Die ältesten Regeln mittelalterlicher Hospitäler

  1. Was mich neugierig machte

    1. Vor meinem Geschichtsstudium habe ich als Zivildienstleistender in einem Alten- und Pflegeheim der Diakonie gearbeitet. Dabei durften wir auch am Krankenpflege-Unterricht teilnehmen und zum Abschluß die staatliche Prüfung als Krankenpflege-Helfer ablegen. Das Geschichtsstudium an der LMU München war danach zunächst eine ganz andere Welt, aber was mich dort mit am meisten faszinierte, war der Schlagwortkatalog der Bayerischen Staatsbibliothek, in dem quasi alle Welten enthalten sind …

      Die mittelhochdeutsche Regel des Hospitals von Eichstätt (1250), 1972 im Druck erschienen, stimmt in großen Teilen mit der lateinischen Regel des Hospitals Nôtre-Dame zu Paris (1220), aber auch mit der lateinischen Regel des Hospitals Santo Spirito in Saxia zu Rom und noch etlichen anderen, nicht zuletzt derjenigen des Johanniterhospitals zu Jerusalem (1152?) überein. Der Herausgeber des Eichstätter Textes, Andreas Bauch, hat in den Fußnoten zu seiner Edition auf diese Verwandtschaftsbeziehungen hingewiesen, konnte aber keine Erklärung dafür angeben.

      BAUCH, Regel Eichstätt.

      Die lateinische Regel des Heilig-Geist-Spitals der Hansestadt Lübeck von 1263 stimmt großenteils mit derjenigen des Sint-Janshospitaals der flandrischen Hansestadt Brugge überein. Letztere liegt uns als besiegelte Originalurkunde aus dem Jahre 1188 vor und ist als älteste Quelle für das Sint-Janshospitaal Brugge 1976 von Griet Maréchal in ihrer Geschichte dieser Institution eingehend untersucht worden. Mit dem Brügger Regeltext stimmen noch andere stark überein, darunter ein ebenfalls original überlieferter von 1196 aus Gent in lateinischer Sprache und ein altfranzösischer von 1267 aus Ieper. Der Lübecker Text begegnet wieder in volkssprachlichen Hospitalregeln aus Ålborg in Dänemark, aus Barth in Pommern und einer lateinischen Handschrift aus Riga.

      MARÉCHAL, Brugge.

      Paul Bonenfant hat 1953 die Regel des Hospitals S. Jean zu Brüssel (1211) als erste Hospitalregel in einer wirklich kritischen Edition vorgelegt. Arbeiten seiner Schüler erschienen in den folgenden Jahren in den "Annales de la Société Belge de l'Histoire des Hôpitaux". Nach dem Tode ihres Mannes hat Mme. A. M. Bonenfant-Feytmans in einem Aufsatz in dieser Zeitschrift 1981 erstmalig europäische Hospitalregeln der Zeit um 1200 miteinander und mit Aussagen eines Zeitgenossen, Jacques de Vitry, sowie Beschlüssen französischer Provinzialkonzile verglichen, die 1214-1215 abgehalten wurden. Ihre Untersuchung hat eine weitverbreitete Meinung, nämlich daß alle Hospitalregeln einfach auf der Jerusalemer Johanniterregel fußten, als haltlos erwiesen. Diese Meinung war um 1900 von Léon LE GRAND vertreten worden, der eine Menge französischer Hospitalregeln "unkritisch" veröffentlicht hat.

      BONENFANT, Cartulaire, S. 19-25, Nr. 5.

      BONENFANT-FEYTMANS, J. de Vitry.

      LE GRAND, Edition.

      Ich habe das Thema dann in meiner Magisterarbeit unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Wolfgang Giese an der LMU München 1985 bearbeitet, und zwar die Forschungsgeschichte und exemplarisch die Nachwirkung der Brügger Hospitalregel von 1188 bis in den Ostseeraum. Die ältesten mittelalterlichen Hospitalregeln in ihrem Zusammenhang zu beschreiben und ihren Quellenwert wirklich auszuschöpfen, blieb als Dissertationsprojekt, mangels Zeit und ohne Kontakt zu Forschern mit ähnlichen Zielen, dann stecken. 1998 fand ich, längst weit weg von der Uni, aber voll Begeisterung für die Möglichkeiten des Computers, einen Weg, Textverwandtschaft EDV-technisch zu untersuchen. Diese Ansätze zu verbinden, abzurunden und abzuschließen, wohl eher als öffentlichen Text im Internet denn als Diss., versuche ich jetzt hier.

  2. Forschungsgeschichte: Hospitäler des Mittelalters
  3. Kontext: Städtebildung und Entstehung von Hospitälern um 1200
  4. Beschreibung: die Hospitalregeln, meine Quellentexte
  5. Text-Verwandtschafts-Untersuchung mittels EDV
  6. Ergebnisse
  7. Folgerungen

© Bernhard Höpfner 2002-2016.