Wehret den Anfängen gesellschaftlicher Spaltung

Sepp Dürr in seppsblog, 10.02.17

Aber anders als früher, als es noch klare Fronten zu geben schien, genügt es nicht, nur das vermeintlich „Böse“ zu markieren, zu benennen und so quasi magisch zu bannen und auszugrenzen. Heute kommt es darauf an, sich frühzeitig ins Getriebe der gesellschaftlichen Abwärtsspirale einzuspreizen und alles zu vermeiden, woraus sie ihren Antrieb ziehen könnte.

Selbstgerechter Protest: Die Vertrumpung der Welt

Jakob Augstein in Spiegel Online, 26.01.17

Jetzt empören sich jene Eliten über Trump, die ihn doch selbst ermöglicht haben. Das nervt. … Beim Womens March in Washington haben sich Madonna und all die Frauen mit den rosa Mützen ihre Wut aus dem Leib geschrien. Aber als die Früchte der Globalisierung unfair verteilt wurden, als die Arbeiter ihre Jobs verloren und die Familien ihre Häuser, wie laut war da der Protest?

Selbstgerechtigkeit ist es, wenn die Ungerechtigkeit erst dann zum Anliegen wird, wenn man sich selbst betroffen wähnt.

Die Bürgersfrauen, die Journalisten, die Schwulen, die Professoren, die Künstler, die jetzt gegen Trump protestieren – sie waren in der Vergangenheit die Profiteure eines Systems, das sich um Rechte gekümmert hat, und dabei Gerechtigkeit völlig außer Acht ließ. … Auf der ganzen Welt sorgte sich die liberale Gesellschaft um die Folgen der amerikanischen Wahl. Und der Kapitalismus der Märkte zeigt, was ihm diese Sorgen bedeuten: nichts … Da kann die Kanzlerin die deutsche Industrie noch so inständig bitten, „nicht aus kurzfristigen Opportunitätsgründen zu schnell von dem abzuweichen, das wir als grundlegend richtige und erfolgreiche Prinzipien erkannt haben. …“