Zeitgemäße Rosen und solche, die kein Mensch mehr braucht

Opas Rosenbeet brauchte viel Chemie und ständiges Schneiden. Damals ging das: an die Gefahren der Chemie dachte man noch nicht, und die Rosen waren sein Stolz mit ihren riesengroßen Blüten auf langen Stielen. Das war damals noch etwas Besonderes. Und nicht nur beim Garten-Hobby zweifelte noch niemand an der Lebensregel „Ohne Fleiß kein Preis“.

Kinder, die das miterlebt hatten, suchten sich meist andere Hobbies. Und mittlerweile hat sich als Lebensregel durchgesetzt, daß alles leicht, am besten mit einem Klick erreichbar sein soll.

Doch seit keiner mehr die Rosen so ordentlich pflegt wie Opa, sind daraus traurige Gestalten geworden, mit nackten Beinen und übergewichtigen Blütenköpfen.

Kataloge und Verkaufsverpackungen der Gartencenter und Baumärkte zeigen aber immer noch nur Einzelblüten. Sie wecken die tollsten Sehnsüchte. Dem Kunden werden immer noch die großköpfigen „Edelrosen“ aufgedrängt, als seien sie der unübertreffliche Höhepunkt der Züchtung bzw. als sei die Zeit 1980 stehengeblieben. Oder, falls es richtig teuer sein darf, im „Premium“-Topf mit Goldschrift auf „alt“ und „romantisch“ getrimmte Modezüchtungen, denen man den Stilbruch ansieht, sobald man seinen eigenen Augen mehr glaubt als dem Marketing.

Sobald die unehrlichen Farben der Bildetiketten verblichen sind und die Pflanzen in der rauhen Gartenwirklichkeit ihre wahre Gestalt zeigen könnten, zeigt sich, daß da nichts ist, und die Enttäuschung ist groß. Die sich ihre Verführung aber nicht eingestehen wollen, hoffen Jahr für Jahr, daß es nächstes Jahr besser wird. Damit sind die Rosen dann allerdings wahre Symbole der Romantik geworden, die ja die ewige unstillbare Sehnsucht nach dem Unmöglichen ist.

Dabei sind sind Rosen von Natur aus überaus zähe, vitale, üppige und elegante Sträucher, die den Garten ohne große Pflege um ganzjährig erfreuliche Rosenwelten aller Art und für viele Zwecke bereichern könnten. Die Züchtung ist in den letzten 20 Jahren beileibe nicht stehengeblieben. Zuerst im Hause Noack, dem nun auch die Marktmächtigeren mehr oder weniger gelungen nacheifern, sind Sorten gelungen, deren edles Ambiente nicht sich nicht in ein paar monströsen Blüten ab und zu erschöpft, sondern in endlosen Mengen davon auf einem ebenso schönen, von selbst gut verzeigten und stark belaubten Busches besteht.

Zum Glück geht das alles noch nach den althergebrachten Methoden vonstatten und nicht mit Gentechnik. Pflanzen bleiben zum Glück noch Lebewesen. Wer das nicht zu schätzen weiß und von der Panik erfaßt ist, die sensationslüsterne Medien gegenüber Krankheitszeichen allerorten verbreiten, wer von Pflanzen Sterilität erwartet statt Robustheit und seine Augen statt auf die Natur und das Leben ständig voll Angst auf die ersten Anzeichen eines zum unausweichlichen Untergang führenden „Befalls“ richtet, für den können leider lebende Pflanzen gar keine Quelle der Freude mehr sein. Er ist zu bedauern.