Keine Rettungsgasse – Helfer müssen laufen

in t-online.de, 25.02.17

Nach einem Unfall auf der A7 zwischen Kreuz Kassel-Mitte und der Anschlussstelle Kassel-Ost mussten Polizisten sowie die Besatzung zweier Rettungswagen die letzten zwei Kilometer bis zur Unglücksstelle laufen. Die anderen Verkehrsteilnehmer hatten keine Rettungsgasse gebildet.

Gender Mainstreaming – was verbirgt sich dahinter?

Christoph Raedel in jesus.de, 20.01.17

Die größte Umverteilung der Hausarbeit findet seit Jahrzehnten nicht von Frauen zu Männern, sondern von gutverdienenden zu schlechtverdienen Frauen – nämlich Putzfrauen – statt. Frauenquoten in Top-Positionen helfen den etwa 11 Prozent Frauen, die sich selbst als erwerbs- und aufstiegsorientiert bezeichnen. Sie kommen an Hochschulen und in Unternehmen in den Genuss von Förderprogrammen. Die Frauen, die Familie und Beruf vereinbaren (63 Prozent) oder gerne mit den Kindern zu Hause bleiben möchten (26 Prozent), bekommen dagegen zu spüren, dass sie hinter dem Leitbild des Doppel-Verdiener-Paares zurückbleiben. Sie schultern häufig eine oder mehrere Teilzeittätigkeiten und tragen die Hauptlast der Familienarbeit. Sehr viele übrigens nicht, weil sie diese Mehrfachbeanspruchung wünschen, sondern weil die seit Jahrzehnten sinkenden Realeinkommen beide Partner zwingen, zum Einkommen beitragen, um einen bestimmten Lebensstandard zu halten.

was nun folgen wird, ist eine zunehmende Intellektuellen-Schelte

Ulrich Kasparick in Facebook, 10.01.17

Man wird sie als „weltfremde Spinner“ bezeichnen, die „keine Ahnung“ haben, „wie das Volk denkt“. Das liegt in Logik des Postfaktischen, dem Wissen egal und das eigene „Gefühl“ über alles geht. Das jedoch wäre – man kennt das – eine „Volksherrschaft“ in ihrer übelsten Erscheinungsform. Wenn sich derlei dann auch noch mit politischer Macht verbindet, dann ist es wirklich finster im Lande, selbst, wenn die Tage wieder länger werden.

Die Arroganz der Beleidigten

Mely Kiyak in Kiyaks Deutschstunde. Eine Kolumne, in: Die Zeit, 2016-08-24
Das zu lesen, macht mich etwas wütend.
Wir waren und sind doch eigentlich auch noch ein Land mit friedlichen, netten Menschen, die dazu erzogen worden sind, der Frau mit Kinderwagen beim Einsteigen in den Bus zu helfen, egal, was sie auf dem Kopf trägt und den Nachbarn im Treppenhaus freundlich „Guten Tag“ zu wünschen, und sich ab und zu zu erkundigen, wie es geht, auch wenn Deutsch für die eine Zweitsprache ist. So kenn ich das jedenfalls hier aus der Gegend im Westen.
Dieses ekelhafte Gezeter und Gemäkel gegen Menschen, die vielleicht zufällig nicht von hier sind, kommt von ganz oben (Innenminister) und aus allen Kanälen der Medien. Mag sein, daß eine gewisse Partei nicht mehr weiß, wie anders sie sich Wählerstimmen sichern soll, daß gewisse Blätter meinen, so verkauften sie sich besser. Aber dafür die Leute gegeneinander aufzubringen, ist doch wirklich perfide. Hoffentlich nehmen die meisten das alles nicht ernst und bleiben stur so, wie sie sind!

Weltuntergangs-Apfelbäumchen

Viele in meiner twitter-Timeline sind heute nach der Abstimmung über EFSF sehr ungehalten über Politiker und Parlament im allgemeinen und pessimistisch bis sarkastisch, was die Zukunft angeht.
Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das den Weltuntergang bedeutet, da käme manch andere Entscheidung auch in Frage, aber Luther hat ja geraten, an solch einem Tag ein Apfelbäumchen zu pflanzen.
Nun habe ich eigentlich Äpfel genug im Garten, aber zwei Spalierbäume, nun 20 Jahre alt, ein Ontario-Apfel und eine Bühler Zwetsche, haben nie etwas Gescheites getragen und waren nun auch keine Zierde mehr am Zaun zum Nachbarn.
Kurz, sie sind nicht mehr. Dafür wird dort eine hohe (1,50 bis 3 m) Rosenhecke wachsen. Ich stelle sie mir sehr schön vor, zumal sie zur Hälfte den Platz mit einrahmt, an dem wir im Sommer gern sitzen, und zähle sie mal von vorn nach hinten, von der Sonne in den Halbschatten, auf:
damascena Trigintipetala
La Reine
Mme Ernest Calvat
Mme Pierre Oger
Mme Isaac Pereire
Souvenir du Docteur Jamain
rugosa Sarah van Fleet
rugosa Agnes
rugosa Conrad Ferdinand Meyer
Fantin Latour
alba Maidens Blush
gallica Conditorum
Variegata di Bologna

Kleine Guttenbergs

Kleine Guttenbergs muß es viele geben. Auf Anhieb fallen mir zwei Auszubildende ein:

Einer wußte, daß er später in die Fußstapfen seines geschäftlich „erfolgreichen“ Vaters treten würde. Zuvor sollte er allerdings Gärtner lernen. Wir zeigten ihm am ersten Tag Ackerflächen mit allerlei verschiedenen komplizierten Kulturen und wollten ihm etwas Vorfreude vermitteln auf den Stolz darüber, was er alles nach der Lehre können werde.

Die Reaktion des Grünschnabels vergesse ich nie: „Was, das macht ihr alles selbst? Schön blöd, das gibts doch spottbillig in Polen.“

Ein anderer glaubte auch schon mit Anfang 20, ihm gehöre die Welt und konnte überhaupt nicht verstehen, daß ich mich in der Gründungsphase von rosenwelten mit sowas wie Texte schreiben aufhielt (Beschreibungen der Sorten im Angebot, Pflanzanleitungen). Wo es das doch alles im Internet und in Katalogen anderer Firmen schon gibt!

Wobei die jungen Leute ja nur kundtun, was sie sich bei ihren Eltern usw. abgeguckt haben. Die „Ich-bin-doch-nicht-blöd“-Mentalität. Gut, daß mal einer richtig medienwirksam dafür die Rechnung bekommen hat.