Von Fake News, Filterblasen und digitaler Empathie

Richard Gutjahr in gutjahr.biz, 03.05.17

Ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn es nicht das Publikum ist, das sich in einer Filterblase befindet? Wenn es nicht das Internet und seine neuen Gatekeeper sind, die das Volk auf dumme Gedanken bringen – sondern vor allem wir selbst, die Medienmacher und -manager?

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Joseph Lichterman in Niemanlab, 01.03.17

On some stories, potential commenters are now required to answer three basic multiple-choice questions about the article before they’re allowed to post a comment. … The goal is to ensure that the commenters have actually read the story before they discuss it.

„Endlich ist er weg,Trööt!“ : Sehr sehr gute Berichterstattung über Deniz Yücel

Samael Falkner in Prinzessinnenreporter, 21.02.17

Die Verhaftung des Journalisten Deniz Yücel in der Türkei hat bei einigen Menschen Schräubchen gelockert, wenn es um den Schutz der Berufsgruppe der Journalisten und Medienschaffenden geht. Schräubchen, die nach der Wiedergeburt des „Lügenpresse“-Vorwurfes ohnehin bereits locker saßen.

„So jemanden kann man doch nicht interviewen!“

AKB in uedio.de, 12.02.17

mit so jemandem kann man doch nicht reden, der redet Kriegsverbrechen klein! Möglicherweise ist an dieser Beurteilung etwas dran. Aber dann ist es meine Aufgabe das im Interview herauszuarbeiten. … Es ist ein aktivistischer Standpunkt, der die eigene Sichtweise als die Wahrheit oder auch moralische Instanz definiert, … Die „Mit so jemandem könnt ihr doch nicht reden!“-Rufe kommen dabei sowohl von rechts, als auch von links … Und ich kann ihnen nur eines entgegen werfen: Doch, verdammte Hacke nochmal! Ich kann nicht nur mir „solchen“ Leuten reden, es ist mein Job. … Ich bin nicht nur Journalistin, sondern auch Historikerin, daher ist für mich die Herangehensweise, mit der ich mich einem Ereignis nähere, sehr klar: Ich sichte die mir zur Verfügung stehenden Quellen, identifiziere Fakten und trenne sie von Meinungen und persönlichen Wahrnehmungen der Akteure. Letztere können durchaus in die Deutung der Ereignisse einfließen, doch ich mache subjektive Eindrücke als solche kenntlich, ordne ein, in welchem Kontext sie entstanden sind, und zeige, wie sie meine Schlussfolgerungen beeinflusst haben. Je breiter meine Quellenbasis, desto besser meine Möglichkeiten, desto leichter der Zugriff auf die Ereignisse. Eine breitere Quellenbasis macht Dinge jedoch auch komplizierter, weil differenzierter, Schwarz-weiß wird so nahezu unmöglich. Zum Glück. … Erstens muss ich Populisten nicht überdurchschnittlich oft das Wort erteilen. Nur weil sie laut schreien, heißt das nicht, dass sie in jeder Talkshow sitzen müssen. Und der Wunsch das eigene Ego im Interviewring mit Populisten zu messen, sollte auch nicht zur Basis für redaktionelle Entscheidungen werden. Um noch einmal auf das Bild des Historikers zurück zu kommen: Wenn ich eine Quelle überdurchschnittlich oft zitiere, ist an meiner Deutung der Ereignisse vielleicht etwas schief …

Wir Prügelknaben. Eine Kolumne von Thomas Fischer

Thomas Fischer in Die Zeit, 07.02.17

Man tut irgendwie aktuell. Aber letztlich ist es gänzlich gleichgültig, worüber man quatscht. Am 1. Februar ging es um die „Prügelknaben der Nation?“ – ein, wie erwähnt, unsinniger oder unverständlicher Titel. Mir schien: Redaktion und Moderatorin verfügten weder über ein Konzept, noch hatten sie einen Plan oder Grundkenntnisse des Themas Polizei und öffentliche Sicherheit. Der Regie-Einfall bestand darin, irgendwelche Leute zusammenzusetzen in der Hoffnung, dass die sich gegenseitig missverstehen, anschreien und beleidigen.

Breitbart über Schmalbart: Ein Muster, wie Breitbart arbeitet.

Christoph Kappes in schmalbart.de, 16.01.17

Es wird nicht gefragt und nicht recherchiert, die Realität wird passend gemacht, bis sie Vorurteile bedient – den Rest erledigen dann die Kommentatoren. So läuft Breitbart.

„Unerträglich unprofessionell“: Hans-Hermann Tiedje über die Trump-Berichterstattung deutscher Medien

Hans-Herman Tiedje im Interview in meedia.de, 10.01.17

Generell müssen Medien sich fragen, warum Konsumenten zu Ungunsten von Print, Radio und TV immer mehr dem Internet zuneigen. Als Rundfunk- oder Fernsehjournalist könnte man durchaus mal auf die Idee kommen oder diesen Gedanken eruieren: Vielleicht wollen die Menschen da draußen den Quatsch, den ich als Fernsehmensch ihnen so erzähle, nicht mehr hören?

Was die Bots und Algorithmen anbelangt: Die Wahrheit dahinter kann ich nicht einschätzen, dazu fehlt mir die Expertise. Was ich aber einschätzen kann, ist der Ablauf der Dinge: Zuerst wurden die Meinungsforscher beschimpft, dann hielten unsere Kommentatoren Trump-Wähler für dumme, weiße, ältere Männer. Das ist zwar erkennbar Nonsens, eigentlich gar nicht diskutabel, aber so war es. Dann kam die Sache mit den Bots und Algorithmen, und als sich auch dieses als nicht belastbar erwies, fand man den wahren Schuldigen: Putin. Das ist der böse Bube vom Dienst, der ist schuld an allem, jetzt auch an Trump. Und neuerdings fürchten sich die gleichen Kommentatoren davor, dass Putin auch für Sigmar Gabriel die Wahl gegen Frau Merkel gewinnt. Das ist eine deutlich bessere Comedy als die von Böhmermann. Fehlt eigentlich nur noch ein Kommentator, der behauptet, Putin habe was gegen Frauen, siehe Clinton, siehe Merkel. Wladimir, was tust Du mir?

Medien und Populisten: Welche Rolle spielen Talkshows?

von Patrick Gensing & Andrej Reisin auf NDR 1, 2016-12-01

Rund um die Landtagswahlen in drei Bundesländern am 13. März 2016 beschäftigten sich insgesamt sieben (!) Sendungen mit „Merkels Schicksalswahl“, der „Wut-Wahl“, der „Abrechnung mit der Kanzlerin“ oder der „Abrechnung mit Merkels Flüchtlingspolitik“. Innerhalb von zehn Tagen durfte die AfD sechs Mal ihre Thesen „zur besten Sendezeit“ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vortragen.

Eine von ZAPP angefragte Auswertung der führenden politischen Talk-Formate ergibt folgendes Bild: In bislang insgesamt 124 Ausgaben von „Anne Will“, „Hart aber fair“, „Maischberger“ und „Maybritt Illner“ (bis 23.11.2016) saßen 71 CDU-Vertreter, 28 der CSU, 49 der SPD, 30 Grüne, 32 der Linken, 11 der FDP und 22 der AfD. …

„Man hat in diesen Talkshows den Eindruck, es gibt eigentlich zwei Parteien – den bürgerlichen Mainstream und die widerständige AfD“, so Hachmeister im Interview mit der „taz“.