Ungleichheit so groß wie vor 100 Jahren (klartext 47/2017)

in DGB – Bundesvorstand, 20.12.17

Die Ungleichheit in Deutschland nimmt seit Jahrzehnten zu. Inzwischen sind die Einkommen wieder so ungleich verteilt wie vor 100 Jahren. Die künftige Bundesregierung muss diese Herkulesaufgabe endlich angehen und eine gerechtere Gesellschaft schaffen.

Duale Ausbildung schützt nicht vor Niedriglohn

Stefan Sauer in Frankfurter Rundschau, 02.04.17

wies Sachsen mit 40,3 Prozent den höchsten Niedriglohn-Anteil unter voll ausgebildeten Beschäftigten auf. In Mecklenburg Vorpommern arbeiteten 39,6 Prozent der Menschen mit Berufsabschluss für weniger als zehn Euro pro Stunde, in Brandenburg waren es 37,8, in Sachsen-Anhalt und Thüringen je 37,5 Prozent.

Dem stehen vergleichsweise geringe Anteile in Hamburg (13,8 Prozent), Baden-Württemberg (14,8), Bayern (15,9), Hessen (17,5), NRW (18,0) und Bremen (18,2 Prozent) gegenüber. Über dem Bundesdurchschnitt von 20,9 Prozent lag von den alten Bundesländern lediglich Niedersachsen mit 21,1 Prozent sowie Berlin mit 23,1 Prozent.

Für eine neue Linke oder: Das Ende des progressiven Neoliberalismus

Nancy Fraser in Blätter für deutsche und internationale Politik, 01.02.17

Der progressive Neoliberalismus hat sich in den Vereinigten Staaten seit grob gesagt drei Jahrzehnten herausgebildet und die Wahl Bill Clintons im Jahr 1992 bedeutete so etwas wie seine Ratifizierung. Clinton war der eigentliche Architekt und Bannerträger der „New Democrats“, des US-Gegenstücks zu Tony Blairs „New Labour“. Anstelle der New-Deal-Koalition aus gewerkschaftlich organisierten Industriearbeitern, Afroamerikanern und städtischen Mittelschichten bildete er ein neues Bündnis aus Unternehmern, Vorortbewohnern, neuen sozialen Bewegungen und jungen Leuten. Sie alle bewiesen ihre Fortschrittlichkeit, indem sie auf Vielfalt, Multikulturalismus und Frauenrechte schworen. … Der Angriff auf die soziale Sicherheit erfolgte also hinter einer täuschenden Fassade, die das von den neuen sozialen Bewegungen geborgte Charisma schaffen half. So wird beispielsweise der Doppelverdiener-Haushalt als ein Triumph des Feminismus präsentiert … Was die Deindustrialisierung diesen Teilen der Bevölkerung angetan hat, wird durch die Kränkungen verschlimmert, die ihnen der progressive Moralismus zufügt, wenn er sie routinemäßig als kulturell rückständig abstempelt. Mit ihrer Ablehnung der Globalisierung wandten Trumps Wähler sich auch gegen den mit dieser gleichgesetzten linksliberalen Kosmopolitismus. Für manche (wenngleich längst nicht für alle) war es von da aus kein großer Schritt mehr, die Verschlechterung ihrer Lebenslage der Political Correctness, Schwarzen Menschen, Immigranten und Muslimen anzukreiden. In ihren Augen sind Feminismus und Wall Street zwei Seiten derselben Sache, geradezu vollkommen verkörpert in – Hillary Clinton.

Soziologe zu Erfolg von Rechtspopulismus: „Die Scham wird in Wut verwandelt“

Sighart Neckel im Interview in Tageszeitung, 29.12.16

Der Aufstieg von rechten Populisten liege auch am Versagen westlicher Sozialdemokraten, sagt Sighard Neckel. Neue Bündnisse seien dringend notwendig.:

Harte Arbeit, wenig Geld: „Meine Mitarbeiter, meine Vollidioten“

Christoph Schäfer in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2016

Murat Can ist der Boss von achtzig Sicherheitsleuten und Türstehern. Früher war er selbst einer. Heute verleiht er die Männer. Die Kunst aber ist, sie zum Arbeiten zu bringen – irgendwie. Ein Tag im tiefsten Niedriglohnsektor.

Der Rückfall in die Klassengesellschaft

Andreas Neinhaus rezesiert Branko Milanovic, Global Inequality. A New Approach for the Age of Globalization
im Tagesanzeiger, Never Mind the Markets, 2016-07-04

… liefert Hinweise darauf, weshalb in Europa und den USA der Unmut in weiten Kreisen der Bevölkerung so gross ist. Weshalb die Wachstumserfolge nicht «in der Mitte und unten ankommen». Warum Protestparteien am rechten und linken Rand des politischen Spektrums Zulauf erhalten; und weshalb die etablierten Parteien, die unverändert mit Behauptungen argumentieren, die sich seit den Erkenntnissen der Neunzigerjahre nicht geändert haben, immer mehr Wähler verlieren.
… die Daten des Charts belegen letztlich auch, dass die Einkommensungleichgewichte weltweit kleiner geworden sind. Man müsse die Erkenntnisse allerdings ehrlich in die politische Debatte einbeziehen. Angemessene verteilungspolitische Strategien dürften künftig mehr und mehr an Bedeutung gewinnen, sowohl innerhalb einzelner Staaten als auch auf internationaler Ebene.

Die bisher Gutsituierten in Europa und USA sacken gegenüber den Superreichen (zu 50% US-Amerikaner) und gegenüber der globalen Mittelschicht ab.

„Die soziale Marktwirtschaft existiert nicht mehr“

Fratzscher in Deutschland: DIW warnt vor Wachstumsschwäche durch Ungleichheit – SPIEGEL ONLINE, 2016-03-11

Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich schwächt die deutsche Wirtschaft. Im SPIEGEL warnt DIW-Chef Fratzscher vor Wohlstandsverlusten für alle Bürger.

Wäre die soziale Spaltung auf dem Niveau des Jahres 1990 verblieben, hätte die deutsche Wirtschaftsleistung dagegen um ein Fünftel höher sein können.

Ja zu sonntagsoffenen …

Büchern Berggipfeln Doppelbetten Zelten Badeplätzen
Skiloipen Meeren Sprungschanzen Kinos Wanderwegen
Kunstausstellungen Autofenstern Bethäusern
Gewächshäusern Gitarrenkästen Altersheimen
Stalltüren Marmeladenbechern
Hallenbädern Berghütten
Blütenblättern Herzen …

Ja zu sonntagsoffenen Menschen
(nicht Geschäften)

Øystein Hauge

[In Norwegen wird zur Zeit heftig über sonntagsoffene Geschäfte diskutiert. Ich hab diesen Text von „Framtiden i våre hender“ übersetzt nach diesem Tweet:]

„Wir haben es satt“

Gegen die Kritik an den Arbeitsbedingungen bei amazon wurde neulich das Elend der Tarife für den Einzelhandel angeführt, und gegen die Kritik an der Agrarindustrie wird von interessierter Seite eingewendet, daß es dem Vieh früher in dunklen, schmutzigen Ställen auch nicht gut ging und auf die Äcker noch viel mehr Gift gesprüht wurde als heute mit präziser Technik. „Wir haben es satt“ weiterlesen

ARD-Reportage dokumentiert Missstände in der Leiharbeit bei Amazon

Nicolai Kwasniewski in Spiegel Online, 13.02.13

Erfolg wird einer ARD-Reportage zufolge auch auf Kosten von Leiharbeitern erwirtschaftet, die der Konzern aus ganz Europa herankarren und in Feriendörfern unterbringen lassen soll.

Blüm: Die Verantwortung der Arbeitgeber – Die globale Billiglohn-Olympiade

Norbert Blüm in Süddeutsche Zeitung, 17.05.10

Das westdeutsche Wirtschaftswunder war jedoch nicht das Ergebnis einer Billiglohn-Konkurrenz. Der Wettbewerb war ein Qualitätswettbewerb, in dem Innovation, Service und Solidität eine große Rolle spielten