachen, auch als Notwehr gegen die zugewiesene Rolle als bloßer Konsument. Wir sehen darin etwas, das größer ist als eine Mode. Etwas, das man angesichts der fortschreitenden Marktentwicklung im Lebensmittelbereich ganz anders beschreiben könnte: als Umkehr, als Re-volution.“

Große, aber sehr wahre Worte, wie ich meine.

Marketing-Frage

Wenn man wie am Anfang einer neuen Baum- oder Rosenschule noch nicht so viel wirklich gut gewachsene Pflanzen hat, weil bei der Kultur das eine oder andere danebengegangen ist, finden die Kunden trotzdem meistens etwas und kaufen es.

Hat man dann nach vier Jahren bessere Routinen und 95% schöne Pflanzen, schärft die geübte Kundin ihren Blick für die feinen Unterschiede. Wenn dann die Pflanze, die ihr am besten gefällt, gerade nicht in der Farbe blüht, die sie sich an diesem Morgen ausgedacht hatte, kauft sie weder die mit der richtigen Farbe, weil ihr diese Pflanze ja nicht so gut gefällt, noch die schönste Pflanze, weil deren Farbe ja falsch ist, sondern gar nichts.

Dazu nun meine bescheidene Frage an die Marketing-Weisen, die immer so genau wissen, wie man sich verhalten muß, um mit seinem Geschäft einen Haufen Geld zu verdienen: Ist das Kundenverhalten erklärbar? Was mache ich falsch? War es unklug, alle Pflanzen zu schönen heranzuziehen?

Wenn die Marketing-Experten zu der Frage keine Antwort wissen, dann sagt mir mein einfacher Menschenverstand als Zeitzeuge der Wirtschaftskrise: angefangen hat das ziemlich genau im Juli 2008. Als ob seither, wer in ein Geschäft hineingeht, immer einen Plan B im Hinterkopf mitbringt, den er im Grunde seines Herzens viel lieber mag als den Kauf-Plan A: nichts zu kaufen, mit vollem Geldbeutel wieder heimzufahren und beim Blick aus dem Fenster festzustellen, daß der Garten eigentlich auch so bleiben kann, wie er ist?