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Abenteuer Winter

2009-12-15 22:19:31

Nach dem vorigen Winter sieht man den nächsten mit einem flauen Gefühl im Magen heraneilen. Nicht überall war der vorige Winter so schlimm wie hier. In der Nähe des Brenners zum Beispiel haben Rosen, die hier zugrundegegangen sind, klaglos überwintert. Dort lag lange und viel Schnee. Auch in manchen Gärten hier blieben Rosen völlig unbehelligt, die in anderen, ganz in der Nähe, übel zugerichtet wurden. Glück hatten sie überall da, wo sie die Morgensonne nicht erreichen konnte. Wo Sonnenstrahlen nach einer kalten Nacht tief gefrorene Blätter und Triebe plötzlich erwärmen, entstehen Spannungen, Zellwände können ihnen nicht standhalten und platzen, Wunden lassen dann Schadpilze durch die Rinde eindringen und den Saftstrom abbrechen. Aus Schaden wird man klug, man versucht es zumindest, solange man lebt und schafft. Als die Containerkultur in Baumschulen noch etwas Neues war, also Ende des vorigen Jahrtausend, trieb man gewaltigen Aufwand mit dem Winterschutz. 1995/96 ließ der Winter zum letzten Mal solchen Aufwand sinnvoll erscheinen. Dann kamen die Jahre, in denen Camellien, Bambus, Palmen und Oliven bei Hinz und Kunz wie normale Freilandpflanzen überwinterten, während wir Baumschuler immer noch treu und brav vor Weihnachten in einer eigegen Art Adventshektik alles vom Kirschlorbeer bis zur Bartblume ins Glashaus karren mußten(1). Dort standen sie bis Ostern wie in der Sardinenbüchse und schwitzten und trieben lange weiche Triebe, denn es war Mai im Januar da drin, wenn die Wintersonne durch die Scheiben strahlte; Blattläuse, Schildläuse, Grauschimmel und Schlimmeres feierten Feste. Rosen sowie alles von geringer Höhe und vermeintlich höherer Frostresistenz wurde flach auf den Boden gelegt und mit weißen Folientunneln überbaut. Das wäre gar nicht so verkehrt gewesen, hätte sich das alte, pilzbefallene Laub zuvor sauber entfernen lassen. Das hängt vor Weihnachten aber meist noch viel zu fest, und der Sternrußtau konnte sich unter den Tunnels bequem auf die Lauer legen, um die bald wieder hoffnungsfroh austreibenden neuen Blättchen zu überfallen. Deshalb haben wir die letzten Jahre den Winterschutz bewußt mehr und mehr zurückgefahren. Ein bißchen Frost und frische Luft bringt die Rosen nicht um, aber vielleicht die Schädlinge, war der Hintergedanke. Arbeiten, die wahrscheinlich mehr schaden als nützen würde, wurden unterlassen. Der Winter 2008/9 war bis Weihnachten wie üblich nur naß, nicht kalt. Die Blätter saßen bei vielen Sorten auch nach Neujahr noch fest. Der Langzeitprognose von donnerwetter.de, daß der Winter hart werde, widersprachen die Erfahrungen der ganzen letzten Jahre. Auch die Wettervorhersage am Abend des 9. Januar, daß die Temperatur im Laufe der kommenden Nacht von null auf minus fünfzehn Grad fallen werde, erschien übertrieben. Der Blick aufs Thermometer am nächsten Morgen um Sechs war das Schockerlebnis: Minus fünfzehn. Klar, daß man dann "alles in seiner Macht Stehende tut," wie es so schön heißt, zu retten, was geht. "Die Rettungskräfte arbeiten fieberhaft," sozusagen. Das ganze Frühjahr ging darüber hin. — Fünf Monate später, beim Kompostieren der letzten Leichen, an Pfingsten, war klar, daß so ziemlich alle Mühen zu spät gekommen und umsonst gewesen waren. Einen Sommer und Herbst lang hatte ich nun Zeit, mir Gedanken über optimalen Winterschutz zu machen. Gestern wurde nun alles fertig, vorerst. Im Sommer, so bis Anfang September, spähte ich immer wieder nach Totholzstummeln in den Rosen, schnitt alles heraus. Kein Unterschlupf für Pilzsporen, die im nächsten Winter eine neue Bedrohung für die Rinde werden könnten! Im November nahm ich mir alle Töpfe vor, kratzte das alte Laub samt dem letzten Unkraut heraus und rückte sie dicht an dicht zusammen. Dicht gestellt, waren die Wurzelballen gegen schnelles Eindringen eines eventuellen frühen Frosts schon mal einigermaßen geschützt. Im Notfall hätte ich die Pflanzen auch schnell mit einem Vließ abdecken können, das sie vor Sonne und Wind bewahrt und ein auch ein paar Grad Frost. Dann kam aber der viele Regen und schließlich noch die Ankündigung der scharfen Kälte in der Woche vor Weihnachten. Ich wollte die Töpfe von der wasserspeichernden Matte herunternehmen, denn mir wurde das Substrat trotz der Kreuzböden unserer Töpfe(2) und des Gefälles in den Stellflächen(3) doch etwas zu naß. Das milde Wetter hatte manche Sorten auch Frühling wittern und zum Austrieb ansetzen lassen: kein gutes Zeichen für Ausreife und Winterhärte. Deswegen habe ich in der zweiten Dezemberwoche gleich auf Alarmstufe 3 geschaltet: wieder alle Töpfe in die Hand genommen, das herabgefallene Laub herausgekratzt und sie dicht an dicht auf den Rasen zwischen den Stellflächen gestellt. Weder liegend noch stehend sondern schräg auf die Kante gekippt und jede Reihe an die Vorderreihe angelehnt. Ich denke, so bekommen die Zweige besser frische Luft, als wenn sie liegen, außerdem kann es hineinregnen, aber auch sehr gut unten herauslaufen. Nun wäre am besten alles dick mit Schnee zugedeckt worden, das klappt aber selten auf Bestellung, und für Ende dieser Woche ist schon starker Frost angesagt. So habe ich unseren großen weißen Folientunnel über die Pflanzen gebaut. Die Folie ist weiß, um die Sonnenstrahlen zu reflektieren, damit im Innern kein Gewächshausklima entsteht. Der Tunnel ist viel höher und breiter als die, mit denen wir früher schlechte Erfahrungen gemacht haben, und es ist nur einer, und ich werde jeden Morgen und jeden Abend nach dem Rechten sehen, bei frostfreiem Wetter lüften und abends wieder schließen. So müßte die Gefahr stehender, feucht-kalter Luft zu vermeiden sein. Anfang Februar will ich dann allmählich die luftdichte Folie durch ein "atmendes" Vließ ersetzen, damit die Pflanzen auf keinen Fall zu warm stehen und vorzeitig zu treiben beginnen. Man kann es nur so gut wie möglich machen. Wenn die Natur uns ernsthaft einen Strich durch die Rechnung machen will, schafft sie das. So ist es im Gartenbau, jedenfalls solange wir ihn noch nicht industriell betreiben. ----- [1] Zu früh durfte damit nie begonnen werden. Um die Hektik zu steigern, wurden notfalls auch noch Zusatzarbeiten ersonnen. Der letzte Winterschutztunnel mußte immer am vorletzten Arbeitstag vor Weihnachten gerade so eben fertig werden. Der letzte Tag war dem Ritual, Hof und Wege mit Schlauch und Besen zu reinigen, vorbehalten. [2] Unsere Rosentöpfe haben Bodenlöcher in zwei Ebenen: etwas höher liegende zum ungehinderten Wasserabzug und direkt auf dem Boden sitzende zum Ansaugen von Feuchtigkeit. [3] Die Stellflächen für Töpfe haben ungefähr 2% Gefälle zu einem Abzugsgraben hin, damit keine Staunässe entstehen kann. Andererseits hält das Vließ, auf dem sie stehen, bis zu 3 l/m² fest.

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