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Gärtner und die IG B.A.U. Ein Artikel aus dem Jahr 2005

2005-07-27 00:00:31

Hintergrund Skandal: "Hungerlöhne" im Gartenbau Durch eine Bundestags-Anfrage der CDU und einen Artikel in "BILD" kam es im Frühjahr 2004 ans Licht der Öffentlichkeit: Im Gartenbau werden die niedrigsten Tariflöhne gezahlt, die es in Deutschland gibt. Alternativen Eine Gewerkschaft, in deren Zuständigkeitsbereich solche "Hungerlöhne" aufgedeckt werden, hat im Prinzip zwei Möglichkeiten zu reagieren: Reaktionsmöglichkeit 1: Den Skandal bemänteln, die entstandene Öffentlichkeit meiden, möglichst nichts sagen und hoffen, daß sich nichts tut und alles wieder im Sande verläuft. Gelingt Strategie 1, bleibt zwar das Ansehen der Organisation, deren Unterschrift immerhin unter solchen Tarifverträgen steht, bis zum nächsten Skandal unbefleckt, aber die betroffenen Arbeitnehmer stehen allein im Regen. Mitglieder werden sich fragen, wozu sie Beiträge bezahlen. Oder Reaktionsmöglichkeit 2: Das Problem als Handlungsauftrag erkennen, die eigenen Kräfte geschickt einsetzen und die öffentliche Aufmerksamkeit als seltenen Glücksfall nutzen wie auch das Interesse der Arbeitgeberseite an einem guten Image der Branche, um endlich, zunächst für die am schlechtesten Gestellten und dann für die ganze Branche, Verbesserungen zu erstreiten. Dann verstehen Mitglieder, wozu sie Beiträge bezahlen und neue Mitglieder können hinzugewonnen werden. Die Satzung der IG B.A.U. gebietet übrigens Reaktionsweise 2: jedes Mitglied hat: "die wirtschaftlichen [...] Interessen der Mitglieder zu fördern". Die hauptamtlichen Funktionäre reagierten jedoch nach Muster 1. Nur wenige Tage zuvor waren in der IG B.A.U. durch eine in der Gewerkschaftsgeschichte beispiellose Aktion des Bundesvorstands die hauptamtlich Verantwortlichen für den Gartenbau komplett ausgewechselt worden. Die aus ihren Ämtern verjagten vorher Zuständigen hätten Strategie 2 gewählt. Vernachlässigte Branche Schon zu Zeiten, als noch die GGLF für sie zuständig war, waren die Arbeitnehmer im Gartenbau ein Stiefkind der Gewerkschaft. Die GGLF hatte ihren Schwerpunkt im Forst. Gärtner waren von jeher selten Gewerkschaftsmitglieder. Wo sie arbeiten, überwiegend in Klein- und Kleinstbetrieben, ist die Macht des Chefs normalerweise die einzig erfahrbare Realität. Eine Gewerkschaft hätte sich wohl über Gebühr anstrengen müssen, um in so einer Branche den Organisationsgrad über die jetzigen 0,9% hinaus zu erhöhen und daraufhin als ernstgenommener Verhandlungspartner bessere Löhne und Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Durch ihre Inaktivität allerdings, war und ist es für die Arbeitnehmer erst recht schwer einsehbar, wozu sie von ihrem wenigen Verdienst 1,15% Beitrag an die Gewerkschaft abzweigen sollten - ein Teufelskreis. Anders im Forst: Forstleute sind von jeher gut organisiert und arbeiten häufig im Öffentlichen Dienst, wo es einer Gewerkschaft viel leichter fällt, präsent zu sein als in einer Familienbetriebs-Gärtnerei. So wurde im Gartenbau die Aufsplitterung in viele Ländertarife nie angetastet. Die Arbeitgeber erhöhten die schlechten Löhne nur aus Güte ab und zu ein wenig. Standards der westdeutschen Wohlstandsgesellschaft wie 13. Monatsgehalt, Schlechtwetterregelung u.v.m. gelangten nie in Tarifverträge des Gartenbaus. Dafür kam die Flexibilisierung der Arbeitszeit schon früh hinein, und in einem Maß, von dem heute Arbeitgeber anderer Branchen träumen. Nun war die GGLF leider eine kleine, finanzschwache Gewerkschaft. Daher konnten, als Mitte der Neunziger Jahre ihre Fusion mit der großen IG BSE zur IG B.A.U. anstand, Arbeitnehmer in den vernachlässigten Branchen hoffen, die nun viel stärkere Organisation werde endlich etwas bewegen. Tatsächlich zeigte es sich, daß der große Bruder keinen Grund sah, auf dem unattraktiven grünen Gebiet Versäumtes aufzuarbeiten und wenig bis gar kein Verständnis für die grünen Spezialprobleme mitbrachte. Kaum ein Bezirksgeschäftsführer wollte sich den Kopf mit solchen Feinheiten zerbrechen wie zum Beispiel, ob ein Gärtner nun dem Gartenbau (Ecklohn je nach Tarifbezirk ) oder dem Garten- und Landschaftsbau zuzuordnen sei (Ecklohn ). Mitglieder und ehrenamtliche Funktionäre erhielten aus solchen und noch banaleren Gründen die für sie bestimmten Informationen aus der Organisation unregelmäßig oder gar nicht. Kommunikationsstörung mit System Man bezeichnete das als Kommunikationsproblem zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen und suchte fleißig und wohlmeinend Lösungswege auf Sitzungen, Konferenzen und Spezialseminaren. Aber man drehte sich nur im Kreis. All die Reise- und Hotelkosten waren zum Fenster hinausgeworfenes Geld, die verdiskutierte Zeit war verschwendete Zeit. Denn obwohl sie ihre Gehälter von den Mitgliedsbeiträgen bezahlt bekommen und sie nach außen hin bis heute mit Slogans wie "Mitmachgewerkschaft" werben, sahen die Hauptamtlichen gar keinen Bedarf, auf die Mitglieder und die gewählten ehrenamtlichen Gremien zu hören. Je gestörter die Kommunikation der Ehrenamtlichen, desto ungestörter können sie nichts zur Veränderung der Verhältnisse tun. Am ärgsten traf es die Bundesfachgruppe Garten- und Landschaftsbau . Ihr Vorsitzender reiste gern viel, am liebsten mit dem Flugzeug, nicht nur zu Gewerkschaftssitzungen sondern auch zu Veranstaltungen von Arbeitgeberorganisationen. Seine Kollegen erfuhren von ihm nicht, was er dort tat. Die Arbeitgeber jedoch erfuhren offenbar durch ihn Personalien, die sie in Tarifverhandlungen verwendeten, um Tarifkommissionsmitglieder auf Gewerkschaftsseite persönlich anzugreifen. Der ständige Tenor seiner Diskussionsbeiträge war übrigens, daß man sich "bewegen" müsse. Wohin, vermied er, direkt auszusprechen. Kurzzeitiger Silberstreif am Horizont Neue Personen Auf dem Ordentlichen Gewerkschaftstag 2002 wurde Kritik an Klaus Pankaus (das bis dahin für den Grünen Bereich zuständige Bundevorstandsmitglied) Geringschätzung der Ehrenamtlichen vorgebracht. Daraufhin bekam er nicht genügend Stimmen, um wieder in den Bundesvorstand gewählt zu werden. Seine Karriere hat er dann nicht auf Arbeitnehmerseite fortgesetzt, er ist jetzt Personalchef bei WISAG, einem Konzern, der in den IG-B.A.U.-Branchen Gebäudereinigung und Garten- und Landschaftsbaubetrieb tätig ist. Neu in den Bundesvorstand wurde Margot Gudd gewählt, vorher Geschäftsführerin im Bezirksverband Wiesbaden-Limburg. Sie wurde für den grünen Bereich (Vorstandsbereich V) zuständig. Anders als Pankau hat sie eine Vorgeschichte als Arbeitnehmerin in einer IG-B.A.U.-Branche, und zwar der Gebäudereinigung, einer ähnlich wie der Gartenbau von der Gewerkschaft tarditionell vernachlässigten Branche mit geringem Ansehen, schlechten Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung. Margot Gudd bat uns in der Bundesfachgruppe Gartenbau, ihr als Branchenfremder aus unserer Berufserfahrung die Verhältnisse im Gartenbau zu erklären und die Probleme zu benennen, die am dringendsten anzupacken seien. Darin unterschied sie sich fundamental von ihrem Vorgänger und ihrem Nachfolger. Die dozieren lieber von oben herab über die Lage und daß nichts daran zu ändern sei. Wenn Margot Gudd ihre Unterschrift unter einen Tarifvertrag setzen sollte, fragte sie sich zuvor, ob sie mit ihrem Namen unter solch einem Dokument gut schlafen können würde. Solche Gewissensfragen stellten und stellen sich ihre Vorgänger und Nachfolger auch nicht. Mit Karl-Heinz Lach stellte sie einen Branchengeschäftsführer ein, von dessen Erfahrung in der Branche, politischem Scharfblick und taktischem Kalkül zu "befürchten" war, daß er etwas ins Rollen bringen würde. Kommunikationsfluß Auf einmal funktionierte dann auch der Informationsfluß, jedenfalls soweit der Bundesvorstandsbereich V dafür zuständig war. Der Bundesfachgruppenvorstand wurde durch Kopien der wichtigsten Korrepondenz laufend auf dem neuesten Informationsstand gehalten und konnte bei seinen vierteljährlichen Treffen ohne Umschweife direkt zur Sache kommen. Eine Menge Geld, das normalerweise für unfruchtbare Kommunikationsdebatten vergeudt wird, wurde dadurch gespart. Ziele und Eckpunkte Gemeinsam, in wenn nötig harten Diskussionen, wurden Nah- und Fernziele abgesteckt, die der Rückständigkeit der Branche an die Wurzel gegangen wären und für die es sich wieder lohnte, als Gärtner Gewerkschaftsmitglied zu sein: * Erhöhung der Skandallöhne in Ostdeutschland an das westdeutsche Niveau - und langfristig ein Bundes-Tarifvertrag für den Produktionsgartenbau; * stufenweise Angleichung des Gartenbau-Tarifs an den Tarif des garten- und Landschaftsbaus, denn Gärtner in der Produktion arbeiten genauso qualifiziert und engagiert wie ihre Kollegen im Garten- und Landschaftsbau, viele werden sogar direkt im Garten- und Landschaftsbau eingesetzt; * Verhindern der von den Arbeitgebern geforderten Scherenöffnung zwischen steigenden Löhnen für die wenigen hoch qualifizierten "Antreiber" und Billiglöhnen für immer mehr ungelernte, die die Masse der Arbeit verrichten sollen. * Entlastung der im Freien arbeitenden Gärtner vom alleinigen Tragen des Schlechtwetterrisikos, denn auch Gärtner möchten ihren Urlaub nicht für die Zeit aufheben, in der es draußen zum arbeiten zu naß und zu kalt ist - und keine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit, oder, anders ausgedrückt, keine Streichung der Überstundenzuschläge. Eine Strategie zur Erreichung dieser Ziele wurde ausgearbeitet. Es wurden Kontakte geknüpft. Hoffnungsvolle Anfangserfolge Es wurden auch schon einige Erfolge erreicht. In Bayern hatten die Arbeitgeber genug von der Blockadepolitik ihres eigenen Spitzenverbandes und kamen der Gewerkschaftsforderung entgegen. Daraufhin sahen sich die nordrhein-westfälischen Gärtnereien in ihrer Ehre gekränkt, die bestbezahlenden in Deutschland zu sein und legten ebenfalls zu. Viel mehr war kurzfristig nicht zu erwarten, bevor wir nicht unsere Mitgliederbasis vergrößert hatten und wird auch von anderen Verhandlern nicht erzielbar sein. Wo die Arbeitgeber unannehmbare Forderungen stellten, wurde lieber gar kein neuer Tarifvertrag abgeschlossen. Vor allem im Garten- und Landschaftsbau gab es wegen der Arbeitgeberforderung nach "großer Flexibilisierung" jahrelang keinen Abschluß. Im Herbst 2003 begannen die Arbeitgeber im Produktionsgartenbau, sich an diese Flexibilisierungsforderung anzuschließen und unsere beiden Bundesfachgruppen verständigten sich darauf, noch enger zusammenzuarbeiten, um keinen Dammbruch zu riskieren. Die Garten- und Landschaftsbau-Fachgruppe war jedoch nicht einstimmig gegen diese Flexibilisierung, ihr Vorsitzender arbeitete daran, den Widerstand aufzuweichen. Diese Uneinigkeit war eine Schwachstelle der Branchenarbeit im Gartenbau, deshalb versuchten wir im Winter 2003/2004, sie auf unseren gemeinsamen Sitzungen beider Bundesfachgruppen zu überwinden. Keiner rechnete aber damit, daß ausgerechnet der Bundesvorstand unserer eigenen Gewerkschaft diese Schwachstelle ausnutzen würde, um das ganze erfolgreich Begonnene zu zerstören: Der Putsch gegen den Vorstandsbereich V aus heiterem Himmel ... Nur über private Kontakte erfuhren wir Mitglieder des Bundesfachgruppenvorstands Gartenbau Ende April von dem Putsch des Bundesvorstands am 19. April 2004 gegen den Vorstandsbereich V: Margot Gudd wurde per Geschäftsverteilungsbeschluß die Zuständigkeit für unsere Branchen weggenommen und unser Branchensekretär wurde fristlos entlassen. Der Grüne Bundesvorstandsbereich V wurde aufgelöst. Einen Teil der Branche, den Garten- und Landschaftsbau, übernahm der Bundesvorsitzende Klaus Wiesehügel in seinen eigenen Zuständigkeitsbereich, den Rest hängte man dem Vorstandsbereich III Landwirtschaft (Hans-Joachim Wilms) an. Erst am folgenden Wochenende rief Hans-Joachim Wilms beiläufig von unterwegs aus dem Auto unseren Bundesfachgruppenvorsitzenden an, um ihm kurz und ohne auf Rückfragen zu antworten die vollendeten Tatsachen mitzuteilen. Von da an liefen unsere Telefondrähte heiß, aber wir waren alle viel zu lang damit beschäftigt, die Tatsachen als Tatsachen zu erkennen und unser naives Vertrauen in die Spitze unserer Organisation abzubauen, um postwendend so effektiv agieren zu können, wie das der Forstbereich fertigbrachte: Der konnte sich durch massiven Protest Karl-Heinz Lach wenigstens für eine Übergangszeit als Branchensekretär erhalten. Wir schrieben einen Protestbrief an den Gewerkschaftsrat, das höchste Organ zwischen den Gewerkschaftstagen, mit der Bitte, die neue Geschäftsverteilung wieder rückgängig zu machen. Da wir die Adressen der Mitglieder dieses Gremiums nicht parat hatten, ging der Brief mit der Bitte um Weiterleitung an den Bundesvorstand - und wurde dort zurückgehalten. Mitgliederverdummung und Mobbing Die "taspo" berichtete in der nächsten Woche auf der Titelseite und seither bei jeder sich bietenden Gelegenheit über die Arbeitgeberfreundlichkeit der neuen Branchenvertreter auf Seiten der IG B.A.U. Der "Grundstein" thematisierte den Konflikt bis heute überhaupt nicht. Nur wer zwischen den Zeilen liest, konnte aus der Ankündigung eines Außerordentlichen Gewerkschaftstags mit Ergänzungswahlen schließen, daß es im Bundesvorstand Krach gegeben haben könnte. Wo man auch bei der IG B.A.U. nachfragte, bekam man die gleiche, offenbar zentral sprachgeregelte, inhaltslose Antwort: Es müsse etwas sehr Schwerwiegendes gegen die beiden vorliegen, denn sonst würde der Bundesvorstand keine so außergewöhnlichen Schritte ergreifen. Die Begründung für die Schritte sollten also allen Ernstes die Schritte selbst sein! Die Gründe würde man nicht offenlegen, "um den Betroffenen nicht zu schaden". Diese Argumentation muß man erst einmal so richtig auf sich wirken lassen: Genau wie in Hans Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider" hätte nur jemand dazwischenrufen brauchen: "Ihr hattet ja gar keine Gründe!" Aber das tat niemand. Im Gegenteil: Führten wir konkrete Gründe für die Tatsache an, daß Margot Gudd und unser Branchensekretär zuverlässige und ehrliche Leute sind und viel für unsere Branche geleistet haben, so brachten es Hauptamtliche, ohne sich zu schämen, fertig zu behaupten, ihre unsichtbaren Pseudo-Gründe wögen noch schwerer als unsere offen zutage liegenden, obwohl - oder weil? - keiner sie sehen konnte! Erst wurde auf eine Sitzung des Gewerkschaftsbeirats Mitte Mai vertröstet, dort würden alle Gründe offengelegt - wurden sie aber nicht. Immer noch kam keiner auf die Idee, daß es gar keine Gründe gab. Dann hieß es, auf einem Außerordentlichen Gewerkschaftstag im September, der zur Wahl eines Nachfolgers von Margot Gudd einberufen werden mußte, würden sie bekanntgemacht - wurden sie auch nicht! Inzwischen hatte man dem Klatsch und Geschwätz die Zügel schießen gelassen und, wie es so geht, wußte allmählich jeder genügend Gründe, warum es so gekommen sein könnte, so daß keiner mehr eine Begründung vom Bundesvorstand einforderte. Margot Gudd brachte man dahin, ihr Dienstverhältnis mit der IG B.A.U. zu kündigen und glaubte, den ganzen Konflikt erfolgreich ausgesessen zu haben. Auf dieselbe Weise könnte man jede Gewaltmaßnahme gegen jedes beliebige andere Bundesvorstandsmitglied genauso gut rechtfertigen. Die Kritikfähigkeit in der IG B.A.U. ist also noch auf dem Stand, den Andersens Märchen anprangerten, und der Bundesvorstand verstand es, diesen traurigen Umstand auf perfide Weise für seine Zwecke einzusetzen: die Gerüchteküche anheizend, tat er noch so, als schütze er die, die er dem Geschwätz preisgab. Die sogenannte Mitmachgewerkschaft zeigt ihr wahres Gesicht Eine "Mitmachgewerkschaft", als die sie sich in der Mitgliederwerbung am liebsten darstellt, wo jeder "mitmachen, mitgestalten, mitverändern" können soll, kann die IG B.A.U. nicht sein, wenn ihre hauptamtlichen Funktionäre es schaffen können, einen Bundesvorstandsbereich aufzulösen, ein gewähltes Bundesvorstandsmitglied aus dem Amt zu drängen und eine Branche organisatorisch aufzulösen, ohne daß jemand etwas mitbekommt. Mitmachen ist offensichtlich nicht erwünscht. Beiträge zahlen und sich nicht in die Politik einmischen, die die hauptamtlichen Funktionäre allein machen, auch gegen die Arbeitnehmerinteressen, das soll die Basis. Deshalb wird sie in Unkenntnis gehalten. Das einzige gewerkschaftsweite Kommunikationsmedium, der monatliche "Grundstein/Säemann", druckt wie Parteiorgane in totalitären Systemen nur "positive" Leserbriefe und bringt nur Artikel über "positive" Themen. Welchen Wirklichkeitsbezug die "Grundstein"-Artikel haben zeigt folgende Anekdote: einen Bericht über ihre Vorstandssitzung konnten die erstaunten Mitglieder der Bundesfachgruppe Garten- und Landschaftsbau bereits im "Grundstein" lesen, bevor ihre Sitzung überhaupt angefangen hatte! Der ganze Putsch gegen den Grünen Bereich war im "Grundstein" komplett unsichtbar gemacht, die grünen Seiten wurden derweil mit Tips zur Pflanzenpflege und dergleichen gefüllt. Nicht besser steht es um die Netzseite auf http://www.igbau.de. Vor wenigen Jahren gab es dort noch ein Forum, in dem jeder seine Meinung zur Diskussion stellen konnte: das ist beim letzten Redesign entfernt worden. Früher konnten Gewerkschaftsgliederungen auch eigene Netzseiten gestalten und von der IG-B.A.U.-Seite verlinken lassen, auch das wird, angeblich aus Design-Gründen, nicht mehr erlaubt, und die Seiten der Bezirksverbände sind seither auf eine ganz einheitliche graue Inhaltsleere zurückgeführt. Die hauptamtlichen Funktionäre bedienen sich also des "Grundstein" und der Website, um ihre Sicht der Dinge allen Mitgliedern zu vermitteln und ihrer Bürotechnik, um untereinander zu kommunizieren. Die ehrenamtlichen können sich weder an alle wenden noch sich untereinander austauschen außer nach Feierabend und auf eigene (Telefon-, Online-, Porto-)Kosten. Die Hauptamtlichen könnten die Diskussion und die Kommunikation in der Organisation fördern, wenn sie wollten. Das wollen sie aber offenbar nicht. Wie blitzschnell und effektiv ihre Kommunikationswege funktionieren, erlebte man im Gefolge des Putsches bei mehreren Mobbing-Aktionen gegen Ehrenamtliche, die Protest geäußert hatten. Sie erhielten gut koordinierte Anrufe von Hauptamtlichen aus allen Richtungen mit der Aufforderung, sich zurückzuziehen. Die scheinheilig beklagten Kommunikationsdefizite sind ein Werkzeug, das bestimmte Teile der IG B.A.U.-Hauptamtlichen mit Meisterschaft gebrauchen, um ihre Politik gegen die Mitglieder durchzusetzen. Die Auswirkungen Weder Margot Gudd noch Karl-Heinz Lach haben nichts getan, das es gerechtfertigt hätte, den Grünen Bereich in der IG B.A.U. zu zerschlagen. Warum macht der Bundesvorstand so etwas? Es wird sein Geheimnis bleiben, aber man kann aus den Resultaten, die er geschaffen hat, auf seine Absichten schließen: Die Bundesfachgruppen Er hat den grünen Bundesfachgruppen klargemacht, daß auf sie überhaupt nichts ankommt. Branchensekretär und zuständiges Bundesvorstandsmitglied werden ohne Rücksprache mit den Bundesfachgruppen eingesetzt und ausgetauscht. Bei der Übergabe der Geschäfte wird ausdrücklich nicht auf Kontinuität geachtet. Die Fachgruppen können den neuen Zuständigen jetzt wieder über ein Jahr hin oder länger vortragen, was sie wollen - bevor die endlich anfangen könnten, es in die Tat umzusetzen (gesetzt den Fall, daß sie das überhaupt wollen), werden sie wieder abberufen. Funktionierende und fruchtbringende Zusammenarbeit wird dagegen sofort und massiv unterbunden. Der innere Zwist in der Bundesfachgruppe Garten- und Landschaftsbau wurde zwar einstweilen beigelegt: ihrem umstrittenen Vorsitzenden wurde einer der Gewerkschafts-Sitze im Vorstand der Gartenbau-Berufsgenossenschaft angeboten, woraufhin er den Vorsitz der Bundesfachgruppe seinem bisherigen Stellvertreter überließ. Aber was jetzt fehlt, ist die Koordination der gesamten Branchenarbeit im Gartenbau durch den Vorstandsbereich V. Die Vertretung der Garten- und Landschaftsbauer fand sich bereits am 6. Mai 2004 zu einer Sitzung nach Berlin einberufen, wo Klaus Wiesehügel sie in seine Politik einzubinden versuchte. Die Bundesfachgruppe Gartenbau mußte am 30. 10. bei einer Sitzung mit Hans-Joachim Wilms feststellen, daß die Eckpunkte ihrer bisherigen Arbeit den neuen zuständigen Hauptamtlichen über ein halbes Jahr nach der Amtsübernahme noch gar nicht bekannt waren, wozu Wilms auch noch geradeheraus erklärte, ihn interessiere sowieso nicht, was wir beschließen, er werde darauf keine Rücksicht nehmen. Die Tarifverhandlungen Die taspo beobachtet genauestens die neue Tarifpolitik der IG B.A.U. im Gartenbau und stellt sie als Eingehen auf die Arbeitgeberforderungen dar. Bei den Verhandlungen, die zu den Tarifabschlüssen in Bayern (Baumschulen) und Brandenburg führten, waren keine ehrenamtlichen Tarifkommissionsmitglieder anwesend. Im Garten- und Landschaftsbau wurde zunächst viel von der Übernahme der Verhandlungsführung durch den Bundesvorsitzenden selbst erhofft. Inzwischen hat sich gezeigt, daß er den Arbeitgebern auch nicht mehr entgegenzusetzen hat und wahrscheinlich die Verhandlungen demnächst für gescheitert erklären muß. Ein Schritt, den seine Vorgängerin noch vermeiden konnte. Resümmee Kurz und knapp zusammengefaßt, heißt das nicht anderes als: Der IG B.A.U.-Bundesvorstand hat mit seiner Aktion gegen den Vorstandsbereich V den Arbeitgebern in die Hände gespielt und den Gärtnern geschadet. Er hat die endlich erfolgreich begonnene Branchenarbeit in dieser vernachlässigten Branche mutwillig kaputtgemacht. Die IG B.A.U. kann sich nicht Interessenvertreter der Arbeitnehmer im Gartenbau nennen. Ausblick Im Jahr 2005 findet allerdings der nächste Gewerkschaftstag statt. Es bleibt abzuwarten, ob der jetzige Bundesvorstand verhindern kann, daß diesem höchsten Organ der Gewerkschaft die hier geschilderten Vorgänge bekannt werden. Falls nicht, könnte es sein, daß doch noch die Gerechtigkeit siegt und wieder einmal Bundesvorstandsmitgliedern Stimmen zur Wiederwahl fehlen. Ob das den Gärtnern etwas bringen wird, bleibt dann immer noch abzuwarten. [an error occurred while processing this directive]

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