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Geschichte: in Arbeit: Die ältesten Hospitalregeln und die Ursprünge der städtischen Hospitäler im Mittelalter

08. 01. 2019

Eine Entdeckung

Vor meinem Geschichtsstudium hatte ich als Zivildienstleistender in einem Alten- und Pflegeheim der Diakonie gearbeitet und dabei auch am Unterricht in der dortigen Krankenpflegeschule teilnehmen können, abgeschlossen mit dem „einjährigen“ Krankenpflege-Hilfe-Examen. Mit dem Beruf noch im Hinterkopf, stolperte ich eines Tages in einem Karteikasten im Katalogsaal der Bayerischen Staatsbibliothek über Literatur zum Schlagwort „Krankenpflege/Geschichte/Mittelalter“. Habe mir dann gleich ein paar der dort verzeichneten Bücher entliehen und daran gedacht, daß das vielleicht ja ein Thema, über das ich mal meine Abschlußarbeit schreiben könnte?

Gleich im ersten Buch stieß ich auch schon auf Unerforschtes. In seiner Edition der Regel des Hospitals zu Eichstätt aus dem Jahr 1250 konstatiert der Herausgeber, Andreas BAUCH, weitreichende Übereinstimmungen mit der Regel des Hospitals Nôtre-Dame zu Paris (1220), der des Hospitals Santo Spirito in Saxia zu Rom und derjenigen des Johanniter-Haupthospitals zu Jerusalem (1152?); die Frage, wie es dazu gekommen sein könnte, bleibt aber offen.

Unerklärte Textverwandtschaften zwischen Hositalregeln entdeckte ich bald noch viel mehr. Wurden Ordensregeln ganz gut erforscht, schon weil bis heute bestehende Gemeinschaften ihre eigene Geschichte bearbeiten, blieben Regeln selbständiger Hospitäler wenig bis unerforscht, obwohl sie viel zahlreicher waren (allerdings war lange Zeit gar nicht klar, daß z.B. die meisten Heilig-Geist-Hospitäler nicht zum Heilig-Geist-Orden gehört haben). Léon LEGRAND, der immerhin eine Menge solcher Regeln selbständiger Hospitäler 1901 gedruckt herausgegeben hat, erklärte rundweg, sie stammten, soweit es um Krankenpflege geht, allesamt von der Johanniterregel ab, ansonsten von der Augustinerregel, und das wurde seither allgemein ohne weiteres repetiert, z.B. noch 1977 und 1991 in Dissertationen. Selbst Siegfried REICKE übernahm in seinem Standardwerk zur Rechtsgeschichte der deutschen Hospitäler bezüglich der Regeln einfach die Ansicht, sie seien Varianten der Augustinerregel.

Umso mehr beflügelte meinen Forscherdrang, was ich über belgische Literatur. herausfand: daß die Regel des Sint-Janshospitaals der Hansestadt Brugge und die des gleichnamigen zu Gent von Januar 1188 bzw 1196 als besiegelte Originalurkunden, also so sicher wie nur möglich, überliefert sind, und dazu erheblich älter als die älteste Handschrift der Johanniterregel (1253). Bereits ein erster Blick auf diese Texte legt auch die These nahe, daß sie und nicht die Johanniterregel über die Hansestadt Lübeck eine breite Vorbildwirkung rund um die Ostsee gehabt haben. 1981 hat BONENFANT-FEYTMANS erstmals europäische Hospitalregeln der Zeit um 1200 sowie Aussagen des Zeitgenossen Jacques de Vitry über Hospitalgemeinschaften sowie Beschlüssen französischer Provinzialkonzile von 1214-1215 ohne die Prämisse, sie wären alle von der Johanniterregel abgeleitet, miteinander verglichen und in Beziehung gesetzt und diese Meinung Le Grands als haltlos erwiesen.

Ich habe dann 1985 zunächst in meiner Magisterarbeit, einer der ersten, die Prof. Giese betreute, eine Übersicht über die bisherige Literatur zu den mittelalterlichen Hospitälern gegeben, die ich hier im folgenden Kapitel zusammenfasse, und mit einer Edition der Brugger Urkunden samt ihrer Nachwirkung begonnen. Das auf alle Hospitalregeln auszuweiten, blieb ein Dissertationsprojekt, wohlwollend beobachtet, aber, da selbst gewählt, in München ohne befruchtende Umgebung. 1989 mußte ich vorerst abbrechen und einen „richtigen Beruf“ lernen. Sowie ich mich ab 1999 im Zuge der Digitalisierung mit Datenbanken einigermaßen vertraut gemacht hatte, begann ich, die Verwandtschaft der Hositalregeltexte mit technischer Hilfe aufzuklären, aber da war der Abstand zur Universität bereits zu groß, als daß es noch eine Dissertation hätte werden können. Abschließen will ich es aber und nutze nun das Internet zum Veröffentlichen. Danke für Interesse, Nachrichten gerne an post at rosenwelten.de, Verwendung bitte mit Quellenangabe.

  1. Bauch, Regel Eichstätt
  2. Ein Johanniter, Delaville le Roulx, Cartulaire , gab im Rahmen einer mehrbändigen Edition von Ordensurkunden die Johanniterregel heraus und veröffentlichte 1894 (Delaville le Roulx, Les hospitaliers en terre sainte) und 1906 (Delaville le Roulx, De prima origine ) Aufsätze darüber. 1929 forschte Maria AMBRAZIEJUTÉ über die Entstehung der Johanniterregel. Die Regel des Heilig-Geist-Ordens gab DE ANGELIS 1954 heraus; die des Deutschen Ordens Perlbach, Stauten Deutscher Orden . Christian Probst, Deutscher Orden (1969) und Arnold, Entstehung des Deutschen Ordens (1980) trugen zur Erforschung der Deutschordensregel bei. Die Augustinerregel schließlich, von der es in der Literatur oft heißt, sie sei die Regel der Hospitäler gewesen, liegt seit 1967 in einer kritischen Edition von VERHEIJEN vor.
  3. Le Grand, Edition
  4. obwohl bereits ein Blick in die Texte in LE GRANDS Ausgabe zu ernsten Zweifeln daran genügt hätte. Seine Methodik gerät in zweifelhaftes Licht, wenn er die Legende von der urchristlichen Entstehung der Johanniterregel ungeprüft übernimmt (Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit verlegten Institutionen gern ihre Anfänge ins Urchristentum oder wenigstens so weit wie möglich in die Vergangenheit zurück, um an Ansehen und Rechtssicherheit zu gewinnen. In dieser Absicht wurden Legenden über die eigene Gründung entwickelt und tradiert, in denen die Regel als eine Art Gründungsurkunde eine zentrale Rolle spielte.) oder von gewissen Regeln einfach behauptet, sie hätten „auch noch anderswo“ gegolten.
  5. Reicke, Spital
  6. Nur in Belgien ist bisher eine kritische Edition einer Hospitalregel erschienen, von der des Hospitals S. Jean zu Brüssel (1211), vorgelegt von Paul Bonenfant, Cartulaire
  7. [Jerusalem-Datierung]
  8. Bonenfant-Feytmans, J. de Vitry

Was wir über Hospitäler im Mittelalter wissen

Ertrag der Forschungsgeschichte

Die Anfänge geschichtlicher Werke über mittelalterliche Hospitäler fallen ins 19. Jahrhundert, und zwar in die Zeit, als Fortschritte in der Medizin und der Hygiene das Aussehen wie auch die Funktion der vielerorts noch vorhandenen alten Hospitäler völlig zu verändern anfingen, als sozial eingestellte Theologen zwischen Kapitalismus und Sozialismus an eine christlichen Lösung der „sozialen Frage“ durch Diakonie beziehungsweise Caritas arbeiteten, und als Krankenpflege ein respektabler Beruf für Damen zu werden begann.

Ungleich älter noch als diese drei ist die Tradition der Ordensgeschichtsschreibung in denjenigen mittelalterlichen Hospitalorden, die bis in die Neuzeit intakt geblieben sind: Johanniter, Deutscher Orden, Heilig-Geist-Orden besitzen eine beinah ungebrochene Tradition eigener Historiographie seit jener Zeit, die unseren Untersuchungsgegenstand bildet.

Die mittelalterlichen Hospitalgebäude - nunmehr „meist ... kleine und unscheinbare, nicht selten vernachlässigte und verfallene Anstalten“ (Rudolf Virchow) - waren der Schrecken moderner Mediziner geworden

Die in ihnen seit alters ihren Dienst verrichtenden Wärter und Wärterinnen wurden von energischen, gebildeten Damen als „unwissend, trunksüchtig, habgierig und von zweifelhafter Moral“ verschrieen - von Damen, die einen Beruf dazu fühlten, "Pflegerin" zu werden und ihren Einzug in die alten Hospitäler mit tagelangem „Ausmisten des Augiasstalles“ begingen.

Theologen verfolgten die „soziale Frage“ ihrer Gegenwart ins Mittelalter zurück und sahen dort das Hospitalwesen als besonders deutliche Konkretion vorbildlichen Umgangs mit dem „Armutsproblem“.

So veranlaßten Entwicklungen im 19. Jahrhundert, die Geschichte der mittelalterlichen Hospitäler zu studieren, lange bevor die akademische Geschichtswissenschaft so etwas wie „Culturgeschichte“ als Aufgabe erkannte. ((Den Geschichtsinteressierten blieb es selbst überlassen, neben ihrer Berufstätigkeit als Architekt, Arzt, Krankenpflegerin oder sozial engagierten Theologen aufgrund der damals üblichen hohen historisch-philologischen Allgemeinbildung anhand der erreichbaren Quellen historisch zu dilettieren.))

Nachfolgende Historiker-Generationen, auch wenn sie nun hauptberuflich arbeiteten, bauten auf den von den älteren gelegten Grundlagen auf: Medizinhistoriker, Architekturhistoriker, Kirchenhistoriker, und etwas später auch die Rechtshistoriker übernahmen die Fragestellungen und Interessenschwerpunkte ihrer jeweiligen Vorgänger. Kaum eine(r) nahm dabei von den Ergebnissen der jeweils anderen Disziplinen Notiz.

[[Ich stellte mir vor, mit Hilfe moderner allgemeingeschichtlicher Konzepte müßte die Zersplitterung der Hospitalgeschichte doch zu überwinden sein, und die Hospitalregeln schienen mir dafür ein guter Ausgangspunkt zu sein. Leider gehörten moderne Ansätze wie die der "Annales" damals in München noch nicht gelehrt, nur gerade eben erwähnt, daß es so etwas auch gibt, und fehlende Französischkenntnisse erschwerten es mir, mich selbst hineinzulesen. So wurde aus dem Projekt, wie mein Lehrer, Herr Prof. Giese damals bereits voraussah, ein "Lebenswerk" ...]]

  1. dazu nun Bischoff, Claudia, Frauen in der Krankenpflege. Zur Entwicklung von Frauenrolle und Frauenberufstätigkeit im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt (Main): Campus, 1994

Was sind das für Texte, die mittelalterlichen Hospitalregeln?

Handschriften und Drucke

Sammlung

Handschrift der Hospitalregel Brugge 1188
Handschrift der Hospitalregel von Abbeville, 1243
Handschrift der Hospitalregel Abbeville 1243
Handschrift der Hospitalregel von Abbeville, 1243
Handschrift der Hospitalregel Gent 1196
Handschrift der Hospitalregel von Abbeville, 1243

Die Texte, die der folgenden Untersuchung zugrundeliegen, habe ich über Jahre hinweg gesammelt, indem ich allen erreichbaren Hinweisen in der Literatur auf gedruckte und ungedruckte mittelalterliche Hospitalregeln nachgegangen bin. Systematisch die europäischen Archive und Bibliotheken zu durchsuchen, hätte vielleicht mehr Funde ergeben, war aber für mich zu aufwendig. Dank der Langwierigkeit des Unternehmens und der großen Hilfsbereitschaft der Fernleihstellen, besonders an der Universitäts- und der Staatsbibliothek München sowie der Landesbibliothek Wiesbaden, denke ich, auch so einen gewissen Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu können. Die Texte sind in folgenden Handschriften überliefert:

Lücke zwischen Textdatum und Überlieferungsbeginn

Soweit Entstehungszeiten der Handschriften bekannt sind, haben wir in zwölf Fällen Originalüberlieferung, also Gleichzeitigkeit mit der Datumsangabe des Textes, den sie überliefern, wovon aber eigentlich nur die ersten sechs von vor 1250 stammen und sich so noch einigermaßen unter die „ältesten Regeln mittelalterlicher Hospitäler“ rechnen lassen:

Gleichzeitige Handschriften (Original-Überlieferung)
LückeText-DatHandschrift-DatTextFundort (mit verlinkter Abbildung)
01188.01.1188.01Brugge 1188Brugge/Bruges, Archief van het Oopenbar Centrum voor Maatschappelijk Welzijn, St.-Janshospitaal, Signatur.: Charter nr. 1,
01188.01.1188.01Brugge BgBrugge/Bruges, Archief van het Oopenbar Centrum voor Maatschappelijk Welzijn, St.-Janshospitaal, Signatur.: Charter nr. 1,
01188.01.1188.01.Brugge B"Brugge/Bruges, Rijksarchief/Archiv de l"État, Aanwinsten, Signatur.: nr. 6509,
01196..1196..GentGent/Gand, Stadsarchief/Archive de la Ville, Stadscharters, Signatur.: reeks 94, nr. 17,
01236..1236?Gent Lepr mnldGent/Gand, Archives de l"État/Rijksarchief, Fonds Rijke Gasthuis, Signatur.: Voorlopig nr. B4594,
01243.04.1243.04.AbbevilleAmiens, Archives Départementales de la Somme, Archives d"Hôtel-Dieu d"Abbeville, Signatur.: F 1,
01253.08.1253.08.HerentalsHerentals/Hérenthals, arr. Turnhout, [Hospitalarchiv], , Signatur.: ,
01266..1266AalstGent/Gand, Archives de l"État/Rijksarchief, Fonds O.L.V.-hospitaal te Aalst, Signatur.: I, 2,
01301..1301KielKiel, Stadtarchiv, Urkunden, Signatur.: Nr. 9,
01319.12.1319.12EnghienMons/Bergen, Archives de l"État/Rijksarchief, Hôpital Saint-Nicolas d"Enghien, Signatur.: No. 9,
01328.04.231328.04.23München 1328München, Hauptstaatsarchiv, Gericht München, Urkunden, Signatur.: Fasz. 3,
01654.02.251654?Aalborg 1654Ålborg, Hospitalets arkiv, , Signatur.: pk. 9, unbekannte Nr 1,
01675.05.011675?Aalborg 1675Ålborg, Hospitalets arkiv, , Signatur.: pk. 9, unbekannte Nr 2,

Die übrigen sind durch Abschriften (kopial) überliefert. In drei Fällen beträgt die Lücke zwischen Textdatum und Handschriftdatum bis zu 10 Jahre, in noch sieben weiteren immerhin bis um 100 Jahre. Das trifft auch zu für die älteste Handschrift der lateinischen Johanniterregel von 1253.10.07 (deren altfranzösiche Fassung ist mit 46 Jahren Lücke zeitnaher überliefert):

2: Überlieferung durch bis zu 100 Jahre jüngere Hss.
LückeText-DatHandschrift-DatTextFundort (mit verlinkter Abbildung)
31197..1200-1300Tournai ND MeisterTournai/Doornik, Archives de l"État/, , Signatur.: Cart. C,
61294..1300 bis 1400 ?Lübeck 1294Riga, Zentrales Historisches Archiv der Litauischen SSR, Fond 673, opis" 2 (l-1), Signatur.: delo 6 (l-1),
101233.06.1243.04.AmiensAmiens, Archives Départementales de la Somme, Archives d"Hôtel-Dieu d"Abbeville, Signatur.: F 1,
301220.05.1250 ?Cambrai S-JulienCambrai/Kamerijk (Diözese), Bibliothèque municipale, Archives hospices de Cambrai, St-Julien, Signatur.: I A 5 (früher no. 329),
461154.10.211200-1300Jerusalem afrzDijon, Archive de la Côte-d"Or, H, Signatur.: 111,
621238..1300 bis 1400 (nach 1366?)TournaiTournai/Doornik, Trésor de la Cathédrale, , Signatur.: , Cest le riegle et ordenance des sœrs del hostelerie Nostre Dame de Tournay
771227.06.1304.05.Cambrai S-JeanCambrai/Kamerijk (Diözese), Bibliothèque municipale, Archives hospices de Cambrai, St-Jean, Signatur.: inseriert in: X A 2 (früher no. 348),
891211.10.1300 bis 1400Bruxelles 1211Bruxelles/Brussel, Archive de la ville/Stadsarchief, , Signatur.: vol. 1373,
991154.10.211253.10.07 laut BegleitbriefJerusalem latAarau, Staatsarchiv des Kantons Aargau, Johanniter-Kommende Leuggern, Signatur.: Nr. 7,
1121204..1316 bis 1334Roma S-Spirito 1316Roma, Biblioteca Vaticana, Fondo Borghese, Signatur.: N. 292,

Die übrigen liegen nur in Abschriften vor, die über 100 Jahre jünger sind als die Abfasungsdaten der Texte, so daß zunächst unsicher ist, ob der überlieferte Text wirklich in allen Teilen und Einzelheiten von der Zeit ist, auf die er sich selbst datiert; beim Abschreiben können Teile eingeschoben, Veränderungen vorgenommen worden sein, ohne das zu kennzeichnen. Bei diesen Texten müssen, je größer die Lücke ist, umso mehr innere Kriterien mitberücksichtigt werden, wenn es den genauen, ursprünglichen Wortlaut herzustellen gilt.

Überlieferung durch über 100 Jahre jüngere Hss.
LückeText-DatHandschrift-DatTextFundort (mit verlinkter Abbildung)
1301370.11.041500-1600 (nach der Schrift, Mus)Ieper Lepr 1370Ieper/Ypres, Archief der Commissie van Openbaren Onderstand, fonds Hooge Zieken. alg. litt., Signatur.: B,
1371263..1400 bis 1500Troyes latTroyes, Archives Départementales de l"Aube, , Signatur.: carton 4,
1691231..1400 bis 1500CoëffortLe Mans (Diözese), Bibliothèque du Mans, , Signatur.: Ms. 253, Livre blanc de l"Évêché
2111309..1520 ca.Barth 1309Barth, Lkr. Nordvorpommern, Pfarrarchiv, , Signatur.: ,
2801220..1500 bis 1600, 2 Kopien, beide lat. und frz.ParisParis, Archive de l"Assistance Publique, , Signatur.: liasse 866,
2891200..1489.07.14AngersParis, Archives Nationales, , Signatur.: X 1a 1497,
3141200..1514.12.1FossesNamur/Namen, Archiv de l"État, Chartrier des sœurs grises, Signatur.: [in die Urkunde Borgnet Nr. 20 inseriert],
3351265..1600 bis 1700Saint-PolArras/Atrecht, Archives Départementales de Pas-de-Calais, Archives hospitalières de Saint-Pol, Signatur.: A 1,
3451255.02.1600 bis 1700Bruxelles S-GertrMechelen/Malines, Archive de l"Archevêché, Cameracensia, Signatur.: reg. 6 (früher X),
3541246..1600 bis 1700BeauvaisBeauvais, Archives Départementales de l"Oise, , Signatur.: A7,
4381162..1600 bis 1700AubracRodez, Archives Départementales de l"Aveyron, , Signatur.: G 404 und G 406 = No. 13 und No. 14,
4471253.11.1700 bis 1800Bruxelles S-NicolaiBruxelles/Brussel, Archive de la ville/Stadsarchief, , Signatur.: vol. 1373,
45212301682-Vienne S-AntoineGrenoble, Grand Séminaire, Inventaire des titres et fondations de l"abbaye de Saint-Antoine, Signatur.: No. 3,
4531247.07.1700 bis 1900Lessines 1247Lessines/Lessen, Centre Publique d"Aide Sociale, , Signatur.: ,

Zur Handschriftengeschichte

Oft wurden Hospitalregeln wohl zunächst im Hospitalarchiv aufbewahrt, wurde das Hospital später aufgelöst, kamen sie in ein staatliches Archiv. Manche Hospitalarchive bestehen aber noch und bewahren weiterhin die mittelalterliche Regel ihres Hauses auf.

Ungewöhnlich ist das Schicksal der Handschrift der Regel von Eichstätt: sie scheint irgendwann am Ort in private Hand gekommen zu sein und von da mit Auswanderern 1905 nach Amerika, wo sie später in die Universitätsbibliothek Philadelphia gelangte.

Die Regel des Hospitals von Ypern wurde im Ersten Weltkrieg vernichtet.

Das Kopiar, das eine entstehungszeitnahe Abschrift der Lübecker Regel von 1263 enthält, galt bis vor kurzem als Kriegsverlust, kam dann aber zurück; 2001 war es jedoch noch nicht wieder zur Benutzung freigegeben. Aus dem Zentralen Historischen Archiv der Lettischen SSR bekam ich eine Fotokopie einer Urkunde von 1294, in die die Regel des Lübecker Heilig-Geist-Hospitals inseriert ist.

Drucke und Editionen

Textcharakteristika

Aufbau und Form

Urkundenform

Viele Hospitalregeln sind ihrer Form nach Urkunden mit vollständigem Formular. Von der Vollständigkeit und Richtigkeit der Formeln einer Urkunde hing es ab, ob ihr Rechtskraft zugemessen wurde.

4: Hospitalregeln in Urkundenform
TextInvocatioAusstellerSalutatioArengaNarratioDispositioCorroboratioSiegelDatum
1211 Bruxelles[Invoc.]Jean III. de Béthune, Bf v Cambr[Salut.]Quomiam ...Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Narr.]sic ordinando disponimus[Corr.][Siegel]Actum
1223 Cambrai S-Julien[Invoc.]R. prévost, A. decanus v Cambrai[Salut.]ordinauimus ... modum uiuendi[Corr.][Siegel]Actum
1227 Cambrai S-Jean[Invoc.]Nicolas de Fontaine, Bf v Cambr[Salut.][Narr.]ordinavimus modum vivendi[Corr.][Siegel]Actum
1233 Antwerpen[Invoc.]Godefroid de Fontaine, Bf v Cambr[Salut.]Quum via ...Quum via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Narr.]sic ordinando disponimus[Corr.][Siegel]Actum
1246 BeauvaisOdo v Tusc., Ppl Legat{Salut.][Narr.]Dispositio[Corr.]SiegelActum
1247 LessinesGuido, Bf v Cambrai[Salut.][Narr.]statuimus et ordinamus[Corr.]SiegelActum
1253 Bruxelles S-Nic latscabini et universi burgenses v Brx[Salut.]admonitioex parte reverendi patris nostri N..., Dei gracia Cameracensis episcopi, sepuis monicionem recepimus diligentem ut ad reformacionem hospitalis, beati Nycholai in Bruxella curam adhiberemus efficacem, eo quod ad usus et recreacionem pauperum transeuntium a prima fundacione de fidelium elemosinis statutum fuit et ab antiquis temporibus, a quibus non extat memoria, observatum, sicut eciam adhuc superstites recolunt infinit
episcopo
volumus et decernimusarticuli inferius conscripti, quos ibidem eciam volumus et decerni-miis observari[Corr.]der StadtActum
1253 Herentals[Invoc.]Nicolas de Fontaine, Bf v Cambr[Salut.]Cum non ...Cum non sit victima melior quam obedientia et Dominus benedictionem et vitam promiserit ...[Narr.]sic ordinando disposuimus[Corr.][Siegel]Actum
1255 Bruxelles S-Gudule[Invoc.]Nicolas de Fontaine, Bf v Cambr[Salut.]Quomiam ...Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Narr.]sic ordinando disponimus[Corr.][Siegel]Datum
1258 AardenburgWalter de Croix, Bf v Tornai
et scabini de Rodemburg
[Salut.]consensum est[Corr.]beiderDatum et actum
1277 sHertogenbosch[Invoc.]Jean d Enghien, Bf v Tournai[Salut.]Quomiam ...Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Narr.]sic ordinando disponimus[Corr.][Siegel]Actum et datum
1286 GeelGuillaume d Avesnes, Bf v Cambr[Salut.]Cum non ...Cum non sit victima melior quam obedientia et Dominus benedictionem et vitam promiserit ...sic ordinando disposuimus[Corr.]und das des
Herrn v Geel
Actum
1319 Enghien[Invoc.]Pierre de Lévis-Mirepoix, Bf v Cambr[Salut.]Quomiam ...Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Narr.]secundum Regulam b. Augustini
sic ordinando disponimus
[Corr.][Siegel]Actum

Etwa die Hälfte der urkundenförmigen Hospitalregeln hat ganz am Anfang oder nach der Invocatio noch zusätzlich eine Überschrift. Die gehörte nicht zum Urkundenformular, auch für die Verfasser nicht, denn sie konnte z.B. in einer Volkssprache verfaßt werden, obwohl alles Nachfolgende lateinisch war (1176 in Lüttich und 1266 in Aalst):

  1. Diese Urkunde ist ein Vidimus für 1211 Bruxelles (vgl. vorige Tabelle), die in der Dispositio wörtlich zitiert wird. Und das Ganze ist nun mit einer Überschrift versehen.
5: Hospitalregeln in Urkundenform mit Überschrift
TextÜberschriftInvocatioAusstellerSalutatioArengaNarratioDispositioCorroboratioSiegelDatum
1176 Liège Mont CornillonPrivilègesLes Privileges des citains de Liège concedeit et confirmeit alle maison de Cornillon; comment ils se doient governer et estre governeit de leurs maistres et recepveurs[Invoc.]scabini v Liège[Salut.]Que ad pacisQue ad pacis et salutis fidelium [spectare videntur toto annisu] humili tuenda et promovenda sunt[Narr.]duximusVorbehalt[Siegel]Actum
1223 Bruxelles.InstitutioInstitutio fratrum et sororum[Invoc.]Godefridus[Salut.][Arenga][Narr.]duximus confirmandas[Corr.][Siegel]Datum
1233 Montdidierrègle et bulleChy sensuit la teneur de la règle et bulle ordonnance de la religion monseigneur sainct Jehan Baptiste de Mondidier translatée de latin en franchois, faicte par Ricart par la grâce de Dieu évesque dߢAmiens.Ricart, Bf v Amiens[Salut.]Comme dߢofficeComme dߢoffice de pasteur nous soions tenus de veillier continuellement sur le peuple à nous baillé en garde par quoy nos sommes débiteurs à tous en Jésus-Christ, principallement nous devons pourvoir aux personnes de religion qui ont renoncié au monde et au faitz de celluy monde par les veulx quߢilz ont fais et par lߢabit de la religion quilz ont pris par dehors pourquoy ils sont loiés et estrains du lien dߢobédience, en ensuivant Jésus-Christ et la foy priant par bonnes ?uvres par dedens et par dehors.[Nar..]Hospitalgemeinschaft hat Regeln selbst vorgeschlagen und um Bestätigung gebetenconformons et enjoignonsVorbehalt&
[[Corr.]
Donné
1233 AmiensRegulaRegula domus hospitalis ambianensisGaufridus, Bf v Amiens[Salut.]Cum excommissoCum excommisso nobis pastoralis officij talento super gregem nobis creditum assidue et instanter teneamur vigilare. et universis et singulis sumus debitores in Christo precipue tamen religiosis personis. et mundo renuntiantibus debemus providere. ut sicut seculo et actibus secularibus voto emisso et habitu religionis assumpto renuntiaverunt exterius. Ita quoque Christum operibus sanctis et obedientie nexibus astricti. et christianam fidem interius imitentur.[Nar..]Hospitalgemeinschaft hat Regeln selbst vorgeschlagen und um Bestätigung gebetenconfirmamusVorbehalt&
[[Corr.]
Actum
1266 AalstRegeleRegele ofte institutie van den Prieuse ende Susteren van den hospitale binnen Aelst (Titel nach de Potter)Nicolas de Fontaine, Bf v Cambr[Salut.]Quomiam ...Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Nar..]sic ordinando disponimus[Corr.][Siegel]Actum
1349 HarelbekeCopia literarumCopia literarum tangentim fundationem hospitalis Sancti Nicolai HarlebeccensisJean des Prè, Bf v Tournai[Salut.]Notum facimus quodVorbehalt[Siegel]Datum et actum
1354 IjzendijkeOrdinatioOrdinatio sive statutum ultra fundationem super>statu et regimine hospitalis de Ysendike.Philippus, Bf v Tournai[Salut.]Quia nonQuia non antequam quod conjectura proficuum debet reprehensibile judicari, si aliqua, a nostris predecessoribus pro suo tempore proinde statuta, in melius immutemus, maxime cum ea, ex causis postea emergentibus, videmus obesse potius quam prodesse[Narr.]statuimus et etiam ordinamusVorbehalt&Corr.[Siegel]Datum et actum
1400 TravemünderegulaHec est regula, quam precepimus seruare fratribus et sororibus domus sancti spiritus in travenemunde.Borchardus Bf v Lübeck[Salut.]precepimusDie Überschrift steht an dieser Stelle und fungiert quasi als Dispositio

Der Aufbau ist im allgemeinen folgender: Nach der Anrufung Gottes (Invocatio) bietet der Aussteller allen, die dieses lesen, seinen Gruß (Salutatio), erzählt nach einer allgemeinen religiös-ethischen Erwägung (Arenga) die Vorgeschichte (Narratio) und leitet dann mit einem Verb wie z.B. "sic disponimus:" den Rechtsinhalt (Dispositio), hier also: die einzelnen Regeln, ein, den er am Schluß mit einer Corroboratio bekräftigt, in der er die beigebundenen Siegel erwähnt. Ganz zuletzt steht die Datumszeile. Bei den Hospitalregln findet sich eine Arenga nur in von Bischöfen und nie in von Bürgern ausgestellten Urkunden. Nur zwei bischöfliche Urkunden sind ohne Arenga, an der einen, Aardenburg 1258, waren auch Schöffen beteiligt, die andere ist sehr spät, Harelbeke 1349. Fehlt die Arenga, fehlt immer auch die Invocatio. Normalerweise scheint jeder Bischof seine Lieblingsarenga gehabt zu haben, aber "Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali ..." wurde von 1211 bis 1319 von verschiedenen Bischöfen von Cambrai wie auch von Tournai verwendet. "Cum non sit victima melior quam obedientia et Dominus benedictionem et vitam promiserit ...", imerhin 1253 und 1286 von zwei verschiedenen Cambraiser Bischöfen.
Die Narratio verrät meist nur Allgemeines, anders z. B. bei der von Brüsseler Bürgern ausgestellten Urkunde für S Nicolas: da berichtet sie, daß sie einer Ermahnung des Bischofs, das Hospital zu regulieren, nachgekommen seien.
Corroboratio vs Vorbehalt: Einige Urkunden haben anstelle der oder zusätzlich zur Bekräftigung der Bestimmungen einen Vorbehalt des Ausstellers, diese ändern zu können.

Plakatformen

Wenn diese Überschrift Verfasser, eventuelle Mitwirkende und Zweck des Textes nennt, konnten in etlichen Hospitalregeln die einleitenden Urkundenformeln, die sonst diese Angaben enthalten hätten, wohl auch einfach wegfallen und unmittelbar auf die Überschrift direkt die bloße Aufzählung der einzelnen Bestimmungen folgen, mit mehr oder weniger vollständigen Schlußformeln. Nannte (ab Mitte des 13. Jh.) der Verfasser sich dann auch noch statt in der Überschrift erst am Schluß, lief es bis zum 17. Jh. auf ein Schema Überschrift–Inhalt–Unterschrift(en) hinaus.

Manche von diesen Hospitalregeln ohne Urkundenformeln sind aber durchaus in Urkundenschrift auf Pergament geschrieben und besiegelt, besonders die ältesten, von denen wir glücklicherweise einige noch als Originale besitzen, was darauf hindeutet, daß es für ihre Verfasser auf die Urkundenformeln gar nicht so sehr ankam; immerhin haben sie ja auch die Invocatio am Anfang, sonst ein Spezifikum kirchlicher Urkundenaussteller, sogar noch vor der Überschrift stehen und nicht fortfallen lassen. Ich benutze für diese noch feierliche, aber nicht mehr durch das Urkundenformular gebundene, der Bekanntmachung dienende Textform die Bezeichnung "Plakatformen".

7: Hospitalregeln ohne vollständige Urkundenform, geschrieben wie Urkunden
TextÜberschrift und vorhandene UrkundenformelnAussteller
1188 Brugge
=1188 Brugge B2
[Invokation] "Hec est regula et ordo observandus fratribus et sororibus domus beati iohannis in brugis dispensatione clericorum et laicorum brugensium probatissimorum institutus ad petitionem sancte congregationis predicte ... Institutum Anno .m.c.lxxxviii. mense Ianuario. confirmatum sigillis appendentibus"scabini
1196 Gent[Invocatio] Hec est regula et ordo fratrum et sororum domus beati Iohannis in gandauo. dispensatione cleri et schabinorum institutus. [Actum]
6: Hospitalregeln ohne (vollständige) Urkundenform mit Überschrift
TextÜberschrift, evtl vorhandene Rest-Urkundenformeln, SchlußformelnAussteller
1154 Jerusalem afrzCeste est la constitucion trovée par frere Raimont. [Invocatio] je Raimont, serf des povres de Crist et garde de lߢOspital de Jerusalem, dou conseil de tout le chapistre, clers et laiz freres, ai establi ces comandemenz en la maison de lߢOspital de Jerusalem. [Bestimmungen, mit Kapitelüberschriften] Amen.Raymond du Puy
1154 Jerusalem lat[Invocatio] Ego Raymundus servus pauperum Christi et custos Hospitalis Jer[oso]l[i]m[itani] cum consilio totius capituli clericorum et laycorum fratrum statui hec precepta et statuta in domo Hospital[is] Jer[oso]l[i]m[itana][Bestimmungen] Amen.Raymond du Puy
1197 Tournai ND MeisterDe magistro scolarum et de hospitalario (nach "B") / De prebendis scolastici seu magistri scolarum et hospitalarii et eorum officiis et quales debent assumi ad has prebendas seu ad hec officia (nach "C")Étienne
1200 AngersHec est institucio Domus pauperum Andegavensis facta cum assensu et voluntate tam fundatorum domus quam fratrum et sororum, a domino Andegavensi episcopo approbata et confirmata. [folgt ein Inhaltsverzeichnis]Guilleaume de Chemille
1230 Vienne S-AntoineHaec sunt Statuta facta a Venerabili Vuillermo episcopo Tornacensi, Apostolicae Sedis legato, in hospitali S. Antonii Viennensis dioecesis, secundum quae vivere et regi et corrigi debent fratres in eodem hospitali constituti.Gautier de Marvis
1250 EichstättDaz ist div regel des spitals des hiligen geistes ze Eystet. (e)in forme vnd ein wise vnd regelHeinrich I/IV.
1263 Troyes latHEC SUNT INSTITUTIONES APPROBATE DOMUS-DEI-COMITIS TRECENSIS. [Bestimmungen mit Kapitelüberschriften] Hec autem constitutiones innovate et abreviate fuerunt legitima collatione facta per Elemosinarium Regis, anno Domini M. Ducentesimo Sexagesimo Tertio, quarto idus junii.
1309 Barth[Invocatio] Dyt is de regula unde orde der broder unde sustere des huszes unde conventes thome hilgen Geeste bynnen Bardt, dede anghesettet ys van erlyken luden, prestern unde leyen. [~Arenga] [Bestimmungen] Item disse vorscreven ghesette unde regule heft confirmeren laten Iohannes Travelemunth, wandages eyn radtman der stad Bardt myt syneme szone Iohannes hyr in disseme husze, eyn begevene man, dorch den werdigen heren in god vader byscop Hermann, van gades gnaden byschop tho Sweryne. Anno domini millesimo trecentesimo nono.Hermann
1485 MünchenAin newe ordenung dem spital des heylligen Geists hie ze Munichen durch Balthazarn Riedler, Ludwigen Pötschner vnd Hannsen Ligsaltz, von innerm rate darczu verordnet, mitsambt den hochmaistern Thoma Rudolff vnd Georgen Riedler gemacht vnd furgenommen an [Bestimmungen] [Actum]
1564 Roma S-SpiritoIncipiunt capitula regule hospitalis sancti Spiritus. [Bestimmungen mit Kapitelüberschriften]
1654 AalborgForordning huorledis hereffter holdis schall med de fattige Christi Lemmer her vdi Hellig Aands Hospital i Aalborg [Bestimmungen] Giffuet vdi Hellig Giesthuus vdi Aalborg den 25 February Aar 1654. [Unterschriften]Erich Jull
1675 AalborgForordning hvor effter de Fattige udi den H. Aands Closter i Aalborg sig hafve udi deris Guds Fryct og Leffnet der inde at forholde. [Unterschrift]Matthias Foss

Und dann gibt es einige Hospitalregeln, die tatsächlich aus beidem zusammengesetzt sind: Walter von Marvisߢ Regel für die Genter Leprosen von 1236 sowie die Regeln Lübecker Bischöfe ab 1263 umfassen neben den Bestimmungen bloß mit Überschrift noch mdash; in Gent am Anfang, in Lübeck am Schluß — je eine kurze vollständig formulierte Bischofsurkunde mit ein paar speziellen Bestimmungen:

8: Hospitalregeln mit Überschrift, denen eine Urkunde angefügt ist
TextÜberschrift und vorhandene UrkundenformelnAussteller
1236 Gent Leprose am AnfangRegula sanorum fratrum ac sororum de domo leprosorum gandensium a tornacensi episcopo con[firmat]aWalterus, Bf v Tournai
1263 Lübeck lat[Invocatio] Hec est regula et ordo servandus fratribus et sororibus domus sancti spiritus in lubeke; dispensacione clericorum et laicorum lubicensium probatissimorum institutus, ad peticionem sancte congregacionis eiusdem. ... [Corr.][Siegel][Actum et confirmatum]Johannes
1263 Lübeck mnd[Invocatio] Dit is de orde vnde leuent der brodere vnde sustere, de se holden scolen in deme hus to lubeke des hilligen geistes, also se utgegeuen sint van wisen papen vnde leyen na eren egenen couentes begheringhe vnde bedeAussteller micht genannt
1294 Lübeckwie 1263 Lübeck latBurchard
1301 KielHaec est regula et ordo observandus fratribus et sororibus domus sancti spiritus in kyl dispensatione clericorum ...itum et laicorum kylensium probatissimorum institutus ad petitionem sancte congregationis eiusdem.Giselbertus
9: Hospitalregeln angefügte Bischofsurkunden
TextInvocatioAusstellerSalutatioArengaNarratioDispositioCorroboratioSiegelDatum
1236 Gent Leprose am Anfang.Walterus, Bf v Tournai[Salutatio]Cum plurimaCum plurime traditiones plurimas faciunt transgressiones, nos uni sententie beati Jacobi inherentes qua dicitur, religio munda & immaculata apud deum & patrem hec est. uisitare pupillos & uiduas in tribulatione eorum. & immaculatum se custodire ab hoc seculo. summam religionis consistere arbitramur in fouendo personas miserabiles humano auxilio destitutas. maxime quas dominus probat in camino paupertatis & in fornace tam contagiose egritudinis. ut merito propter illam mandato legis precipiantur ab aliorum consortio separari.NarratioduximusCorroboratioSiegelActum
1263 Lübeck lat AnhangJohannes, Bf v Lübeck[Salutatio]Cum plurimeCum plurime tradiciones plurimas faciunt transgressiones, Nos vni sentencie beati iacobi inherentes, qua dicitur: Religio munda et immaculata apud deum et patrem hec est, visitare pupillos et uiduas in tribulacione eorum et immaculatum se custodire ab hoc seculo: Summam arbitramur religionis consistere in suscipiendo et fouendo personas miserabiles, humano auxilio destitutas, maxime quas dominus probat in camino paupertatis et in fornace corporalis egritudinis.[Narratio]duximus[Corr.][Siegel]Actum et confirmatum
1263 Lübeck mnd Anhang[ungenannt][Narratio]wille we[Corr.][Siegel]Gedan unde stedet(get)
1294 Lübeck Anhang2Borchardus, Bf v Lübeck[Salutatio
an Leprose
extra muros]
Cum patiencieCum patiencie exhori... et salutis repromissio temporaliter afflictis afflictioni non addant sed minuant. procerto .n. inmarcessibilem mercedem accipient, qui non obstante corporis imbecillitate iugo christi confidencius se astringenti ... ....[Narratio]duximus confirmandasVorbehaltDatum
1301 Kiel AnhangGiselbertus, Bf v Lübeck[Salutatio]Cum plurime ...Cum plurime tradiciones plurimas faciunt transgressiones Nos vni sentencie beati iacobi inherentes qua dicitur, Religio munda et immaculata apud deum et patrem hec est, visitare pupillos et viduas in tribulatione eorum et immaculatum se custodire ab hoc seculo. Summam arbitramur religionis consistere in suscipiendo et fouendo personas miserabiles humano auxilio destitutas maxime quas dominus probat in camino paupertatis et in fornace corporalis egritudinis[Narratio]duximus[Corr.][Siegel]Actum et confirmatum

Ab- und Eingrenzung

Urkunden, die in ihrer Dispositio-Formel oder "Plakate", die in ihrer Überschrift eine der Bezeichnungen "regula", "ordo", "modus vivendi", "statuta", oder "Institutio" bzw ein Verbum wie ordinare, disponere oder die entsprechenden Wörter in einer Volkssprache tragen, bilden die Textgattung "Hospitalregeln". Zu den ältesten, die ich hier untersuche, rechne ich nur solche, deren Gegenstand die Lebensweise einer Hospitalgemeinschaft insgesamt ist, nicht nur einzelne Punkte, später entwickeln sie sich in Richtung Verordnungen und behandeln oft nur spezielle Gegenstände.

Länge und Sprache

Es gibt ebenso sehr früh schon sehr lange Texte wie es auch von Anfang an schon volkssprachliche neben lateinischen Texten gibt.

Die meisten Sprachversionen hat die Johanniterregel. Cambrai S. Julien, Gent Lepr und Lübeck sind zweisprachig überliefert.

In manchen Texten ist bestimmt, daß die Regel in der Volkssprache vorzulesen sei: "Desen brief / es sculdech in diedsch telesene deca/pelán uan den hus of sin uicaris" (1236 Gent Leprose mnld) — "et ut plene singula capiant in lingua sui idiomatis exponantur" (1266 Aalst).

Gebrauch, Verwendung, Bestimmung

In 13 Hospitalregeln finde ich Bestimmungen darüber, daß sie in einen bestimmten Rhythmus oder beim Eintritt neuer Mitglieder in die Gemeinschaft vorgelesen werden sollen:

10: Hospitalregeln mit Bestimmungen, daß sie vorzulesen seien
TextVorlesen bei Neueintritten
1220 Ieper LeproseBei Eintritt von Leprosen in das Leprosenhaus
1236 Gent Lepr mnldend der/gelike der penitentien die hier te/uoren ghescreuen sin. Desen brief / es sculdech in diedsch telesene deca/pelán uan den hus of sin uicaris in / de comste éns nieus broders oue / suster béde gandses ende siecs. ende // danne mot hebben delesere
1236 Gent LeproseBei Neuaufnahme und an drei Festen/Jahr
1253 Herentalsquocies fratres et sorores recipiendi...perlegatur
1266 AalstStatuimus insuper ut quotiescumque sorores vel fratres recipiendi sunt, constitutionum istarum series coram eis prelegatur, et ut plene singula capiant in lingua sui idiomatis exponantur ad plenum et hec se quantum in eis est observaturas promittant. ...
1277 sHertogenboschquoties Frater vel Soror recipiendus fuerint
1286 Geelquoties fratres aut sorores fuerint recipiendi, ..
1309 BarthItem wen dar eyn nyge broder ifte suster wyl syck geven in dissen orden unde broderschop, szo schal me deme broder edder suster vorleszen laten disse vorscreven regule, unde schal em vrage, ...
TextVorlesen in bestimmtem Rhythmus
Roma S-Spirito 1316Regula et constitutiones tunc ei legantur (c.66)
1250 EichstättAlle wochen zeminsten ze ainem mal brvder vnd swester svlen komen in daz capitel, ... Vnd da sol man von der regelen zeminsten zwai capitel lesen.
1263 Lübeck mndDesses leuendes bescrevenecheit enes in den mane(de) scal men lesen den broderen unde susteren, er se to der taflen gan.
1263 Troyes latLegatur etiam verbo laycali quater in anno omnibus
1301 KielHec regula et instituta legentur coram fratribus et sororibus semel in mense, [Satztrennung? Zeilenwechsel!] antequam ad mensam accedant [Satztrennung?] quilibet eorum pro benedictione dicat pater noster ...

Weitere Texte sind zum Vorlesen eingerichtet, indem Zwischenüberschriften, Interpunktion eingefügt sind:

Einrichtung zum Lesen

Interpunktion

Mehrere der original überlieferten Hospitalregeln sind, offenbar als Hilfe zum lauten Lesen, mit einem System von Interpunktion ausgezeichnet. Das einfachste sind nur Punkte (Abbeville, Eichstätt)

Weiter als für das ausgehende 12. Jh. gewöhnlich, haben die verschiedenen Schreiber auf der Brugger Urkunde von 1188 die Interpunktion ausgebildet: Die beiden Zeichen "." und ":" werden konsequent zur Gliederung des Textes in Sinnabschnitte angewandt. Diese Abschnitte haben außerdem, soweit ich das beurteilen kann, eine Länge, die man bequem ohne Atemholen laut lesen kann. Den ersten Atempunkt in jedem Kapitel setzen sie nach dem einleitenden "Item". Dann schließt ein Punkt jeden Gliedsatz, auch Abl. abs., ab. Ganz am Ende eines jeden Kapitels steht wieder ein Punkt. Vor dem letzten Teilsatz aber steht immer ein doppelter Punkt, dessen oberer Teil fahnenartig erweitert ist, wie ein auf den Kopf gestelltes Semikolon. Was von der Bestimmung danach folgt, ist stets das Entscheidende.

  1. Bischof, Paläographie 1, 438 mit weiterer Literatur.
Zwischenüberschriften

In Brugge 1188 ist der Text nicht fortlaufend sondern als Liste mit "Item." geschrieben. Einige sind mit Kapitelüberschriften versehen (jerus afrz, Eichstätt: rot, Troyes, roma ss 1564 ), Angers (Hs. von 1490) weist sogar ein zweistufig gegliedertes Inhaltsverzeichnis am Anfang auf.

Ein Text enthält sogar eine Abschnittseinteilung zum Vorlesen an meheren Tagen.

Gebrauchsspuren

Unterstreichungen, Anstreichungen von Lesern

Archivvermerke, Kollationsvermerke sind nichts Ungewöhnliches.

Ausschmückung und Anreicherung

So reich, wie manche Hospitalregel-Handschriften mit Bildern, aber auch zu-sätzlichen Texten wie Gebeten, meditativen Texten, angereichert sind, scheint es wahrscheinlich, daß sie nicht nur zum Vorlesen und Zuhören, sondern auch zum Be-trachten gemacht waren. Das bezieht sich allerdings nur auf relativ junge Handschriften.

Buchschrift Brugge B2, Gent Lepr?, München Bücher (fließender Übergang: Mappe: Aalst, Cambrai S. Julien, Eichstätt: Pergament in Mappe aus Saffian): Mechelen, Rom, (Illumination - begleitende Texte)))

Entstehungsgeschichte

Herkunftsgebiete

Unmittelbar fällt auf, daß sich die Herkünfte der gefundenen Texte in einigen Gebieten Europas konzentrieren, nämlich vom nördlichen Frankreich bis in die süd-lichen Niederlande, dann im Hanseraum, während der Mittelmeerraum, mit dem südlichen Frankreich, Italien, Spanien viel weniger vertreten ist, als man, auch nach dem Grad seiner Urbanisierung, annehmen möchte

Landkarte

Beteiligte Personen

Die Initiative zur Ausstellung einer Urkunde ging in der Regel von demjenigen aus, der für einen Besitztitel Sicherheit haben wollte (Empfänger). Er bat dann einen, dessen gesellschaftliche Stellung solche Sicherheit wahrscheinlich würde bieten kön-nen (Aussteller), um die Ausstellung einer Urkunde, mit einem ganz bestimmten Text. Statt des Empfängers oder zusätzlich zu ihm konnte eventuell noch eine dritte, dem Empfänger nahestehende Partei um die Ausstellung der Urkunde nachsuchen (Petent). Wenn Empfänger und Aussteller sich des Einverständnisses weiterer im fraglichen Bereich einflußreicher Personen mit dem Urkundeninhalt versichern wollten, konnten sie diese als ihre Ratgeber ausgeben.

Aussteller und "Ratgeber": Das waren Diözesanbischöfe (allen voran die von Cambrai), Schöffen (von Brügge, von Gent), "Verständige Männer"

Teils Stadtautoritäten, geistliche und weltliche, meist aber Bischöfe waren die Verfasser der ältesten Hospitalregeln. Bf Étienne de Némours von Noyon, Aussteller der Regel für das Hospital der Bischofsstadt von 1217, war ein Vertrauter des frz Königs Philipp II. August (1180-1223), sein Vater Walter war Kämmerer dieses Königs. Als Philipp August Prinzessin Ingeborg von Dänemark heiraten wollte, war Étienne einer derjenigen, die sie in Dänemark abholten. Bald danach, als der König sich von ihr zu trennen wünschte, beschwor Étienne die Ungültigkeit der Ehe wegen zu naher Verwandtschaft. Das Päpstliche Interdikt wegen Bigamie des Königs ignorierte Étienne.

Daß die Adressaten selbst den Text beigebracht hätten und um Bestätigung ge-beten erwähnen viele Hospitalregeln, zum Beispiel Lüb.dt.: Dit is de orde vnde leuent der brodere vnde sustere, de se holden scolen in deme hus to lubeke des hilligen geistes, also se utgegeuen sint van wisen papen vnde leyen na eren egenen couentes begheringhe vnde bede.

Adressaten: Als Adressaten nennen die Texte häufig die betroffene Gemeinschaft bzw. als deren Repräsentant den Meister oder die Meisterin.

Nicht weniger häufig wird die Allgemeinheit als Adressat genannt. Ihr soll durch die Urkunde verkündet werden, welche Lebensregel in dem Hospital N. gilt.

Manchmal ist auch der Petent der Adressat.

Petenten: Das konnten die betroffene Gemeinschaft oder der Stifter sein.

11: Personenverzeichnis
KiProv o.ä.SitzAmtPersonBeziehungHosptalregel
--PapstInnozenz III. (1198-1216)AusstellerRoma S-Spirito 1316
--Päpstlicher LegatOdon (1246)AusstellerBeauvais
JohanniterJerusalemCustosRaymond du Puy (1120-1158/60)AusstellerJerusalem
HamburgLübeckBischofJohannes (1263)AusstellerLübeck lat
HamburgLübeckBischofBurchard (1294)AusstellerTravemünde
HamburgSchwerinBischofHermann ()AusstellerBarth 1309
KölnCambrai/KamerijkBischofJean III. de Béthune (1200-1219)AusstellerBruxelles 1211
KölnCambrai/KamerijkBischofGodefroid de Fontaine/de Condé (1219-1237)AusstellerAntwerpen
KölnCambrai/KamerijkBischofGodefroid de Fontaine/de Condé (1219-1237)AusstellerCambrai S-Jean
KölnCambrai/KamerijkBischofGui de Laon (1238-1247)AusstellerLessines 1247
KölnCambrai/KamerijkBischofNicolas de Fontaine/de Condé (1219-1237)AusstellerAalst
KölnCambrai/KamerijkBischofNicolas de Fontaine/de Condé (1219-1237)AusstellerHerentals
KölnCambrai/KamerijkBischofNicolas de Fontaine/de Condé (1219-1237)AusstellerBruxelles S-Gertr
KölnCambrai/KamerijkBischofNicolas de Fontaine/de Condé (1219-1237)Vidimus-AusstellerCambrai S-Jean
KölnCambrai/KamerijkBischofGuillaume d Avesnes (1292-1296)AusstellerGeel
KölnCambrai/KamerijkOffizial- (1304)2. Vidimus-Ausst.Cambrai S-Jean
KölnLiège/LuikBischofJean d Enghien (1274-1281)AusstellersHertogenbosch
ReimsAmiensBischofGeoffroy d Eu (1222-1236)AusstellerAmiens
ReimsAngersBischofGuillaume de Chemillé (-)AusstellerAngers
ReimsBeauvaisArchidiakonGarin (-)AusstellerBeauvais
ReimsBeauvaisDominikaner-SubpriorVincentius (-)AusstellerBeauvais
ReimsNoyonBischofÉtienne de Némours (1217)AusstellerNoyon
ReimsTournai/DoornikBischofGautier de Marvis (1219-1252)AusstellerAardenburg
ReimsTournai/DoornikBischofGautier de Marvis (1219-1252)AusstellerOudenaarde
ReimsTournai/DoornikBischofGautier de Marvis (1219-1252)AusstellerGent Leprose
ReimsTournai/DoornikBischofGautier de Marvis (1219-1252))AusstellerVienne S-Antoine
ReimsTournai/DoornikBischofJean des Près (1342-1349)AusstellerHarelbeke
ReimsTournai/DoornikBischofPhilippe d Arbois (1354-1377)AusstellerIjzendijke
ReimsTournai/DoornikBischofJean de Thoisy (1430)AusstellerKortrijk OLV 1430
RouenLe MansBischofGeoffroi I. (1231-1234)AusstellerCoëffort
ToulouseRodezBischofPierre (-)AusstellerAubrac
HansestädteBrugge/BrugesStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerBrugge Bg
HansestädteBrugge/BrugesStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerBrugge B2
HansestädteBrugge/BrugesStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerBrugge 1188
HansestädteGent/GandStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerGent Leprose
HansestädteIeper/YpresStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerIeper Leprose 1220
HansestädteLübeck [clerici et laici probatissimi] (-)AusstellerLübeck lat
HansestädteSoestStadtobrigkeitconsules (1292)AusstellerSoest 1292
HansestädteSoestBürger[alle] (1292)AusstellerSoest 1292
Andere StädteBruxelles/BrusselStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerBruxelles S-Nicolai
Andere StädteBruxelles/BrusselBürger[alle] (-)AusstellerBruxelles S-Nicolai
Andere StädteCambrai/KamerijkStadtobrigkeit: prévostR (-)AusstellerCambrai S-Julien
Andere StädteCambrai/KamerijkDomkapitel-DekanAdam (1192-1219)AusstellerCambrai S-Julien
Andere StädteDammeStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerDamme
Andere StädteDammeBürger[alle] (-)AusstellerDamme
Andere StädteHarelbekecapellanusEgidius de Vlaerdslo dictus Smaelkin (-)PetentHarelbeke
Andere StädteLiège/LuikStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerLiège Mont Cornillon
Andere StädteLiège/LuikBürger[alle] (-)AusstellerLiège Mont Cornillon
Andere StädteRodemburgStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerAardenburg
Andere StädteSaint-Pol-sur-TernoiseGrafGuido de Castillion (-)AusstellerSaint-Pol

Anlaß zur Ausfertigung

Urkunden wurden zur Sicherung eines Besitzes ausgestellt, Hospitalregeln speziell, um die Lebensweise einer Gemeinschaft abzusichern. Eine solche Absicherung wurde für nötig erachtet gegen Veränderungen, - die von künftigen veränderten Einstellungen der Mitglieder dieser Gemeinschaft selbst ausgehen könnten (intern) - oder von Institutionen, die etwa, indem sie der Gemeinschaft eine neue Lebensweise vorschrieben, ihre Vorherrschaft würden oktroyieren können (extern).

Nachträgliche Änderungen am Inhalt

Mechelen: 2 Hände?; gerade an den 3 Gelübden Veränderungen! Eichstätt: Rubrikator nimmt Streichungen und Einschübe über der Zeile vor Riga: Änderungen von derselben Hand

Ihr Textaufbau läßt oft ahnen, daß sie nicht in einem Zuge verfaßt sondern im Laufe der Zeit ergänzt und verändert wurden. ALBERDINGK-THIJM hat das treffend charakterisiert: "Man darf sich nicht darüber wundern, daß in diesem Spitale (gleich in mehreren anderen) die Statuten Jahrzehnte jünger sind als die Stiftung selbst. Derartige Actenstücke gingen leicht verloren, so-bald sie keinen aiusdrücklich offiziellen Charakter hatten. Es geschah aber auch, daß die Statuten, allmählich nach ent-sprechendem Bedürfnis gegeben, kein zusammenhängendes Ganzes bildeten. Wir besitzen sogar Statuten aus dem dreizehnten Jahrhun-dert, die gerade so aussehen, als wären sie nicht auf einmal, sondern in kleinen Bruchstücken entworfen und aufgeschrieben worden, ungefähr wie einige Kapitularien Karls des Großen."

Änderung von Textinhalten Brugge 1188: Mehrere Hände (Bb-Bf) nehmen Einschübe vor, für die der erste Schreiber (Ba) z.T. bewußt Leerzeilen gelassen zu haben scheint, eine weitere Hand (Bg) nimmt Streichungen und Einschübe über der Zeile in kursiver Schrift vor. Näheres dazu habe ich in meiner Magisterarbeit ausgeführt. Lübeck: Teile geschwärzt

Die Niederschrift einer Regel dürfte immer einen bestimmten Anlaß gehabt haben: vielleicht ein Konflikt, ein Bedürfnis nach Gewißheit, der Versuch, eine als unbefriedigend empfundene Wirklichkeit zu verändern?

Die Päpste waren aus Prinzip abgeneigt, "neue" Regeln zu geben: Bei den Bet-telorden gab es etwas später deswegen erhebliche Auseinandersetzungen. Gemein-schaften ohne Regel waren aber eo ipso häresieverdächtig

TODO: Warum gibt es nur von diesen und nicht von allen existiert habenden Hospüitälern eine Regel?

extern: Aus einigen Texten geht hervor, daß sie aus bestimmten Anlässen bei einer kirchlichen oder weltlichen Autorität vorgelegt worden sind, um alte Rechte bestätigt zu bekommen.

Kohärenz

Überliefert sind von Päpsten später zahllose Bestätigungen der Augustinerregel für Hospitäler, bsd. deutsche, das hat REICKE so verstanden, als hätten die Hospital-konvente nach dieser Augustinerregel gelebt.

1214-15 schrieben französische Provinzialkonzile, abgehalten zur Vorbereitung des Laterankonzils, Hospitalgemeinschaften vor, beim Eintritt drei Gelübde abzule-gen, d.h. sich zu einem mönchsähnlichen Leben zu verpflichten. Dies dringt in der Folgezeit auch in Texte ein, die es zuvor nicht gekannt hatten (Brugge).

Trotzdem gab es keine Einheitlichkeit der von den Bischöfen erlassenen Re-geln.

Es handelt sich bei den mittelalterlichen Hospitalregeln also um ein Korpus von Texten, das konstituiert ist durch Ähnlichkeit ihrer Funktionen, Ähnlichkeit ihrer Formen, multiple Analogien (Textübereinstimmungen) zwischen den Elementen. gewisse lokale und personale Schwerpunkte., ihre Behandlung in der Forschung.

Sie sind aber trotz des Regulierungsbedürfnisses der kirchlichen Hierarchie durchaus nicht einheitlich in: ihrem Inhalt (sie spiegeln nicht nur einfach alle denselben Geist christlicher Nächstenliebe, dies gegen die ältere Forschung:), ihrer Orientierung an älteren Hospitalregeln als Vorbildern, den Absichten und Umständen, die ihre Entstehung und Einführung be-stimmten, ihrer praktischen Bedeutung für das Leben der von ihnen Betroffenen

zul. bearbeitet 2019-05-09 15:56:38

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