Ex-Minister und Pfarrer Steffen Reiche „Manche nervt die politische Wirkung der Heilsgeschichte“

Ralf Schönball in Der Tagesspiegel, 31.12.17

Ein Gespräch mit Steffen Reiche über Predigt und Politik. „Welt“-Chef Poschardt hat den Ex-Minister und jetzigen Pfarrer in Nikolassee wegen seiner Weihnachtspredigt kritisiert.

Winterschutz

gestern abend sah es noch so als, als käme Ende der Woche eine Periode mit leichtem Dauerfrost. Jetzt ist der aus der Langfrist-Wettervorhersage zwar wieder verschwunden, aber zum Überwintern der Rosen wollte ich Dir ohnehin vor Weihnachten noch einmal kurz schreiben (wenn Du gute eigene Erfahrung darin hast, überspring es und lies gleich im letzten Absatz die Weihnachts- und Neujahrswünsche).

Im Gartenboden gelingt es am sichersten, weil meist nicht alle Wurzeln durchfrieren. Häufle einfach umgebende Erde an das Herz der Rosen an. Das schadet nie und rettet im schlimmsten Horrorwinter den Teil der Pflanze, aus dem sie sich rasch wieder erneuern kann. Leg Dir zusätzlich Fichtenzweige bereit, die stellst Du vor schärferem Frost oder Frost plus Wind und besonders in Ostlagen, wo die Morgensonne auf tiefgefrorene Rinde treffen und gefährliche Spannungen darin erzeugen kann, wie ein Zelt um die Rose. Bei Hochstämmen steckst Du sie zwischen die Kronenäste und bindest sie bei Bedarf etwas fest. Nimm kein Sackleinen oder was sonst an Rosenmützchen verkauft wird, das ist alles nicht so luftdurchlässig wie Fichtenzweige, und in stickiger Luft nisten sich ruckzuck Pilze und andere Schädlinge ein, die Du schwer wieder los wirst. Der Schutz soll eben kein Gewächshaus nachahmen, sondern nur Wind und Sonne abhalten und die schnellen Temperaturwechsel abfedern.

Rosen in Töpfen sind grundsätzlich mehr gefährdet, einfach weil der Frost gleich den gesamten Wurzelraum durchdringt und das Tauwetter ebenso, schlimmstenfalls jeden Tag hin und her; das kann zuviel werden für eine Rose. Deshalb stell Deine Topfrosen unbedingt aus der Sonne. Die West- oder Nordseite des Hauses wäre ein guter Ort, auch wenn es da kälter ist, aber es wechselt nicht so hart. Notfalls wenigstens hinter die dicke gemauerte Balkonbrüstung. Und pack sie ab -5° mit Fichtenzweigen ein, je kälter je dicker. Kommt starker Frost nur für wenige Tage, kannst Du sie auch mal in die ungeheizte Garage, den Keller oder gar ins Treppenhaus holen, aber nicht für länger, sonst kommen sie in Trieblaune und werden wegen Lichtmangel geil und verlaust. Zum wieder Hinausräumen wähl dann einen windstillen, bedeckten Tag.

Überhaupt, das Lüften nicht vernachlässigen: wie des Menschen Federbett gehört der Winterschutz der Rosen bei längerem Mildwetter mal durchgelüftet aus hygienischen Gründen. Bis Mitte April würde ich das Deckreisig aber immer noch bereit liegen lassen, Du erinnerst Dich sicher an den bösen Spätfrost, den wir dieses Jahr um diese Zeit hatten.

Kommt reichlich Schnee vor starkem Frost, können wir froh und unbesorgt sein. Er ist er der allerbeste Frostschutz für alles, was er zudeckt. Unter Schnee haben den Horrowinter 2008/09 nahe dem Brennerpaß Rosensorten ohne Schaden überlebt, die hier bei mir komplett erfroren sind. Oben und in groß hier die Topfrosen auf meinem Feld unter Schnee kurz vor Weihnachten 2011.

Und jetzt wünsche ich Dir eine schöne Adventszeit, frohe Weihnachten und alles Gute zum Neuen Jahr und hoffe, von Dir zu hören, wenns wieder ans Pflanzen geht!

Reformation und ÖkonomieGottes Güter umsonst

Christoph Fleischmann in Deutschlandfunk, 16.04.17

Dem Papst ging es offensichtlich ums Geld, und nicht um der Seelen Seligkeit, bemerkte Luther spitz. Rom war alarmiert, weil es ums Geschäft ging: Gottes Gnade umsonst für alle, nicht mehr als kostenpflichtige Ware des Papstes – diese Botschaft drohte das Geschäft kaputt zu machen. Eine Botschaft mit einer ökonomischen Konsequenz – auch heute noch: Dass die Menschen an allen Gütern der Gemeinschaft teilhaben können unabhängig von ihrer Leistung, das wäre – so der Reformationshistoriker Berndt Hamm – die Überführung der Gnadenlehre Luthers in eine Gesellschaftstheorie. Commons, Gemeingüter als Konsequenz aus Luthers Gnadenlehre: Weil wir Menschen sind, nimmt uns Gott an. Weil wir Menschen sind, steht uns zu, was wir zum Leben brauchen – nicht aufgrund irgendeiner Leistung.

Frust oder Keule? Wie viel Chemie setzen Freizeitgärtner gegen Pflanzenschädlinge ein?

Alexander Dallmus in Bayerischer Rundfunk, 21.03.17

Kein Kleingärtner hat es gern, wenn seine Gurken von Schnecken gefressen werden, wenn die Läuse über die Blumen herfallen oder Obstbäume vom Pilz befallen sind. Für alles gibt es Mittel, um Schädlinge oder Unkraut zu bekämpfen. Ob beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln immer mit Verstand vorgegangen wird, darüber scheiden sich die Geister.

Frankfurter Pudding

125 g gemahlenes trockenes dunkles Brot,
50 g gehackte Mandeln/Nüsse
75 g Zucker
100 g Butter (oder Nierenfett)
3 Eigelb
1 Pfd in feine Scheiben gehobelte saure Äpfel
½ abgeriebene Zitrone
verkneten und den Schnee von den 3 Eiweiß darunterziehen.
In eine gefettete und mit Grieß ausgestreute Puddingform füllen, diese mit dem Deckel verschließen, in einen großen Topf kochendes Wasser stellen, auf Stufe 1 zurückschalten und 1 1/4 Stunden leise garen.
Schlagsahne dazu.
(aus: Das elektrische Kochen, 11. Aufl., Berlin-Halensee: Linde, 1954)

Mit Geisteswissenschaften gegen rechts: Nazis weglabern

Margarete Stokowski in Tageszeitung, 24.01.17

Das Problem an den Rechten ist, dass sie eben nicht dumm sind. Sie sind eloquent und sagen dabei doch nie genau das, was sie wirklich meinen. Umso wichtiger ist es, sie richtig zu verstehen.

Ein paar kurze Frost-Tips für Rosenbesitzer

bei Ihnen mag ganz anderes Wetter sein, aber hier in Wiesbaden beginnt voraussichtlich am kommenden Wochenende eine längere Dauerfrost-Periode, so daß der Boden durchfrieren wird. Wenn Sie vorher, also am Samstag, bei Ihren empfindlichen Pflanzen das Herz mit einer Hacke mit umgebender Erde anhäufeln, sind sie eigentlich schon ziemlich sicher vor Verlusten durch Frost.

Denn aus («schlafenden») Augen in diesem untersten Teil der Triebe kann sich eine Pflanze im Frühjahr binnen kurzem regenerieren, selbst wenn alles darüber erfrieren sollte.

Um auch die oberen Pflanzenteile zu schützen, stellen Sie Fichten-, Tannen- oder sonstige immergrüne Äste und Zweige als luftdurchlässigen Wind- und Sonnenschutz daran. Die meisten Frostschäden entstehen durch die Temperaturspannung, wenn am Morgen nach einer kalten Nacht die Sonne eine Seite der grünen Triebe erwärmt.

Bei Hochstämmen stecken sie kurze Zweige zwischen die Kronenäste und binden die Krone locker zusammen, damit sie nicht wegwehen. Dem Stamm selbst dürfte kaum etwas passieren können.

Vorerst sind hier keine Temperaturen unter -10° in Sicht, die Rosen gefährlich werden können, aber in höheren Lagen, in Talzügen (wie am Ochsenbach auf meinem Feld) und an zugigen Stellen vielleicht schon.

Reichlich Schnee ist im übrigen das beste, was passieren kann. Unter einer hohen Schneedecke haben bei Kunden am Brennerpaß in Tirol Rosensorten unbeschadet überwintert, die bei mir 2008/09 komplett erfroren sind. Luftdurchlässges Vließ wäre ein unvollkommener Ersatz, wenn es keinen Schnee gibt. Mit allem Luftdichten, also Folien, (naß werdendes) Sackleinen usw, muß man äußerst vorsichtig sein und darf immer nur für kurze Zeit abdecken.

Topfpflanzen rückt man am besten dicht ans Haus, und zwar an eine Nord- oder Westseite, wo die Sonne nicht hinkommt und täglich aufwärmt. Leicht eingraben wäre ideal. Das Abdecken mt Deckreisern habe ich oben beschrieben.
Geht es nicht anders, kann man Topfpflanzen für kurze Zeit in ungeheizte Räume stellen, muß sie dann aber oft beobachten und sobald es milder wird, bei bedecktem Himmel wieder hinausräumen.

Mehr zum Thema: http://rosenwelten.de/rat/rat.php?rat=winter
Ist meine Sorte empfndlich? http://rosenwelten.de/rosen/suche.php?kat=anspr&c=winterhaerte
10-Tage-Wettervorhersage: http://www.yr.no

Ach ja, und ein gutes Neues Jahr noch gewünscht! Bis im Frühjahr bin ich

The Pope Hails Communism for Focus on ‚Poor‘ and ‚Marginalized‘

TeleSur, 2016-11-11

Asked if his pursuit and support for a more egalitarian society meant he envisioned a “Marxist type of society,” the pontiff said in response, “If anything, it is the communists who think like Christians.”

“Christ spoke of a society where the poor, the weak and the marginalized have the right to decide. Not demagogues, not Barabbas, but the people, the poor, whether they have faith in a transcendent God or not. It is they who must help to achieve equality and freedom,” he said.

David Graeber – Mein Beruf ist ein Bullshitjob

Bernd Kramer in Die Zeit, 2016-09-08

„Immobilienmakler, Unternehmensberater, Investmentbanker: Sie sind die Hofnarren des Kapitalismus, sagt der Anthropologe David Graeber. Er nennt sie Bullshitjobs.“

Kann mich noch gut erinnern, als mir eine Baumschulkundin Anfang 90er mal ihre Karte gab, weil ich für eine Bestellung um ihre Adresse gebeten hatte, und da stand als Beruf „Key Account Managerin“ drauf. Wir lagen beim Frühstück unterm Tisch vor lachen. Heute muß man sowas alles ernst nehmen und wird eher selbst nicht mehr ernst genommen, weil man noch was Richtiges macht statt nur zu managen.

Unterwegs zur Lügenwissenschaft

Heike Schmoll in FAZ Feuilleton, 2016-08-26

„Gegen den grassierenden Populismus hilft wissenschaftliche Aufklärung. Doch statt Irrationalität mit Sachverstand abzuwehren, dünnt die EU die Sozialwissenschaften weiter aus.“

Schon seit einiger Zeit wird Forschungsförderung in Großbritannien nur dann gewährt, wenn ein Forschungsergebnis von volkswirtschaftlicher Relevanz ist

Wenn man die Wissenschaft keine kritischen Fragen mehr stellen läßt und sie zu einem Zulieferer der Wirtschaft degradiert hat, sollte man sich nicht wundern, daß der Populismus unwidersprochen grassiert.

„Lauter kleine Narzissten, auf Wettbewerb getrimmt“

Ein Interview mit Oliver Nachtwey in Der Spiegel, 2016-08-14

Für viele Menschen stellt sich unsere Gesellschaft als eine nach unten fahrende Rolltreppe dar, gegen die sie anlaufen müssen, um nicht abzusteigen.

Bildungsaufstieg setzt sich nicht mehr automatisch in mehr Wohlstand um.

Wenn sich alle auf die Zehenspitzen stellen, kann keiner besser gucken. Wer mehr Geld in Bildung investiert, aber die Beschäftigungsverhältnisse prekär lässt, verkehrt ihr Emanzipationspotenzial – und die Ausbildung wird zu einem weiteren Austragungsort von Wettbewerb und Konkurrenz.

Einerseits haben die linken Parteien sich seit 1989 der Marktideologie untergeordnet, „und dadurch ihre Fähigkeit, die Interessen der Schwachen zu vertreten, in vielen Bereichen aufgegeben“. Das konnte aber nur passieren, weil ihre starke Basis weggebrochen ist: „Die Individualisierung trägt in sich die Idee, dass meine Herkunft nicht mehr über meinen Lebensweg bestimmt. Aber ich fühle mich dadurch auch nicht mehr als Teil der Arbeiterschicht im Sinne einer lebensweltlichen politischen Gemeinschaft: Das gemeinsame Feiern, die gemeinsamen Vereine, Genossenschaften, was sehr stark durch die Sozialdemokratie tradiert wurde, verschwinden – und damit auch das Milieu, auf das sich linke Parteien stützen können.“
Wieder besser werden kann es nur, wenn den armen Leute wieder klar wird, daß sie stark sind, wenn sie zusammenstehen.

Ein wenig zu den neuen Rosen dieses Frühjahr

Außer 1483 älteren gibt es dieses Jahr 529 Rosen aus frischer Ernte. Rosen sind Gehölze und werden mit den Jahren größer und reicher an Blüten und an Charakter; und dieses Jahr dank Regen und Sonne zur rechten Zeit und im rechten Maß ganz besonders, wobei sie im Topf weniger zulegen als im gewachsenen Boden. Ein wenig zu den neuen Rosen dieses Frühjahr weiterlesen

Natur und Bilder

Hier in der Straße sehe ich «frische» Rosen gepflanzt, mit großen Blättern und fetten Blüten wie bei einem erwachsenen Rosenstock, aber mit drei Bambusstützen, sonst wären sie wohl umgefallen vor Schwäche. Solche gequälten Geschöpfe kann man heute offenbar leichter verkaufen, als im Freien gewachsene, mehrjährige Pflanzen mit dem ein oder anderen Fleck oder Loch an einem Blatt. Warum nur?

Vielleicht haben Menschen nie so viele schöne Bilder von Pflanzen gesehen und dabei so wenig mit Pflanzen zu tun gehabt, also richtig gearbeitet, um etwas zu ernten, Natur und Bilder weiterlesen

Industrieproduktion eignet sich gut für Schrauben.

Um exakt gleiche Schrauben für den Weltmarkt zu fertigen, eignen sich Fabriken mit computergesteuerten Maschinen. Einmal erdacht, finanziert und eingerichtet, brauchen sie nur noch von wenigen Menschen überwacht werden.
Lebensmittel sowie die Dinge, mit denen wir uns im Leben gern umgeben, kann ein Mensch von Hand viel besser herstellen, mit dem Wissen und der Erfahrung von Generationen im Kopf und im Handwerkzeug, mit Lust an seiner Arbeit und Befriedigung durch ein schönes Ergebnis.
Lebensmittel, die hergestellt werden, als wären sie Schrauben, sind zwar billig, aber ihnen fehlen Geruch und Geschmack. Damit das nicht auffällt und sie trotzdem gekauft werden, müssen von Werbeagenturen künstliche Emotionen erzeugt werden. Die lassen sich ihre Arbeit viel höher bezahlen als die ursprünglichen Erzeuger von Lebensmitteln mit Geruch und Geschmack.
Nun liegen zwischen einer Fabrik und den Kochtöpfen der Verbraucher viel größere Abstände als bei lauter lokalen Erzeugern in der Nähe ihrer Kunden. So kommen enorme Kosten für Frischhaltung, Transport und Zwischenhandel hinzu. Viele weitere Unternehmen möchten an der Distribution verdienen. Bei lokaler Erzeugung entstehen nur geringe Fahrkosten und evtl Standgebühren für Wochenmärkte.
Für die Eigner der Fabriken ist Lebensmittel-Industrie trotz der hohen Nebenkosten offenbar lukrativ. Einige versuchen sogar, die verbliebenen natürlichen Rohstoffe durch selbstgebaute GVOs zu ersetzen, um den industriellen Prozeß zu vervollkommnen.
Jeder Industrie-Arbeitsplatz ersetzt eine Menge Existenzen kleiner, selbstvermarktender Erzeuger. Richtig, die Arbeit ist leichter, das Einkommen zunächst einmal besser, Arbeits- und Freizeit geregelter, die Existenz besser gesichert. Aber je mehr produziert wird, desto schlechtere Preise sind dafür zu bekommen. Und das Ausland hat selbst genug, warum sollte es uns die Überproduktion abkaufen?
Also senkt man die Kosten, vor allem die Löhne, weniger die derer, die alles vom Schreibtisch aus steuern, mehr die derer, die die Arbeit machen. Zunächst geht das, weil die Preise auch niedrig sind. Aber es wird ein Teufelskreis. Je weniger Geld ausgegeben wird, desto weniger wird eingenommen. Und es sinken nicht nur die Löhne, sondern die Qualität der Arbeitsbedingungen insgesamt. Auch die Sicherheit der Arbeitsplätze. Mit dem Abbau des Kündigungsschutzes fällt das Unternehmerrisiko auf die Arbeitnehmer zurück. Die Gewerkschaften hat man, als es allen gut ging, vernachlässigt, sie können nicht mehr viel helfen.
Wie soll das enden? Was wäre eigentlich so schlecht daran, wieder mehr im kleinen zu produzieren? Auch mit einfacheren Maschinen, gar auch von Hand? Schuften wie die Großeltern muß das bestimmt nicht heißen, denn vieles wird sich auf einfache Art erleichtern lassen, wenn gewitzte Köpfe erst einmal das zu ihrer Aufgabe machen statt der Konstruktion von Massenproduktionsmaschinen.
Und was wäre so schlecht daran, wieder mehr in der Nachbarschaft zu verkaufen und zu kaufen? Angst vor Menschen ist sowieso eine Unart, die man ablegen sollte. Und teurer wird es auch nicht, weil ja der ganze Wust an Zwischenhandel samt Verwaltung, Finanzierung und Marketing nichts dabei abkriegt. Die müßten sich dann nämlich echt nach anderen Verdienstmöglichkeiten umschauen, so leid mirs tut (nicht allzu sehr, gebe ich zu).

Über das Pflanzen im Herbst oder Wann ist denn eigentlich die beste Pflanzzeit?

Lieber Leser, Dir ist schon klar, wann eigentlich die beste Pflanzzeit für Gehölze wie z.B. Rosen ist, nicht wahr? Aber viele fragen sich das und verschieben aus Unsicherheit ihre Projekte von einem Jahr aufs andere, also versuche ich mal, es zu beantworten. Über das Pflanzen im Herbst oder Wann ist denn eigentlich die beste Pflanzzeit? weiterlesen

Vom Nutzen der Pilze für die Rosen (Herbst-Newsletter)

Liebe Pflanzenbegeisterte,

dieses Frühjahr, das vielen Leuten gar nicht gefiel, hat den Rosen wirklich gutgetan. „Mairegen bringt Segen“ stimmt, wie wir gesehen haben, nicht? Als die Blüte Anfang Juni, genau zur rechten Zeit, begann, war nämlich eine gute Grundlage an Trieben und Zweigen gewachsen und ließ sie prächtiger strahlen als so manche verfrühte Hungerblüte Afang Mai in vergangenen Jahren.

Hier in der Rosenschule waren erstmals beide großen Containerbeete, zusammen etwa 800 m², voll blühender Rosen. Die Anfangsjahre, in denen immer dies und jenes noch nicht fertig gewesen war, sind damit überwunden. Die Stauden stehen jetzt alle im Garten und können sich in diesem Jahr auch mehr als je zuvor sehen lassen, was Auswahl, Menge und Qualität angeht. Sie können also überall nach Herzenslust zugreifen.

Allerdings kam schon wenige Tage nach dem allgemeinen Blütenhöhepunkt heftiger Wind (der böse Feind aller Pflanzen in Töpfen) und dann eine Hitzewelle nach der anderen. Der Boden wurde hart und härter und das Graben im Garten beschwerlich, so daß den Sommer über weniger Rosen als sonst aus ihren „Mobilheimen“ in Gärten umziehen konnten.

Die Rosen haben sich im Juli wohl gedacht: „Genug geblüht! Es kommt noch viel Sonne, laßt uns Hagebutten bilden, dann können wir uns aussäen.“ Wenn man das gleich verstanden hätte, hätte man einen Teil des Fruchtansatzes ausschneiden und sie zu neuen Blüten überlisten können. Hätte! Aber auch die Hitze hat den Sommer-Trieb dieses Jahr gebremst, der die zweite Blüte bringt. Besonders die Topfpflanzen mit ihrer doch relativ kleinen Wurzel wollten wohl erst einmal besseres Wetter abwarten. Von den vielen saftigen Blättern, gewachsen im regenreichen Frühjahr, haben sie nur die jüngsten behalten und sind ein bißchen in einen Sommerschlaf gefallen.

Da hat sich übrigens gezeigt, was mir immer mehr einleuchtet, seit ich es vor ein paar Jahren im Rosen-Forum auf planten.de gelesen hatte (ich glaube, der Moderator des Forums, Giuseppe, hatte es geschrieben): Pilzinfektionen sind keine sinnlosen „Krankheiten“, sie dienen der Pflanze, ein Zuviel an Verdunstungsfläche unter trockenen Bedingungen loszuwerden um weniger leicht zu welken. Ich würde wetten, die ältesten Blätter wären auch dann gelb geworden und abgefallen, wenn ich alle Blattpilze durch Spritzen mit Fungiziden hätte verhindern können. Man sollte sich nicht zu Panik beim kleinsten Anzeichen von „Krankheit“ verleiten lassen von all den Bildern, deren wir bald mehr zu sehen bekommen als echte Rosen und die die ganze Welt Photoshop-„rein“ zeigen.

Jetzt bekommen wir den lang vermißten Regen und angenehmere Temperaturen zum draußen arbeiten, und Sie können wahrscheinlich bald wieder leicht mit dem Spaten in den Boden. Das Gras wird wieder grün, die Rosen treiben noch einmal und werden noch viele Blüten bringen, bevor sie, gut angewachsen, in den Winter gehen und im nächsten Frühjahr bereits voll „da sind“ – der unüberschätzbare Vorteil einer Herbstpflanzung.

Nutzen Sie doch die Spätsommerwochen, um lang gehegte Träume wahr zu machen, fassen Sie sich ein Herz und trennen Sie sich von ausdruckslosen Verlegenheitspflanzen, setzen Sie kräftige Akzente mit charaktervollen Alten und farbstarken Modernen Rosen und phantasievollem „Beiwerk“ oder lassen Sie einen Baum von einer Ramblerrose erklettern. Verglichen mit all dem was Ihnen die Werbung für Ihren Garten andrehen will, um ihren Garten „repräsentativ“ zu machen, ist eigenes Gestalten mit Pflanzen wirklich billig, selbst mit den feinsten, aber vor allem macht es viel mehr Freude, an Gemälden mit lebenden Pflanzen zu malen, die sich über Jahre und Jahrzehnte immer weiter fortentwickeln, als irgendwelchen importierten Gartenausstattungkrempel zusammenzuschrauben und über die Jahre verrosten zu sehen.

Rhabarber mit Gewürzkuchen

175 g Butter schaumig rühren, 100 g Rohrzucker und 2 EL frischen geriebenen Ingwer unterrühren, nach und nach 4 Eigelb gründlich einrühren.
250 g Mehl mit 1 1/2 TL Backpulver, 1/2 TL geriebener Muskatnuß, 1/2 TL gemörserten Nelken mischen und unter den Teig heben.
200 ml Melasse (ich nehme „Grafschafter Goldsaft“) mit 100 ml Creme fraiche verrühren (das geht) und unter den Teig heben.
8 (!) Eiweiß zu steifem Schnee schlagen und mit 40 g feinem Zucker mischen, vorsichtig unter den Teig heben.
In einer großen Kastenform bei 180° 30-45 Minuten backen, auskühlen lassen, in Scheiben schneiden.

Rhabarber in Stücke schneiden, waschen, abtropfen lassen, einzuckern und etwas stehen lassen. Dann einmal kräfdtig aufkochen und langsam garziehen lassen. Abkühlen lassen.

In einen tiefen Teller eine Scheibe Gewürzkuchen legen, eine Kugel Vanilleeis dazu, mit Rhabarberkompott umgeben. Gleich aufessen, während der Rhabarbersaft in den Kuchen zieht.

Daumen drücken

Die Winterabdeckung ist jetzt entfernt, wenn kein starker Frost droht, brauchen die Rosentriebe vor allem frische Luft. Reisig oder Vließ bleiben aber griffbereit, falls das Wetter doch wieder umschlägt. Angehäufelt sollten die Rosen auch noch bleiben, das schadet nichts und sichert das „Herz“ der Pflanze vor Totalschaden.

In meinem Garten und in der Nachbarschaft sind da, wo bei bis zu -14° die Morgensonne auf die gefrorenen Triebe scheinen konnte, wieder die Knospen erfroren. Je weiter sie im milden Januar schon angeschwollen, zum Teil gar aus den schützenden Hüllblättchen hervorgebrochen waren, desto fahler, farbloser sehen sie aus. Noch sieht man den Schaden nur bei genauem Hinsehen aus der Nähe; von weiter weg wird er erst auffallen, wenn er sich wie 2009 durch Pilzinfektionen auf die Rinde ausdehnt und irgendwann im Mai ganze Triebe absterben – aber so schlimm muß es nicht kommen.

In diesen kühlen Vorfrühlingstagen müssen nun die Rosen diverse Schadpilze abwehren, deren Sporen darauf lauern, über die erfrorenen Knospen in die Leitungsbahnen der Rinde hineinzuwachsen. und dort ein bequemes Leben zu führen. Bei warmem „Wachswetter“ ist die Rose im Vorteil dann strömt der Saft wohl einfach zu ungestüm, als daß die Pilze Fuß fassen könnten. Wenn bei kaltem, nassem Wetter der Saftfluß stockt, gelingt es jedoch den Pilzen, sich auszubreiten.

Währenddessen versucht die Rose, unter dem abgestorbenen Gewebe schlafende Ersatzaugen zu aktivieren. Wenn Sonne und starke Wurzeln ihr Kraft verleihen, überhaupt kein Problem, bei wurzelgeschädigten Topfpflanzen dagegen manchmal ein allzu großes. Wenn die neuen Augen schwellen und Farbe zeigen, wird das abgestorbene Gewebe abgestoßen und die Wunde geschlossen und die Gefahr ist erst einmal gebannt. Das ist Schwerstarbeit, und schon beeindruckend zu beobachten, wie schnell die Rosen das schaffen, wenn erst einmal das Wetter paßt.

Hauptsächlich müssen wir also nun auf gutes Wetter hoffen (im Moment sieht es auch danach aus) und uns zusätzlich ein Päckchen Kupferspritzmittel kaufen. Das Kupfer, nach Anweisung verdünnt und mit einer Spritze gleichmäßig über die Rinde verteilt, tötet Pilzsporen ab, bevor sie einwachsen können. Je mehr erfrorene Knospen, desto wichtiger ist jetzt sehr bald diese einzige Spritzung im Jahr. Wenn bei einer besonders empfindlichen Sorte wie meiner ‚Maréchal Niel‘ die Rinde bereits lilafleckig wird, ist es allerhöchste Zeit.

Wo die Triebe vor Sonne bei Frost geschützt waren oder ihre Knospen sich von der Januar-Wärme nicht zu unvorsichtigem Austreiben hatten verführen lassen, dürfte nichts passiert sein. Die Knospen und die Rinde müßten ihre normale, frische Farbe und ihren Glanz behalten haben und jetzt mit steigenden Temperaturen normal austreiben können.

Schneiden würde ich geschädigte wie auch heile Triebe erst, wenn wirklich starker Saftfluß herrscht und die Knospen deutlich schwellen. Jede Schnittwunde ist ein offenes Tor für Rindenpilze. Nur alte, starke Pflanzen auslichten kann man schon eher. Am Samstagnachmittag, 10. März besprechen wir hier den Frühajhrsschnitt der Rosen ganz ausführlich, wenn Sie teilnehmen möchten (es kostet 10 Euro), geben Sie bitte vorher Bescheid.

Zeit zum Pläneschmieden

diese Nachmittage im Februar: die Natur scheint wirklich still zu stehen – man muß nichts, nichts gießen, nichts schneiden, nichts säen, nichts hacken – genießen Sie das auch so wie ich?
Es ist ein bißchen als ob im Jahr des Gärtners Sonntag wäre. Nicht jedes Jahr gibt es so eine Zeit, viele Winter hier im Rhein-Main-Gebiet sind ja nur verlängerte November.

Es ist jetzt auch schon wieder länger hell, nicht wahr? Und man sieht vom Fenster durch den ganzen Garten, Sträucher und Bäume lassen den Blick hindurch.

Bilder aus früheren Jahren fallen einem wieder ein, als die Gehölze noch kleiner waren oder andere dort standen. Hat es nicht schöner geblüht, als noch mehr Licht in diese Ecke fallen konnte? Wärs nicht mal Zeit, diesen oder jenen einst netten Busch oder Baum, der sich zum Klotz entwickelt hat und alles dominiert oder gar erdrückt, behutsam auszulichten oder gar mutig abzusägen, damit es wieder bunt wird?

An dieser Stelle sollte ich Sie, glaube ich, mit Ihren Gedanken erst einmal alleine lassen —.

Gerne helfe ich allerdings bei Fragen weiter, am liebsten natürlich was die Gestaltungsmöglichkeiten mit Rosen betrifft. Sie wissen ja, deren gibt es viel, viel mehr als meist genutzt werden. Die Blütenfarben sind ja eigentlich überbewertet, die Wuchsformen, Blattfarben, Rindenfarben (der Winteranblick) dagegen kaum ausgeschöpft. Rosen als große, malerische freistehende Sträucher oder als hohe Sichtschutz-Hecke, als Baumkletterer, als Kaskade, um nur ein paar Beispiele zu nennen, sehen Sie so etwas schon als Bilder in Ihrem Kopf? Wenn icht, dann vielleicht mal auf rosenwelten.de inspirieren lassen. Paßt eines in Ihren Garten?

Ich wünsche Ihnen schöne Vorfrühlingsnachmittage und viele gute Gedanken und Ideen für die Zukunft Ihres Gartens und freue mich auf Ihre Anfragen.

Wer macht die Gartenarbeit?

In der taz steht heute:

In den Freizeitaktivitäten zeigen sich die sozialen Unterschiede. Leute mit Hauptschulabschluss treffen sich häufiger als Menschen mit Abitur mit Großeltern und Enkeln, halten häufiger Mittagsschlaf, lösen öfter Kreuzworträtsel und Sudoko und machen mehr Gartenarbeit. Menschen mit Abitur hingegen lesen und schreiben mehr Emails, surfen öfter im Internet, lesen mehr Bücher, treiben mehr Sport und haben mehr Sex als BürgerInnen mit Hauptschulabschluss.

Dabei haben die Menschen mit Abitur, so sie denn ein höheres Einkommen haben, wahrscheinlich die größeren Gärten. Fragt sich, wer dann in diesen Gärten die Arbeit macht? Sind sie etwa alle so naturbewußt und planerisch genial, daß sie pflegearme Gärten angelegt haben? Oder lassen sie die Gartenarbeit vonMenschen mit Hauptschulabschluß machen?

Weiter erfährt der Leser:

Geringverdiener mit einem Haushaltseinkommen unter 1000 Euro im Monat geben öfter an als Besserverdiener, in ihrer Freizeit auszuschlafen, „seinen Gedanken nachzugehen“, Fahrrad zu fahren oder Spazieren zu gehen. Besserverdiener mit einem Einkommen von über 3 500 Euro hingegen besuchen häufiger Restaurants, machen mehr Ausflüge, gehen öfter ins Fitnesstudio und verbringen mehr als doppelt soviel Zeit mit dem Internet.

Konditorenkunst mit Rosen

Vorvorige Woche hat jemand auf dem Rosenfeld fünfzig weiße und rosa Rosenblüten gepflückt, sorgfältig nebeneinander in eine Schachtel gesetzt und nach hause gebracht. Dort wurden sie in Eiweiß getaucht und dann mit Puderzucker überzogen:
Kandierte Rosenblüten trocknen auf der Wäscheleine
Auf der Leine mußten sie mehrere Tage trocknen, da war bestimmt kein schlechter Duft im Zimmer:
Kandierte Rosenblüten trocknen auf der Wäscheleine
Schließlich kamen sie auf eine dreistöckige Torte:
Hochzeitstorte mit kandierten Rosenblüten
Danke für die Bilder und großen Respekt für das Kunstwerk!

Zeitgemäße Rosen und solche, die kein Mensch mehr braucht

Opas Rosenbeet brauchte viel Chemie und ständiges Schneiden. Damals ging das: an die Gefahren der Chemie dachte man noch nicht, und die Rosen waren sein Stolz mit ihren riesengroßen Blüten auf langen Stielen. Das war damals noch etwas Besonderes. Und nicht nur beim Garten-Hobby zweifelte noch niemand an der Lebensregel „Ohne Fleiß kein Preis“.

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Eine Lanze für die Herbstpflanzung

Pflanzzeit ist heutzutage immer. Schon seit zwei, drei Jahrzehnten werden die meisten Gehölze nämlich im Container herangezogen und können dadurch, ohne Wurzeln zu verlieren, transportiert werden. Damit ist die Pflanzzeit nicht mehr auf die Zeit der Winterruhe beschränkt. Ein großartiger Fortschritt, der sich aber immer noch nicht überallhin herumgesprochen hat (anders als etwa das Internet, das in der Hälfte der Zeit tief in jedermanns Leben eingedrungen ist).
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Bessere Rosen

Vorbehalte

Es soll ja Menschen geben, die in ihrem Garten keine Rosen haben mögen. Dahinter stecken meist schlechte Erfahrungen mit heiklen Sorten. Mit Recht. Warum soll man sich Pflanzen in seinen Garten holen, die man nur durch ständigen Kampf gegen Schädlinge und Krankheiten gerade so am Leben erhalten kann? Hat man nicht einen Garten oder Balkon, um sich zu erholen vom Kampf und Streß des Arbeitsalltags?

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