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-blog: Die ältesten Hospitalregeln und die Ursprünge der

08. 01. 2019

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  1. Vom Quellenfund zu einer Hypothese
  2. Res?mmee: Was wir ?ber Hospit?ler im Mittelalter wissen
    1. Ertrag der Forschungsgeschichte
  3. ?u?ere Merkmale der Hospitalregeln
    1. Handschriften und Drucke
      1. Sammlung
      2. L?cke zwischen Textdatum und ?berlieferungsbeginn
      3. Zur Handschriftengeschichte
      4. Drucke und Editionen
    2. Textcharakteristika
      1. Aufbau und Form
        1. Urkundenform
        2. Plakatformen
        3. Ab- und Eingrenzung
      2. L?nge und Sprache
      3. Gebrauch, Verwendung, Bestimmung
      4. Einrichtung zum Lesen
        1. Interpunktion
        2. Zwischen?berschriften
        3. Gebrauchsspuren
      5. Ausschm?ckung und Anreicherung
    3. Entstehungsgeschichte
      1. Herkunftsgebiete
      2. Beteiligte Personen
      3. Anla? zur Ausfertigung
      4. Nachtr?gliche ?nderungen am Inhalt
    4. Koh?renz
  4. Inhaltliche Struktur der Hospitalregeln
    1. Themenbereich Aufnahme und Eigentum der Kranken
    2. Themenbereich Speisen der Kranken
    3. Themenbereich Zusammenleben der Br?der und Schwestern
    4. [Themenbereich Stundengebete]
    5. [ThemenbereichFasten/Fleischenthaltung: Ab St. Martin]
  5. Verwandtschaftsbeziehungen anhand gleichlautender Wortfolgen messen
    1. Problemstellung
    2. Strategie
      1. Stammbaum und Kette
        1. Stammb?ume: Die Suche nach dem besten Stammbaum
        2. Automatisierung der Stemmatologie
      2. Gemeinsame Abweichungen vs. Konkordanzen
        1. Die ?berlieferten Fehler: das klassische Argument f?r Textabh?ngigkeit
        2. Selbst?ndig denkende Schreiber: Die Grenzen der klassischen Methodik
        3. Konkordanzen statt gemeinsamer Abweichungen
      3. Die Ausschaltung des Zufalls
        1. bei gemeinsamen Abweichungen
        2. bei Wort- und Kapitelfolgenkonkordanzen
    3. Auswertung
      1. Datenverarbeitungstechnik
      2. Die Daten sammeln und vorbereiten
        1. Die Texte digitalisieren
        2. Eine Datenbank mit den Daten der Texte anlegen
      3. Die w?rtlichen ?bereinstimmungen auswerten
        1. Wortfolgenkonkordanzen finden
        2. Daten der Wortfolgenkonkordanzen normalisieren
        3. Textgruppen finden und ihre Daten normalisieren
        4. Verwandtschaftswahrscheinlichkeiten berechnen
        5. Ketten verwandter Texte erstellen
      4. ?bereinstimmungen in der Inhaltsreihenfolge auswerten
    4. Ergebnisse
      1. Die Ketten
      2. Beziehungen zwischen den Ketten
        1. Starke Querverbindungen
        2. Br?ckenglied-Texte
        3. Ketten?bergreifende Wortfolgenkonkordanzen
        4. Die Beziehungen zwischen den Ketten
      3. Altersverh?ltnisse
        1. Jerusalem-Br?ssel ?lter als die j?ngere, aber j?nger als die ?ltere Schicht in Br?gge-Gent
        2. Jerusalemer Tradition ?lter als Br?ssel-Brabanter
        3. Br?gge und Gent
        4. Cambrai-Lessines unbeeinflu?t von Jerusalem-Br?ssel
        5. Cambrai-Lessines und die ?ltere Schicht von Br?gge-Gent gleich altCambrai-Lessines und die ?ltere Schicht von Br?gge-Gent gleich alt
        6. Cambrai Vorbild f?r j?ngere Schicht Br?gges
  6. Ergebnis
    1. Zusammenhang mit St?dtebildung und Religi?ser Bewegung um 1200
      1. Schwerpunkt der St?dtebildung um 1200
      2. Religi?se Bewegung
      3. ((Notwendigkeit neuer Hospit?ler))
      4. ((?Kommunalisierung?" alter Hospit?ler und neue kommunale Hospit?ler))
    2. Hierarchisch-kirchlicher vs b?rgerlicher Ursprung

Vom Quellenfund zu einer Hypothese

Vor meinem Geschichtsstudium hatte ich als Zivildienstleistender in einem Alten- und Pflegeheim der Diakonie gearbeitet und dabei auch am Unterricht in der dortigen Krankenpflegeschule teilnehmen k?nnen, abgeschlossen mit dem ?einj?hrigen? Krankenpflege-Hilfe-Examen. Mit dem Beruf noch im Hinterkopf, stolperte ich eines Tages in einem Karteikasten im Katalogsaal der Bayerischen Staatsbibliothek ?ber Literatur zum Schlagwort ?Krankenpflege/Geschichte/Mittelalter?. Habe mir dann gleich ein paar der dort verzeichneten B?cher entliehen und daran gedacht, da? das vielleicht ja ein Thema, ?ber das ich mal meine Abschlu?arbeit schreiben k?nnte?

Gleich im ersten Buch stie? ich auch schon auf Unerforschtes. In seiner Edition der Regel des Hospitals zu Eichst?tt aus dem Jahr 1250 konstatiert der Herausgeber, Andreas BAUCH, weitreichende ?bereinstimmun

Unerkl?rte Textverwandtschaften zwischen Hositalregeln entdeckte ich bald noch viel mehr. Wurden Ordensregeln ganz gut erforscht, schon weil bis heute bestehende Gemeinschaften ihre eigene Geschichte bearbeiten, blieben Regeln

Umso mehr befl?gelte meinen Forscherdrang, was ich ?ber belgische Literatur. herausfand: da? die Regel des Sint-Janshospitaals der Hansestadt Brugge und die des gleichnam

Ich habe dann 1985 zun?chst in meiner Magisterarbeit, einer der ersten, die Prof. Giese betreute, eine ?bersicht ?ber die bisherige Literatur zu den mittelalterlichen Hospit?lern gegeben, die ich hier im folgenden Kapi

  1. Bauch, Regel Eichst?ttBauch, Andreas, Die neuentdeckte Regel des Heilig-Geist-Hospitals zu Eichst?tt, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Eichst?tt 64 (1971) S. 7-84
  2. Ein Johanniter, Delaville le Roulx, CartulaireDelaville le Roulx, J. (Hg.), Cartulaire g?n?rale de lߢordre des Hospitaliers de St.-Jean de J?rusalem (1100-1310, 1-4, Paris 1894-1906, gab im Rahmen einer mehrb?ndigen Edition von Ordensurkunden die Johanniterregel heraus und ver?ffentlichte 1894 (Delaville le Roulx, Les hospitaliers en terre sainDelaville le Roulx, J, Les hospitaliers en terre sainte et ? Chypre 1100-1310, Paris 1904) und 1906 (Delaville le Roulx, De prima origineDelaville le Roulx, J, De prima origine Hospitalariorum Hierosolymitanorum, Paris 1885) Aufs?tze dar?ber. 1929 forschte Ambraziejut?, Johanniter-RegelAmbraziejut?, Maria, Studien ?ber die Johanniter-Regel, Fribourg 1929 ?ber die Entstehung der Johanniterregel. Die Regel des Heilig-Geist-Ordens gab DE ANGELIS 1954 heraus; die des Deutschen Ordens Perlbach, Stauten Deutscher OrdenPerlbach, Max (Hg.), Die Statuten des Deutschen Ordens nach den ?ltesten Handschriften, Halle 1890. Probst, Deutscher OrdenProbst, Christian, Der Deutsche Orden und sein Medizinalwesen in Preu?en. Hospital, Firmarie und Arzt bis 1525, 1967 (1969) und Arnold, Entstehung des Deutschen OrdensArnold, Udo, Entstehung und Pr?hzeit des Deutschen Ordens. Zu Gr?ndung und innerer Struktur des Deutschen Hospitals von Akkon in der ersten H?lfte des 13. Jahrhunderts, in: Fleckenstein, Josef; Hellmann, M. (Hg.), Die geistlichen Ritterorden Europas (o. O. 1980) (1980) trugen zur Erforschung der Deutschordensregel bei. Die Augustinerregel schlie?lich, von der es in der Literatur oft hei?t, sie sei die Regel der Hospit?ler gewesen, liegt seit 1967 in einer kritischen Edition von VERHEIJEN vor.
  3. Le Grand, Edition
  4. obwohl bereits ein Blick in die Texte in LE GRANDS Ausgabe zu ernsten Zweifeln daran gen?gt h?tte. Seine Methodik ger?t in zweifelhaftes Licht, wenn er die Legende von der urchristlichen Entstehung der Johanniterregel ungepr?ft ?bernimmt (Im Mittelalter und in der Fr?hen Neuzeit verlegten Institutionen gern ihre Anf?nge ins Urchristentum oder wenigstens so weit wie m?glich in die Vergangenheit zur?ck, um an Ansehen und Rechtssicherheit zu gewinnen. In dieser Absicht wurden Legenden ?ber die eigene Gr?ndung entwickelt und tradiert, in denen die Regel als eine Art Gr?ndungsurkunde eine zentrale Rolle spielte.) oder von gewissen Regeln einfach behauptet, sie h?tten ?auch noch anderswo? gegolten.
  5. Reicke, SpitalReicke, Siegfried, Das deutsche Spital und sein Recht im Mittelalter, 1-2 (= Kirchenrechtliche Abhandlungen, 111-112. 113-114), Stuttgart 1932. ND 1960
  6. Nur in Belgien ist bisher eine kritische Edition einer Hospitalregel erschienen, von der des Hospitals S. Jean zu Br?ssel (1211), vorgelegt von Bonenfant, CartulaireBonenfant, Paul, Cartulaire de lߢH?pital Saint-Jean de Bruxelles (Actes des XIIe & XIIIe si?cles) [hg. v. d.] Commission Royale de lߢHistoire, Bruxelles 1953
  7. [Jerusalem-Datierung]
  8. Bonenfant-Feytmans, J. de VitryBonenfant-Feytmans, A. M., Les organisations hospitali?res vues par Jacques de Vitry (1225), in: Annales de la Soci?t? Belge dߢHistoire des H?pitaux. Annalen van de Belgische Vereniging voor Hospitaalgeschiedenis 18 (1980) S. 17-45

Res?mmee: Was wir ?ber Hospit?ler im Mittelalter wissen

Ertrag der Forschungsgeschichte

Die Anf?nge geschichtlicher Werke ?ber mittelalterliche Hospit?ler fallen ins 19. Jahrhundert, und zwar in die Zeit, als Fortschritte in der Medizin und der Hygiene das Aussehen wie auch die Funktion der vielerorts noch vorhandenen alten Hospit?ler v?llig zu ver?ndern anfingen, als sozial eingestellte Theologen zwischen Kapitalismus und Sozialismus an eine christlichen L?sung der ?sozialen Frage? durch Diakonie beziehungsweise Caritas arbeiteten, und als Krankenpflege ein respektabler Beruf f?r Damen zu werden begann.

Ungleich ?lter noch als diese drei ist die Tradition der Ordensgeschichtsschreibung in denjenigen mittelalterlichen Hospitalorden, die bis in die Neuzeit intakt geblieben sind: Johanniter, Deutscher Orden, Heilig-Geist-Orden besitzen eine beinah ungebrochene Tradition eigener Historiographie seit jener Zeit, die unseren Untersuchungsgegenstand bildet.

Die mittelalterlichen Hospitalgeb?ude - nunmehr ?meist ... kleine und unscheinbare, nicht selten vernachl?ssigte und verfallene Anstalten? (Rudolf Virchow) - waren der Schrecken moderner Mediziner geworden

Die in ihnen seit alters ihren Dienst verrichtenden W?rter und W?rterinnen wurden von energischen, gebildeten Damen als ?unwissend, trunks?chtig, habgierig und von zweifelhafter Moral? verschrieen - von Damen, die einen Beruf dazu f?hlten, ߢPflegerinߢ zu

Theologen verfolgten die ?soziale Frage? ihrer Gegenwart ins Mittelalter zur?ck und sahen dort das Hospitalwesen als besonders deutliche Konkretion vorbildlichen Umgangs mit dem ?Armutsproblem?.

So veranla?ten Entwicklungen im 19. Jahrhundert, die Geschichte der mittelalterlichen Hospit?ler zu studieren, lange bevor die akademische Geschichtswissenschaft so etwas wie ?Culturgeschichte? als Aufgabe erkannte. ((Den Geschichtsinteressierten blieb es selbst ?berlassen, neben ihrer Berufst?tigkeit als Architekt, Arzt, Krankenpflegerin oder sozial engagierten Theologen aufgrund der damals ?blichen hohen historisch-philologischen Allgemeinbildung anhand der erreichbaren Quellen historisch zu dilettieren.))

Nachfolgende Historiker-Generationen, auch wenn sie nun hauptberuflich arbeiteten, bauten auf den von den ?lteren gelegten Grundlagen auf: Medizinhistoriker, Architekturhistoriker, Kirchenhistoriker, und etwas sp?ter auch die Rechtshistoriker ?bernahmen die Fragestellungen und Interessenschwerpunkte ihrer jeweiligen Vorg?nger. Kaum eine(r) nahm dabei von den Ergebnissen der jeweils anderen Disziplinen Notiz.

[[Ich stellte mir vor, mit Hilfe moderner allgemeingeschichtlicher Konzepte m??te die Zersplitterung der Hospitalgeschichte doch zu ?berwinden sein, und die Hospitalregeln schienen mir daf?r ein guter Ausgangspunkt zu sein. Leider geh?rten moderne Ans?tze wie die der "Annales" damals in M?nchen noch nicht gelehrt, nur gerade eben erw?hnt, da? es so etwas auch gibt, und fehlende Franz?sischkenntnisse erschwerten es mir, mich selbst hineinzulesen. So wurde aus dem Projekt, wie mein Lehrer, Herr Prof. Giese damals bereits voraussah, ein "Lebenswerk" ...]]

  1. dazu nun Bischoff, Claudia, Frauen in der Krankenpflege. Zur Entwicklung von Frauenrolle und Frauenberufst?tigkeit im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt (Main): Campus, 1994

?u?ere Merkmale der Hospitalregeln

Handschriften und Drucke

Sammlung

Handschrift der Hospitalregel Brugge 1188
ߢHandschriftDie Texte, die der folgenden Untersuchung zugrundeliegen, habe ich ?ber Jahre hinweg gesammelt, indem ich allen erreichbaren Hinweisen in der Literatur auf gedruckte und ungedruckte mittelalterliche Hospitalregeln nachgegangen bin. Systematisch die europ?ischen Archive und Bibliotheken zu durchsuchen, h?tte vielleicht mehr Funde ergeben, war aber f?r mich zu aufwendig. Dank der Langwierigkeit des Unternehmens und der gro?en Hilfsbereitschaft der Fernleihstellen, besonders an der Universit?ts- und der Staatsbibliothek M?nchen sowie der Landesbibliothek Wiesbaden, denke ich, auch so einen gewissen Anspruch auf Vollst?ndigkeit erheben zu k?nnen. Die Texte sind in folgenden Handschriften ?berliefert:

L?cke zwischen Textdatum und ?berlieferungsbeginn

Soweit Entstehungszeiten der Handschriften bekannt sind, haben wir in zw?lf F?llen Original?berlieferung, also Gleichzeitigkeit mit der Datumsangabe des Textes, den sie ?berliefern, wovon aber eigentlich nur die ersten sechs von vor 1250 stammen und sich so noch einigerma?en unter die ??ltesten Regeln mittelalterlicher Hospit?ler? rechnen lassen:

Gleichzeitige Handschriften (Original-Überlieferung)
LückeText-DatHandschrift-DatTextFundort (mit verlinkter Abbildung)
01188.01.1188.01Brugge 1188Brugge/Bruges, Archief van het Oopenbar Centrum voor Maatschappelijk Welzijn, St.-Janshospitaal, Signatur.: Charter nr. 1,
01188.01.1188.01Brugge BgBrugge/Bruges, Archief van het Oopenbar Centrum voor Maatschappelijk Welzijn, St.-Janshospitaal, Signatur.: Charter nr. 1,
01188.01.1188.01.Brugge B"Brugge/Bruges, Rijksarchief/Archiv de l"État, Aanwinsten, Signatur.: nr. 6509,
01196..1196..GentGent/Gand, Stadsarchief/Archive de la Ville, Stadscharters, Signatur.: reeks 94, nr. 17,
01236..1236?Gent Lepr mnldGent/Gand, Archives de l"État/Rijksarchief, Fonds Rijke Gasthuis, Signatur.: Voorlopig nr. B4594,
01243.04.1243.04.AbbevilleAmiens, Archives Départementales de la Somme, Archives d"Hôtel-Dieu d"Abbeville, Signatur.: F 1,
01253.08.1253.08.HerentalsHerentals/Hérenthals, arr. Turnhout, [Hospitalarchiv], , Signatur.: ,
01266..1266AalstGent/Gand, Archives de l"État/Rijksarchief, Fonds O.L.V.-hospitaal te Aalst, Signatur.: I, 2,
01301..1301KielKiel, Stadtarchiv, Urkunden, Signatur.: Nr. 9,
01319.12.1319.12EnghienMons/Bergen, Archives de l"État/Rijksarchief, Hôpital Saint-Nicolas d"Enghien, Signatur.: No. 9,
01328.04.231328.04.23München 1328München, Hauptstaatsarchiv, Gericht München, Urkunden, Signatur.: Fasz. 3,
01654.02.251654?Aalborg 1654?lborg, Hospitalets arkiv, , Signatur.: pk. 9, unbekannte Nr 1,
01675.05.011675?Aalborg 1675?lborg, Hospitalets arkiv, , Signatur.: pk. 9, unbekannte Nr 2,

Die ?brigen sind durch Abschriften (kopial) ?berliefert. In drei F?llen betr?gt die L?cke zwischen Textdatum und Handschriftdatum bis zu 10 Jahre, in noch sieben weiteren immerhin bis um 100 Jahre. Das trifft auch zu f?r die ?lteste Handschrift der lateinischen Johanniterregel von 1253.10.07 (deren altfranz?siche Fassung ist mit 46 Jahren L?cke zeitnaher ?berliefert):

2: Überlieferung durch bis zu 100 Jahre jüngere Hss.
LückeText-DatHandschrift-DatTextFundort (mit verlinkter Abbildung)
31197..1200-1300Tournai ND MeisterTournai/Doornik, Archives de l"État/, , Signatur.: Cart. C,
61294..1300 bis 1400 ?Lübeck 1294Riga, Zentrales Historisches Archiv der Litauischen SSR, Fond 673, opis" 2 (l-1), Signatur.: delo 6 (l-1),
101233.06.1243.04.AmiensAmiens, Archives Départementales de la Somme, Archives d"Hôtel-Dieu d"Abbeville, Signatur.: F 1,
301220.05.1250 ?Cambrai S-JulienCambrai/Kamerijk (Diözese), Bibliothèque municipale, Archives hospices de Cambrai, St-Julien, Signatur.: I A 5 (früher no. 329),
461154.10.211200-1300Jerusalem afrzDijon, Archive de la Côte-d"Or, H, Signatur.: 111,
621238..1300 bis 1400 (nach 1366?)TournaiTournai/Doornik, Trésor de la Cathédrale, , Signatur.: , Cest le riegle et ordenance des s?rs del hostelerie Nostre Dame de Tournay
771227.06.1304.05.Cambrai S-JeanCambrai/Kamerijk (Diözese), Bibliothèque municipale, Archives hospices de Cambrai, St-Jean, Signatur.: inseriert in: X A 2 (früher no. 348),
891211.10.1300 bis 1400Bruxelles 1211Bruxelles/Brussel, Archive de la ville/Stadsarchief, , Signatur.: vol. 1373,
991154.10.211253.10.07 laut BegleitbriefJerusalem latAarau, Staatsarchiv des Kantons Aargau, Johanniter-Kommende Leuggern, Signatur.: Nr. 7,
1121204..1316 bis 1334Roma S-Spirito 1316Roma, Biblioteca Vaticana, Fondo Borghese, Signatur.: N. 292,

Die ?brigen liegen nur in Abschriften vor, die ?ber 100 Jahre j?nger sind als die Abfasungsdaten der Texte, so da? zun?chst unsicher ist, ob der ?berlieferte Text wirklich in allen Teilen und Einzelheiten von der Zeit ist, auf die er sich selbst datiert; beim Abschreiben k?nnen Teile eingeschoben, Ver?nderungen vorgenommen worden sein, ohne das zu kennzeichnen. Bei diesen Texten m?ssen, je gr??er die L?cke ist, umso mehr innere Kriterien mitber?cksichtigt werden, wenn es den genauen, urspr?nglichen Wortlaut herzustellen gilt.

Überlieferung durch über 100 Jahre jüngere Hss.
LückeText-DatHandschrift-DatTextFundort (mit verlinkter Abbildung)
1301370.11.041500-1600 (nach der Schrift, Mus)Ieper Lepr 1370Ieper/Ypres, Archief der Commissie van Openbaren Onderstand, fonds Hooge Zieken. alg. litt., Signatur.: B,
1371263..1400 bis 1500Troyes latTroyes, Archives Départementales de l"Aube, , Signatur.: carton 4,
1691231..1400 bis 1500Co?ffortLe Mans (Diözese), Bibliothèque du Mans, , Signatur.: Ms. 253, Livre blanc de l"Évêché
2111309..1520 ca.Barth 1309Barth, Lkr. Nordvorpommern, Pfarrarchiv, , Signatur.: ,
2801220..1500 bis 1600, 2 Kopien, beide lat. und frz.ParisParis, Archive de l"Assistance Publique, , Signatur.: liasse 866,
2891200..1489.07.14AngersParis, Archives Nationales, , Signatur.: X 1a 1497,
3141200..1514.12.1FossesNamur/Namen, Archiv de l"État, Chartrier des s?urs grises, Signatur.: [in die Urkunde Borgnet Nr. 20 inseriert],
3351265..1600 bis 1700Saint-PolArras/Atrecht, Archives Départementales de Pas-de-Calais, Archives hospitalières de Saint-Pol, Signatur.: A 1,
3451255.02.1600 bis 1700Bruxelles S-GertrMechelen/Malines, Archive de l"Archevêché, Cameracensia, Signatur.: reg. 6 (früher X),
3541246..1600 bis 1700BeauvaisBeauvais, Archives Départementales de l"Oise, , Signatur.: A7,
4381162..1600 bis 1700AubracRodez, Archives Départementales de l"Aveyron, , Signatur.: G 404 und G 406 = No. 13 und No. 14,
4471253.11.1700 bis 1800Bruxelles S-NicolaiBruxelles/Brussel, Archive de la ville/Stadsarchief, , Signatur.: vol. 1373,
45212301682-Vienne S-AntoineGrenoble, Grand Séminaire, Inventaire des titres et fondations de l"abbaye de Saint-Antoine, Signatur.: No. 3,
4531247.07.1700 bis 1900Lessines 1247Lessines/Lessen, Centre Publique d"Aide Sociale, , Signatur.: ,

Zur Handschriftengeschichte

Oft wurden Hospitalregeln wohl zun?chst im Hospitalarchiv aufbewahrt, wurde das Hospital sp?ter aufgel?st, kamen sie in ein staatliches Archiv. Manche Hospitalarchive bestehen aber noch und bewahren weiterhin die mittelalterliche Regel ihres Hauses auf.

Ungew?hnlich ist das Schicksal der Handschrift der Regel von Eichst?tt: sie scheint irgendwann am Ort in private Hand gekommen zu sein und von da mit Auswanderern 1905 nach Amerika, wo sie sp?ter in die Universit?tsbibliothek Philadelphia gelangte.

Die Regel des Hospitals von Ypern wurde im Ersten Weltkrieg vernichtet.

Das Kopiar, das eine entstehungszeitnahe Abschrift der L?becker Regel von 1263 enth?lt, galt bis vor kurzem als Kriegsverlust, kam dann aber zur?ck; 2001 war es jedoch noch nicht wieder zur Benutzung freigegeben. Aus dem Zentralen Historischen Archiv der Lettischen SSR bekam ich eine Fotokopie einer Urkunde von 1294, in die die Regel des L?becker Heilig-Geist-Hospitals inseriert ist.

Drucke und Editionen

Textcharakteristika

Aufbau und Form

Urkundenform

Viele Hospitalregeln sind ihrer Form nach Urkunden mit vollst?ndigem Formular. Von der Vollst?ndigkeit und Richtigkeit der Formeln einer Urkunde hing es ab, ob ihr Rechtskraft zugemessen wurde.

4: Hospitalregeln in Urkundenform
TextInvocatioAusstellerSalutatioArengaNarratioDispositioCorroboratioSiegelDatum
1211 Bruxelles[Invoc.]Jean III. de Béthune, Bf v Cambr[Salut.]Quomiam ...Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Narr.]sic ordinando disponimus[Corr.][Siegel]Actum
1223 Cambrai S-Julien[Invoc.]R. prévost, A. decanus v Cambrai[Salut.]ordinauimus ... modum uiuendi[Corr.][Siegel]Actum
1227 Cambrai S-Jean[Invoc.]Nicolas de Fontaine, Bf v Cambr[Salut.][Narr.]ordinavimus modum vivendi[Corr.][Siegel]Actum
1233 Antwerpen[Invoc.]Godefroid de Fontaine, Bf v Cambr[Salut.]Quum via ...Quum via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Narr.]sic ordinando disponimus[Corr.][Siegel]Actum
1246 BeauvaisOdo v Tusc., Ppl Legat{Salut.][Narr.]Dispositio[Corr.]SiegelActum
1247 LessinesGuido, Bf v Cambrai[Salut.][Narr.]statuimus et ordinamus[Corr.]SiegelActum
1253 Bruxelles S-Nic latscabini et universi burgenses v Brx[Salut.]admonitioex parte reverendi patris nostri N..., Dei gracia Cameracensis episcopi, sepuis monicionem recepimus diligentem ut ad reformacionem hospitalis, beati Nycholai in Bruxella curam adhiberemus efficacem, eo quod ad usus et recreacionem pauperum transeuntium a prima fundacione de fidelium elemosinis statutum fuit et ab antiquis temporibus, a quibus non extat memoria, observatum, sicut eciam adhuc superstites recolunt infinit
episcopo
volumus et decernimusarticuli inferius conscripti, quos ibidem eciam volumus et decerni-miis observari[Corr.]der StadtActum
1253 Herentals[Invoc.]Nicolas de Fontaine, Bf v Cambr[Salut.]Cum non ...Cum non sit victima melior quam obedientia et Dominus benedictionem et vitam promiserit ...[Narr.]sic ordinando disposuimus[Corr.][Siegel]Actum
1255 Bruxelles S-Gudule[Invoc.]Nicolas de Fontaine, Bf v Cambr[Salut.]Quomiam ...Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Narr.]sic ordinando disponimus[Corr.][Siegel]Datum
1258 AardenburgWalter de Croix, Bf v Tornai
et scabini de Rodemburg
[Salut.]consensum est[Corr.]beiderDatum et actum
1277 sHertogenbosch[Invoc.]Jean d Enghien, Bf v Tournai[Salut.]Quomiam ...Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Narr.]sic ordinando disponimus[Corr.][Siegel]Actum et datum
1286 GeelGuillaume d Avesnes, Bf v Cambr[Salut.]Cum non ...Cum non sit victima melior quam obedientia et Dominus benedictionem et vitam promiserit ...sic ordinando disposuimus[Corr.]und das des
Herrn v Geel
Actum
1319 Enghien[Invoc.]Pierre de Lévis-Mirepoix, Bf v Cambr[Salut.]Quomiam ...Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Narr.]secundum Regulam b. Augustini
sic ordinando disponimus
[Corr.][Siegel]Actum

Etwa die H?lfte der urkundenf?rmigen Hospitalregeln hat ganz am Anfang oder nach der Invocatio noch zus?tzlich eine ?berschrift. Die geh?rte nicht zum Urkundenformular, auch f?r die Verfasser nicht, denn sie konnte z.B. in einer Volkssprache verfa?t werden, obwohl alles Nachfolgende lateinisch war (1176 in L?ttich und 1266 in Aalst):

  1. Diese Urkunde ist ein Vidimus f?r 1211 Bruxelles (vgl. vorige Tabelle), die in der Dispositio w?rtlich zitiert wird. Und das Ganze ist nun mit einer ?berschrift versehen.
5: Hospitalregeln in Urkundenform mit Überschrift
TextÜberschriftInvocatioAusstellerSalutatioArengaNarratioDispositioCorroboratioSiegelDatum
1176 Liège Mont CornillonPrivilègesLes Privileges des citains de Liège concedeit et confirmeit alle maison de Cornillon; comment ils se doient governer et estre governeit de leurs maistres et recepveurs[Invoc.]scabini v Liège[Salut.]Que ad pacisQue ad pacis et salutis fidelium [spectare videntur toto annisu] humili tuenda et promovenda sunt[Narr.]duximusVorbehalt[Siegel]Actum
1223 Bruxelles.InstitutioInstitutio fratrum et sororum[Invoc.]Godefridus[Salut.][Arenga][Narr.]duximus confirmandas[Corr.][Siegel]Datum
1233 Montdidierrègle et bulleChy sensuit la teneur de la règle et bulle ordonnance de la religion monseigneur sainct Jehan Baptiste de Mondidier translatée de latin en franchois, faicte par Ricart par la grâce de Dieu évesque dߢAmiens.Ricart, Bf v Amiens[Salut.]Comme dߢofficeComme dߢoffice de pasteur nous soions tenus de veillier continuellement sur le peuple à nous baillé en garde par quoy nos sommes débiteurs à tous en Jésus-Christ, principallement nous devons pourvoir aux personnes de religion qui ont renoncié au monde et au faitz de celluy monde par les veulx quߢilz ont fais et par lߢabit de la religion quilz ont pris par dehors pourquoy ils sont loiés et estrains du lien dߢobédience, en ensuivant Jésus-Christ et la foy priant par bonnes ?uvres par dedens et par dehors.[Nar..]Hospitalgemeinschaft hat Regeln selbst vorgeschlagen und um Bestätigung gebetenconformons et enjoignonsVorbehalt&
[[Corr.]
Donné
1233 AmiensRegulaRegula domus hospitalis ambianensisGaufridus, Bf v Amiens[Salut.]Cum excommissoCum excommisso nobis pastoralis officij talento super gregem nobis creditum assidue et instanter teneamur vigilare. et universis et singulis sumus debitores in Christo precipue tamen religiosis personis. et mundo renuntiantibus debemus providere. ut sicut seculo et actibus secularibus voto emisso et habitu religionis assumpto renuntiaverunt exterius. Ita quoque Christum operibus sanctis et obedientie nexibus astricti. et christianam fidem interius imitentur.[Nar..]Hospitalgemeinschaft hat Regeln selbst vorgeschlagen und um Bestätigung gebetenconfirmamusVorbehalt&
[[Corr.]
Actum
1266 AalstRegeleRegele ofte institutie van den Prieuse ende Susteren van den hospitale binnen Aelst (Titel nach de Potter)Nicolas de Fontaine, Bf v Cambr[Salut.]Quomiam ...Quoniam via vite est custodientibus disciplinam ad laudem et honorem Dei omnipotentis et ut viam vite fideles inveniant in hospitali[Nar..]sic ordinando disponimus[Corr.][Siegel]Actum
1349 HarelbekeCopia literarumCopia literarum tangentim fundationem hospitalis Sancti Nicolai HarlebeccensisJean des Prè, Bf v Tournai[Salut.]Notum facimus quodVorbehalt[Siegel]Datum et actum
1354 IjzendijkeOrdinatioOrdinatio sive statutum ultra fundationem super>statu et regimine hospitalis de Ysendike.Philippus, Bf v Tournai[Salut.]Quia nonQuia non antequam quod conjectura proficuum debet reprehensibile judicari, si aliqua, a nostris predecessoribus pro suo tempore proinde statuta, in melius immutemus, maxime cum ea, ex causis postea emergentibus, videmus obesse potius quam prodesse[Narr.]statuimus et etiam ordinamusVorbehalt&Corr.[Siegel]Datum et actum
1400 TravemünderegulaHec est regula, quam precepimus seruare fratribus et sororibus domus sancti spiritus in travenemunde.Borchardus Bf v Lübeck[Salut.]precepimusDie Überschrift steht an dieser Stelle und fungiert quasi als Dispositio

Der Aufbau ist im allgemeinen folgender: Nach der Anrufung Gottes (Invocatio) entbietet der Aussteller allen, die dieses lesen, seinen Gru? (Salutatio), erz?hlt nach einer allgemeinen religi?s-ethischen Erw?gung (Arenga) die Vorgeschichte (N

Plakatformen

Wenn diese ?berschrift Verfasser, eventuelle Mitwirkende und Zweck des Textes nennt, konnten in etlichen Hospitalregeln die einleitenden Urkundenformeln, die sonst diese Angaben enthalten h?tten, wohl auch einfach wegfallen und unmittelbar auf die ?berschrift direkt die blo?e Aufz?hlung der einzelnen Bestimmungen folgen, mit mehr oder weniger vollst?ndigen Schlu?formeln. Nannte (ab Mitte des 13. Jh.) der Verfasser sich dann auch noch statt in der ?berschrift erst am Schlu?, lief es bis zum 17. Jh. auf ein Schema ?berschrift–Inhalt–Unterschrift(en) hinaus.

Manche von diesen Hospitalregeln ohne Urkundenformeln sind aber durchaus in Urkundenschrift auf Pergament geschrieben und besiegelt, besonders die ?ltesten, von denen wir gl?cklicherweise einige noch als Originale besitzen, was darauf hindeutet, da? es f?r ihre Verfasser auf die Urkundenformeln gar nicht so sehr ankam; immerhin haben sie ja auch die Invocatio am Anfang, sonst ein Spezifikum kirchlicher Urkundenaussteller, sogar noch vor der ?berschrift stehen und nicht fortfallen lassen. Ich benutze f?r diese noch feierliche, aber nicht mehr durch das Urkundenformular gebundene, der Bekanntmachung dienende Textform die Bezeichnung "Plakatformen".

7: Hospitalregeln ohne vollständige Urkundenform, geschrieben wie Urkunden
TextÜberschrift und vorhandene UrkundenformelnAussteller
1188 Brugge
=1188 Brugge B2
[Invokation] "Hec est regula et ordo observandus fratribus et sororibus domus beati iohannis in brugis dispensatione clericorum et laicorum brugensium probatissimorum institutus ad petitionem sancte congregationis predicte ... Institutum Anno .m.c.lxxxviii. mense Ianuario. confirmatum sigillis appendentibus"scabini
1196 Gent[Invocatio] Hec est regula et ordo fratrum et sororum domus beati Iohannis in gandauo. dispensatione cleri et schabinorum institutus. [Actum]
6: Hospitalregeln ohne (vollständige) Urkundenform mit Überschrift
TextÜberschrift, evtl vorhandene Rest-Urkundenformeln, SchlußformelnAussteller
1154 Jerusalem afrzCeste est la constitucion trovée par frere Raimont. [Invocatio] je Raimont, serf des povres de Crist et garde de lߢOspital de Jerusalem, dou conseil de tout le chapistre, clers et laiz freres, ai establi ces comandemenz en la maison de lߢOspital de Jerusalem. [Bestimmungen, mit Kapitelüberschriften] Amen.Raymond du Puy
1154 Jerusalem lat[Invocatio] Ego Raymundus servus pauperum Christi et custos Hospitalis Jer[oso]l[i]m[itani] cum consilio totius capituli clericorum et laycorum fratrum statui hec precepta et statuta in domo Hospital[is] Jer[oso]l[i]m[itana][Bestimmungen] Amen.Raymond du Puy
1197 Tournai ND MeisterDe magistro scolarum et de hospitalario (nach "B") / De prebendis scolastici seu magistri scolarum et hospitalarii et eorum officiis et quales debent assumi ad has prebendas seu ad hec officia (nach "C")Étienne
1200 AngersHec est institucio Domus pauperum Andegavensis facta cum assensu et voluntate tam fundatorum domus quam fratrum et sororum, a domino Andegavensi episcopo approbata et confirmata. [folgt ein Inhaltsverzeichnis]Guilleaume de Chemille
1230 Vienne S-AntoineHaec sunt Statuta facta a Venerabili Vuillermo episcopo Tornacensi, Apostolicae Sedis legato, in hospitali S. Antonii Viennensis dioecesis, secundum quae vivere et regi et corrigi debent fratres in eodem hospitali constituti.Gautier de Marvis
1250 EichstättDaz ist div regel des spitals des hiligen geistes ze Eystet. (e)in forme vnd ein wise vnd regelHeinrich I/IV.
1263 Troyes latHEC SUNT INSTITUTIONES APPROBATE DOMUS-DEI-COMITIS TRECENSIS. [Bestimmungen mit Kapitelüberschriften] Hec autem constitutiones innovate et abreviate fuerunt legitima collatione facta per Elemosinarium Regis, anno Domini M. Ducentesimo Sexagesimo Tertio, quarto idus junii.
1309 Barth[Invocatio] Dyt is de regula unde orde der broder unde sustere des huszes unde conventes thome hilgen Geeste bynnen Bardt, dede anghesettet ys van erlyken luden, prestern unde leyen. [~Arenga] [Bestimmungen] Item disse vorscreven ghesette unde regule heft confirmeren laten Iohannes Travelemunth, wandages eyn radtman der stad Bardt myt syneme szone Iohannes hyr in disseme husze, eyn begevene man, dorch den werdigen heren in god vader byscop Hermann, van gades gnaden byschop tho Sweryne. Anno domini millesimo trecentesimo nono.Hermann
1485 MünchenAin newe ordenung dem spital des heylligen Geists hie ze Munichen durch Balthazarn Riedler, Ludwigen Pötschner vnd Hannsen Ligsaltz, von innerm rate darczu verordnet, mitsambt den hochmaistern Thoma Rudolff vnd Georgen Riedler gemacht vnd furgenommen an [Bestimmungen] [Actum]
1564 Roma S-SpiritoIncipiunt capitula regule hospitalis sancti Spiritus. [Bestimmungen mit Kapitelüberschriften]
1654 AalborgForordning huorledis hereffter holdis schall med de fattige Christi Lemmer her vdi Hellig Aands Hospital i Aalborg [Bestimmungen] Giffuet vdi Hellig Giesthuus vdi Aalborg den 25 February Aar 1654. [Unterschriften]Erich Jull
1675 AalborgForordning hvor effter de Fattige udi den H. Aands Closter i Aalborg sig hafve udi deris Guds Fryct og Leffnet der inde at forholde. [Unterschrift]Matthias Foss

Und dann gibt es einige Hospitalregeln, die tats?chlich aus beidem zusammengesetzt sind: Walter von Marvisߢ Regel f?r die Genter Leprosen von 1236 sowie die Regeln L?becker Bisch?fe ab 1263 umfassen neben den Bestimmungen blo? mit ?berschrift noch mdash; in Gent am Anfang, in L?beck am Schlu? — je eine kurze vollst?ndig formulierte Bischofsurkunde mit ein paar speziellen Bestimmungen:

8: Hospitalregeln mit Überschrift, denen eine Urkunde angefügt ist
TextÜberschrift und vorhandene UrkundenformelnAussteller
1236 Gent Leprose am AnfangRegula sanorum fratrum ac sororum de domo leprosorum gandensium a tornacensi episcopo con[firmat]aWalterus, Bf v Tournai
1263 Lübeck lat[Invocatio] Hec est regula et ordo servandus fratribus et sororibus domus sancti spiritus in lubeke; dispensacione clericorum et laicorum lubicensium probatissimorum institutus, ad peticionem sancte congregacionis eiusdem. ... [Corr.][Siegel][Actum et confirmatum]Johannes
1263 Lübeck mnd[Invocatio] Dit is de orde vnde leuent der brodere vnde sustere, de se holden scolen in deme hus to lubeke des hilligen geistes, also se utgegeuen sint van wisen papen vnde leyen na eren egenen couentes begheringhe vnde bedeAussteller micht genannt
1294 Lübeckwie 1263 Lübeck latBurchard
1301 KielHaec est regula et ordo observandus fratribus et sororibus domus sancti spiritus in kyl dispensatione clericorum ...itum et laicorum kylensium probatissimorum institutus ad petitionem sancte congregationis eiusdem.Giselbertus
9: Hospitalregeln angefügte Bischofsurkunden
TextInvocatioAusstellerSalutatioArengaNarratioDispositioCorroboratioSiegelDatum
1236 Gent Leprose am Anfang.Walterus, Bf v Tournai[Salutatio]Cum plurimaCum plurime traditiones plurimas faciunt transgressiones, nos uni sententie beati Jacobi inherentes qua dicitur, religio munda & immaculata apud deum & patrem hec est. uisitare pupillos & uiduas in tribulatione eorum. & immaculatum se custodire ab hoc seculo. summam religionis consistere arbitramur in fouendo personas miserabiles humano auxilio destitutas. maxime quas dominus probat in camino paupertatis & in fornace tam contagiose egritudinis. ut merito propter illam mandato legis precipiantur ab aliorum consortio separari.NarratioduximusCorroboratioSiegelActum
1263 Lübeck lat AnhangJohannes, Bf v Lübeck[Salutatio]Cum plurimeCum plurime tradiciones plurimas faciunt transgressiones, Nos vni sentencie beati iacobi inherentes, qua dicitur: Religio munda et immaculata apud deum et patrem hec est, visitare pupillos et uiduas in tribulacione eorum et immaculatum se custodire ab hoc seculo: Summam arbitramur religionis consistere in suscipiendo et fouendo personas miserabiles, humano auxilio destitutas, maxime quas dominus probat in camino paupertatis et in fornace corporalis egritudinis.[Narratio]duximus[Corr.][Siegel]Actum et confirmatum
1263 Lübeck mnd Anhang[ungenannt][Narratio]wille we[Corr.][Siegel]Gedan unde stedet(get)
1294 Lübeck Anhang2Borchardus, Bf v Lübeck[Salutatio
an Leprose
extra muros]
Cum patiencieCum patiencie exhori... et salutis repromissio temporaliter afflictis afflictioni non addant sed minuant. procerto .n. inmarcessibilem mercedem accipient, qui non obstante corporis imbecillitate iugo christi confidencius se astringenti ... ....[Narratio]duximus confirmandasVorbehaltDatum
1301 Kiel AnhangGiselbertus, Bf v Lübeck[Salutatio]Cum plurime ...Cum plurime tradiciones plurimas faciunt transgressiones Nos vni sentencie beati iacobi inherentes qua dicitur, Religio munda et immaculata apud deum et patrem hec est, visitare pupillos et viduas in tribulatione eorum et immaculatum se custodire ab hoc seculo. Summam arbitramur religionis consistere in suscipiendo et fouendo personas miserabiles humano auxilio destitutas maxime quas dominus probat in camino paupertatis et in fornace corporalis egritudinis[Narratio]duximus[Corr.][Siegel]Actum et confirmatum

Ab- und Eingrenzung

Urkunden, die in ihrer Dispositio-Formel oder ߢPlakateߢ, die in ihrer ?berschrift eine der Bezeichnungen ߢregulaߢ, ߢordoߢ, ߢmodus vivendiߢ, ߢstatutaߢ, oder ߢInstitutioߢ bzw ein Verbum wie ordinare, disponere oder die entsprechenden W?rter in einer Volkssp

L?nge und Sprache

Es gibt ebenso sehr fr?h schon sehr lange Texte wie es auch von Anfang an schon volkssprachliche neben lateinischen Texten gibt. ߢߢ

Die meisten Sprachversionen hat die Johanniterregel. Cambrai S. Julien, Gent Lepr und L?beck sind zweisprachig ?berliefert.

In manchen Texten ist bestimmt, da? die Regel in der Volkssprache vorzulesen sei: ߢDesen brief / es sculdech in diedsch telesene deca/pel?n uan den hus of sin uicarisߢ (1236 Gent Leprose mnld) — ߢet ut plene singula capiant in lingua sui idiomatis e

Gebrauch, Verwendung, Bestimmung

In 13 Hospitalregeln finde ich Bestimmungen dar?ber, da? sie in einen bestimmten Rhythmus oder beim Eintritt neuer Mitglieder in die Gemeinschaft vorgelesen werden sollen:

10: Hospitalregeln mit Bestimmungen, daß sie vorzulesen seien
TextVorlesen bei Neueintritten
1220 Ieper LeproseBei Eintritt von Leprosen in das Leprosenhaus
1236 Gent Lepr mnldend der/gelike der penitentien die hier te/uoren ghescreuen sin. Desen brief / es sculdech in diedsch telesene deca/pelán uan den hus of sin uicaris in / de comste éns nieus broders oue / suster béde gandses ende siecs. ende // danne mot hebben delesere
1236 Gent LeproseBei Neuaufnahme und an drei Festen/Jahr
1253 Herentalsquocies fratres et sorores recipiendi...perlegatur
1266 AalstStatuimus insuper ut quotiescumque sorores vel fratres recipiendi sunt, constitutionum istarum series coram eis prelegatur, et ut plene singula capiant in lingua sui idiomatis exponantur ad plenum et hec se quantum in eis est observaturas promittant. ...
1277 sHertogenboschquoties Frater vel Soror recipiendus fuerint
1286 Geelquoties fratres aut sorores fuerint recipiendi, ..
1309 BarthItem wen dar eyn nyge broder ifte suster wyl syck geven in dissen orden unde broderschop, szo schal me deme broder edder suster vorleszen laten disse vorscreven regule, unde schal em vrage, ...
TextVorlesen in bestimmtem Rhythmus
Roma S-Spirito 1316Regula et constitutiones tunc ei legantur (c.66)
1250 EichstättAlle wochen zeminsten ze ainem mal brvder vnd swester svlen komen in daz capitel, ... Vnd da sol man von der regelen zeminsten zwai capitel lesen.
1263 Lübeck mndDesses leuendes bescrevenecheit enes in den mane(de) scal men lesen den broderen unde susteren, er se to der taflen gan.
1263 Troyes latLegatur etiam verbo laycali quater in anno omnibus
1301 KielHec regula et instituta legentur coram fratribus et sororibus semel in mense, [Satztrennung? Zeilenwechsel!] antequam ad mensam accedant [Satztrennung?] quilibet eorum pro benedictione dicat pater noster ...

Weitere Texte sind zum Vorlesen eingerichtet, indem Zwischen?berschriften, Interpunktion eingef?gt sind:

Einrichtung zum Lesen

Interpunktion

Mehrere der original ?berlieferten Hospitalregeln sind, offenbar als Hilfe zum lauten Lesen, mit einem System von Interpunktion ausgezeichnet. Das einfachste sind nur Punkte (Abbeville, Eichst?tt)

Weiter als f?r das ausgehende 12. Jh. gew?hnlich, haben die verschiedenen Schreiber auf der Brugger Urkunde von 1188 die Interpunktion ausgebildet: Die beiden Zeichen ߢ.ߢ und ߢ:ߢ werden konsequent zur Gliederung des Textes in Sin

  1. Bischof, Pal?ographie 1, 438 mit weiterer Literatur.
Zwischen?berschriften

In Brugge 1188 ist der Text nicht fortlaufend sondern als Liste mit ߢItem.ߢ geschrieben. Einige sind mit Kapitel?berschriften versehen (jerus afrz, Eichst?tt: rot, Troyes, roma ss 1564 ), Angers (Hs. von 1490) weist sogar ein zweistufig gegliedertes Inhal

Ein Text enth?lt sogar eine Abschnittseinteilung zum Vorlesen an meheren Tagen.

Gebrauchsspuren

Unterstreichungen, Anstreichungen von Lesern

Archivvermerke, Kollationsvermerke sind nichts Ungew?hnliches.

Ausschm?ckung und Anreicherung

So reich, wie manche Hospitalregel-Handschriften mit Bildern, aber auch zus?tzlichen Texten wie Gebeten, meditativen Texten, angereichert sind, scheint es wahrscheinlich, da? sie nicht nur zum Vorlesen und Zuh?ren, sondern auch zum Be-trachten gemacht wa

Buchschrift Brugge B2, Gent Lepr?, M?nchen B?cher (flie?ender ?bergang: Mappe: Aalst, Cambrai S. Julien, Eichst?tt: Pergament in Mappe aus Saffian): Mechelen, Rom, (Illumination - begleitende Texte)))

Entstehungsgeschichte

Herkunftsgebiete

Unmittelbar f?llt auf, da? sich die Herk?nfte der gefundenen Texte in einigen Gebieten Europas konzentrieren, n?mlich vom n?rdlichen Frankreich bis in die s?d-lichen Niederlande, dann im Hanseraum, w?hrend der Mittelmeerraum, mit dem s?dlichen Frankreich, Italien, Spanien viel weniger vertreten ist, als man, auch nach dem Grad seiner Urbanisierung, annehmen m?chte

Landkarte

Beteiligte Personen

Die Initiative zur Ausstellung einer Urkunde ging in der Regel von demjenigen aus, der f?r einen Besitztitel Sicherheit haben wollte (Empf?nger). Er bat dann einen, dessen gesellschaftliche Stellung solche Sicherheit wahrscheinlich w?rde bieten k?n-nen (Aussteller), um die Ausstellung einer Urkunde, mit einem ganz bestimmten Text. Statt des Empf?ngers oder zus?tzlich zu ihm konnte eventuell noch eine dritte, dem Empf?nger nahestehende Partei um die Ausstellung der Urkunde nachsuchen (Petent). Wenn Empf?nger und Aussteller sich des Einverst?ndnisses weiterer im fraglichen Bereich einflu?reicher Personen mit dem Urkundeninhalt versichern wollten, konnten sie diese als ihre Ratgeber ausgeben.

Aussteller und ߢRatgeberߢ: Das waren Di?zesanbisch?fe (allen voran die von Cambrai), Sch?ffen (von Br?gge, von Gent), ߢVerst?ndige M?nnerߢ

Teils Stadtautorit?ten, geistliche und weltliche, meist aber Bisch?fe waren die Verfasser der ?ltesten Hospitalregeln. Bf ?tienne de N?mours von Noyon, Aussteller der Regel f?r das Hospital der Bischofsstadt von 1217, war ein Vertrauter des frz K?nigs Philipp II. August (1180-1223), sein Vater Walter war K?mmerer dieses K?nigs. Als Philipp August Prinzessin Ingeborg von D?nemark heiraten wollte, war ?tienne einer derjenigen, die sie in D?nemark abholten. Bald danach, als der K?nig sich von ihr zu trennen w?nschte, beschwor ?tienne die Ung?ltigkeit der Ehe wegen zu naher Verwandtschaft. Das P?pstliche Interdikt wegen Bigamie des K?nigs ignorierte ?tienne.

Da? die Adressaten selbst den Text beigebracht h?tten und um Best?tigung ge-beten erw?hnen viele Hospitalregeln, zum Beispiel L?b.dt.: Dit is de orde vnde leuent der brodere vnde sustere, de se holden scolen in deme hus to lubeke des hilligen geistes, also se utgegeuen sint van wisen papen vnde leyen na eren egenen couentes begheringhe vnde bede.

Adressaten: Als Adressaten nennen die Texte h?ufig die betroffene Gemeinschaft bzw. als deren Repr?sentant den Meister oder die Meisterin.

Nicht weniger h?ufig wird die Allgemeinheit als Adressat genannt. Ihr soll durch die Urkunde verk?ndet werden, welche Lebensregel in dem Hospital N. gilt.

Manchmal ist auch der Petent der Adressat.

Petenten: Das konnten die betroffene Gemeinschaft oder der Stifter sein.

11: Personenverzeichnis
KiProv o.ä.SitzAmtPersonBeziehungHosptalregel
--PapstInnozenz III. (1198-1216)AusstellerRoma S-Spirito 1316
--Päpstlicher LegatOdon (1246)AusstellerBeauvais
JohanniterJerusalemCustosRaymond du Puy (1120-1158/60)AusstellerJerusalem
HamburgLübeckBischofJohannes (1263)AusstellerLübeck lat
HamburgLübeckBischofBurchard (1294)AusstellerTravemünde
HamburgSchwerinBischofHermann ()AusstellerBarth 1309
KölnCambrai/KamerijkBischofJean III. de Béthune (1200-1219)AusstellerBruxelles 1211
KölnCambrai/KamerijkBischofGodefroid de Fontaine/de Condé (1219-1237)AusstellerAntwerpen
KölnCambrai/KamerijkBischofGodefroid de Fontaine/de Condé (1219-1237)AusstellerCambrai S-Jean
KölnCambrai/KamerijkBischofGui de Laon (1238-1247)AusstellerLessines 1247
KölnCambrai/KamerijkBischofNicolas de Fontaine/de Condé (1219-1237)AusstellerAalst
KölnCambrai/KamerijkBischofNicolas de Fontaine/de Condé (1219-1237)AusstellerHerentals
KölnCambrai/KamerijkBischofNicolas de Fontaine/de Condé (1219-1237)AusstellerBruxelles S-Gertr
KölnCambrai/KamerijkBischofNicolas de Fontaine/de Condé (1219-1237)Vidimus-AusstellerCambrai S-Jean
KölnCambrai/KamerijkBischofGuillaume d Avesnes (1292-1296)AusstellerGeel
KölnCambrai/KamerijkOffizial- (1304)2. Vidimus-Ausst.Cambrai S-Jean
KölnLiège/LuikBischofJean d Enghien (1274-1281)AusstellersHertogenbosch
ReimsAmiensBischofGeoffroy d Eu (1222-1236)AusstellerAmiens
ReimsAngersBischofGuillaume de Chemillé (-)AusstellerAngers
ReimsBeauvaisArchidiakonGarin (-)AusstellerBeauvais
ReimsBeauvaisDominikaner-SubpriorVincentius (-)AusstellerBeauvais
ReimsNoyonBischofÉtienne de Némours (1217)AusstellerNoyon
ReimsTournai/DoornikBischofGautier de Marvis (1219-1252)AusstellerAardenburg
ReimsTournai/DoornikBischofGautier de Marvis (1219-1252)AusstellerOudenaarde
ReimsTournai/DoornikBischofGautier de Marvis (1219-1252)AusstellerGent Leprose
ReimsTournai/DoornikBischofGautier de Marvis (1219-1252))AusstellerVienne S-Antoine
ReimsTournai/DoornikBischofJean des Près (1342-1349)AusstellerHarelbeke
ReimsTournai/DoornikBischofPhilippe d Arbois (1354-1377)AusstellerIjzendijke
ReimsTournai/DoornikBischofJean de Thoisy (1430)AusstellerKortrijk OLV 1430
RouenLe MansBischofGeoffroi I. (1231-1234)AusstellerCo?ffort
ToulouseRodezBischofPierre (-)AusstellerAubrac
HansestädteBrugge/BrugesStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerBrugge Bg
HansestädteBrugge/BrugesStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerBrugge B2
HansestädteBrugge/BrugesStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerBrugge 1188
HansestädteGent/GandStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerGent Leprose
HansestädteIeper/YpresStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerIeper Leprose 1220
HansestädteLübeck [clerici et laici probatissimi] (-)AusstellerLübeck lat
HansestädteSoestStadtobrigkeitconsules (1292)AusstellerSoest 1292
HansestädteSoestBürger[alle] (1292)AusstellerSoest 1292
Andere StädteBruxelles/BrusselStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerBruxelles S-Nicolai
Andere StädteBruxelles/BrusselBürger[alle] (-)AusstellerBruxelles S-Nicolai
Andere StädteCambrai/KamerijkStadtobrigkeit: prévostR (-)AusstellerCambrai S-Julien
Andere StädteCambrai/KamerijkDomkapitel-DekanAdam (1192-1219)AusstellerCambrai S-Julien
Andere StädteDammeStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerDamme
Andere StädteDammeBürger[alle] (-)AusstellerDamme
Andere StädteHarelbekecapellanusEgidius de Vlaerdslo dictus Smaelkin (-)PetentHarelbeke
Andere StädteLiège/LuikStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerLiège Mont Cornillon
Andere StädteLiège/LuikBürger[alle] (-)AusstellerLiège Mont Cornillon
Andere StädteRodemburgStadtobrigkeitscabini (-)AusstellerAardenburg
Andere StädteSaint-Pol-sur-TernoiseGrafGuido de Castillion (-)AusstellerSaint-Pol

Anla? zur Ausfertigung

Urkunden wurden zur Sicherung eines Besitzes ausgestellt, Hospitalregeln speziell, um die Lebensweise einer Gemeinschaft abzusichern. Eine solche Absicherung wurde f?r n?tig erachtet gegen Ver?nderungen, - die von k?nftigen ver?nderten Einstellungen der Mitglieder dieser Gemeinschaft selbst ausgehen k?nnten (intern) - oder von Institutionen, die etwa, indem sie der Gemeinschaft eine neue Lebensweise vorschrieben, ihre Vorherrschaft w?rden oktroyieren k?nnen (extern).

Nachtr?gliche ?nderungen am Inhalt

Mechelen: 2 H?nde?; gerade an den 3 Gel?bden Ver?nderungen! Eichst?tt: Rubrikator nimmt Streichungen und Einsch?be ?ber der Zeile vor Riga: ?nderungen von derselben Hand

Ihr Textaufbau l??t oft ahnen, da? sie nicht in einem Zuge verfa?t sondern im Laufe der Zeit erg?nzt und ver?ndert wurden. ALBERDINGK-THIJM hat das treffend charakterisiert: ߢMan darf sich nicht dar?ber wundern, da? in diesem Spitale (gleich in meh

?nderung von Textinhalten Brugge 1188: Mehrere H?nde (Bb-Bf) nehmen Einsch?be vor, f?r die der erste Schreiber (Ba) z.T. bewu?t Leerzeilen gelassen zu haben scheint, eine weitere Hand (Bg) nimmt Streichungen und Einsch?be ?ber der Zeile in kursiver Schrift vor. N?heres dazu habe ich in meiner Magisterarbeit ausgef?hrt. L?beck: Teile geschw?rzt

Die Niederschrift einer Regel d?rfte immer einen bestimmten Anla? gehabt haben: vielleicht ein Konflikt, ein Bed?rfnis nach Gewi?heit, der Versuch, eine als unbefriedigend empfundene Wirklichkeit zu ver?ndern?

Die P?pste waren aus Prinzip abgeneigt, ߢneueߢ Regeln zu geben: Bei den Bet-telorden gab es etwas sp?ter deswegen erhebliche Auseinandersetzungen. Gemein-schaften ohne Regel waren aber eo ipso h?resieverd?chtig

TODO: Warum gibt es nur von diesen und nicht von allen existiert habenden Hosp?it?lern eine Regel?

extern: Aus einigen Texten geht hervor, da? sie aus bestimmten Anl?ssen bei einer kirchlichen oder weltlichen Autorit?t vorgelegt worden sind, um alte Rechte best?tigt zu bekommen.

Koh?renz

?berliefert sind von P?psten sp?ter zahllose Best?tigungen der Augustinerregel f?r Hospit?ler, bsd. deutsche, das hat REICKE so verstanden, als h?tten die Hospital-konvente nach dieser Augustinerregel gelebt.

1214-15 schrieben franz?sische Provinzialkonzile, abgehalten zur Vorbereitung des Laterankonzils, Hospitalgemeinschaften vor, beim Eintritt drei Gel?bde abzule-gen, d.h. sich zu einem m?nchs?hnlichen Leben zu verpflichten. Dies dringt in der Folgezeit auch in Texte ein, die es zuvor nicht gekannt hatten (Brugge).

Trotzdem gab es keine Einheitlichkeit der von den Bisch?fen erlassenen Re-geln.

Es handelt sich bei den mittelalterlichen Hospitalregeln also um ein Korpus von Texten, das konstituiert ist durch ?hnlichkeit ihrer Funktionen, ?hnlichkeit ihrer Formen, multiple Analogien (Text?bereinstimmungen) zwischen den Elementen. gewisse lokale und personale Schwerpunkte., ihre Behandlung in der Forschung.

Sie sind aber trotz des Regulierungsbed?rfnisses der kirchlichen Hierarchie durchaus nicht einheitlich in: ihrem Inhalt (sie spiegeln nicht nur einfach alle denselben Geist christlicher N?chstenliebe, dies gegen die ?ltere Forschung:), ihrer Orientierung an ?lteren Hospitalregeln als Vorbildern, den Absichten und Umst?nden, die ihre Entstehung und Einf?hrung be-stimmten, ihrer praktischen Bedeutung f?r das Leben der von ihnen Betroffenen

Inhaltliche Struktur der Hospitalregeln

Themenbereich Aufnahme und Eigentum der Kranken

Themenbereich Speisen der Kranken

Themenbereich Zusammenleben der Br?der und Schwestern

[Themenbereich Stundengebete]

[ThemenbereichFasten/Fleischenthaltung: Ab St. Martin]

Verwandtschaftsbeziehungen anhand gleichlautender Wortfolgen messen

Problemstellung

Im folgenden sind also zuerst einmal die individuellen Eigenschaften der Hospitalregeln genauer als in der bisherigen Forschung aus dem ?berlieferungsbestand zu erheben. Aus diesen Details kann die Entwicklungsgeschichte dieser Textgruppe unabh?ngig von den Annahmen der bisherigen Forschung neu konstruiert wer-den. Damit wird es m?glich, diese wichtige Quellengruppe f?r die Geschichte der mittelalterlichen Hospit?ler auszuwerten.

Da zwischen den Texten viele ?hnlichkeitsbeziehungen bestehen , wird man keinen der Texte charakterisieren k?nnen, ohne sogleich auf andere Bezug nehmen zu m?ssen, von denen man sich aber erst sp?ter ein genaues Bild machen kann . Und es bietet sich auch kein Text als Ansatzpunkt beim Rekonstruieren der Textgruppengeschichte, da man von keinem von vornherein annehmen kann, von ihm sei die Entwicklung der ganzen Gruppe ausgegangen.

Das Problem ?hnelt damit dem, Gleichungen mit mehreren Unbekannten zu l?sen: Das geht auch nicht von einem Ausgangspunkt aus Schritt f?r Schritt. Es geht nur, indem man alles, was an Beziehungen zwischen den unbekannten Gr??en be-kannt ist, in einem Ausdruck zusammenzufa?t. Dann zeigt sich, welche Werte die Unbekannten annehmen m?ssen, um die gegebenen Bedingungen zu erf?llen.

Der wichtigste Schritt zu neuen Erkenntnissen ?ber die mittelaltelichen Hospitalregeln wird daher sein, das Netz von ?hnlichkeiten - oder Verwandtschaften, das sie untereinander verkn?pft, in einem klaren Ausdruck, ?hnlich einem Stamm-baum (Stemma), zusammenzufassen.

Verfahren, um die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Versionen eines Textes aus deren Wortlaut zu erheben und als Stemma abzubilden, wurden in der Computer-Stemmatologie, einem Zweig der philologischen Textkritik, bereits entwik-kelt. Sie m?ssen allerdings abgewandelt werden, um auf die Hospitalregeln, die ja gerade nicht Versionen eines einzigen Textes sind, so da? f?r sie kein Stemma im eigentlichen Sinne gezeichnet werden kann, angewandt werden zu k?nnen.

Strategie

Stammbaum und Kette

Stammb?ume: Die Suche nach dem besten Stammbaum

KARL LACHMANN (1793-1851) hat zuerst eine Methode in das Herausgeben alter Texte eingef?hrt. Wer vor LACHMANN einen alten Text neu herausgeben wollte, hatte die bis dahin allgemein gebr?uchliche Version, die sogenannte ߢvulgataߢ, an etlichen Stellen nach

LACHMANN war Zeitgenosse sowohl der Begr?nder der Indogermanistik als auch der ersten Erforscher der Stammesgeschichte des Pflanzen- und des Tierreichs. Sie lebten um die Mitte des 19. Jahrhunderts und waren alle Romantiker, insofern sie sich dem Vergangenen widmeten, das Verlorene ins Leben zur?ckholen wollten - zugleich aber auch Wissenschafts-Optimisten, indem sie nicht an der M?glichkeit zweifelten, mittels der richtigen Methode das "Unerreichbare" finden zu k?nnen.

W?hrend also Franz BOPP (1791-1867) die Stammverwandtschaft der indogermanischen Sprachen bewies, und andere daraufhin die postulierte UrSprache ߢIndogermanischߢ aus ihren Tochtersprachen zu rekonstruieren begannen, - w?hrend Ernst Heinrich HAECKEL (1834-

LACHMANN gab diese Texte in einer neuen Form heraus, die zus?tzlich zu dem rekonstruierten Urtext in einem Fu?notenapparat zu jeder Stelle diejenigen Lesarten aus den Handschriften bietet, auf denen seine Rekonstruktionsentscheidungen beruhen, soda? sie f?r den Benutzer nachpr?fbar bleiben, au?erdem ein Vorwort, worin ausf?hrlich begr?ndet wird, wie die einzelnen Handschriften als Zeugen des Urtextes eingesch?tzt werden und warum. Dazu ist es n?tig, das gesamte System von Abh?ngigkeiten unter den Handschriften zu kennen, und als Darstellungsform f?r dieses System b?rgerte sich bei LACHMANNs Sch?lern die Stammbaumzeichnung ein. So kam es, da? die Philologen etwa gleichzeitig mit den Biologen und den Sprachwissenschaftlern anfingen, "Stemmatologie" zu treiben. Der Vorzug der aufwendigeren wissenschaftlichen Textausgaben gegen?ber den herk?mmlichen stie? bei Verlegern und Publikum anf?nglich noch auf Unverst?ndnis, doch nicht lange: schon bald begannen, getragen von vaterl?ndischen und mittelaltersehns?chtigen Zeitstimmungen vielerlei Editionsunternehmen auf der Grundlage des neuen Standards, unter ihnen die MONUMENTA GERMANIAE HISTORICA (gegr?ndet 1817). Als LACHMANN 1851 starb, war seine Art, Texte wissenschaftlich herauszugeben, selbstverst?ndlich geworden.

Mit den einzelnen Handschriften besch?ftigten sich also die LACHMANN-Sch?ler wegen des Stemmas und mit dem Stemma wegen des Urtexts. Die einzelnen Handschriften hatten f?r sie einen Wert als Zeugen des Urtextes, nicht als Stationen der Textgeschichte. Die Textgeschichte erforschten sie nicht als Geschichte der Entwicklung des Textes hin zu einer Vielfalt an Versionen, sondern retrospektiv, als eine Vorarbeit zur Rekonstruktion des Urtextes.

Das ?nderte sich erst allm?hlich ein Jahrhundert nach LACHMANNs Tod. Zuerst hatten sich die Editoren haupts?chlich mit den antiken Klassikern befa?t, die im Mittelalter nur selten abgeschrieben worden sind; je mehr sie sich auch wirklich im Mittelalter in Gebrauch gewesenen und entsprechend viel abgeschriebenen Texten besch?ftigten (zum Beispiel Rechtssammlungen), desto mehr bekamen sie es mit komplizierten ?berlieferungsgeschichten zu tun, die auch als solche einer Erforschung wert erschienen. Schlie?lich hat zum Beispiel Dmitrij Sergeevic LIKHACEV, ein Herausgeber russischer mittelalterlicher Geschichtswerke (deren ?berlieferungsgeschichte besonders kompliziert ist), 1962 gefordert, die Fixierung der Textgeschichte auf den Archetypus zugunsten einer umfassenden Textologie aufzugeben, die die Geschichte des Textes in all seinen Versionen durch die Zeit hin betrachtet.

Automatisierung der Stemmatologie

Indem er Kriterien aufgestellt hat, nach denen mechanisch entschieden werden kann, welche von verschiedenen Lesarten auf den Archetypus zur?ckgehen m?ssen, hat LACHMANN selbst bereits eine wesentliche Voraussetzung f?r eine Automatisierung der Stemmatologie geschaffen.

Bereits seit den 1960-er-Jahren wird die elektronische Datenverabeitungstechnik in die Textkritik einbezogen, auch in die Erforschung von Handschriften-Stammb?umen. Da? nun so viel gr??ere Datenmengen verarbeitbar wurden, f?hrte zun?chst manchmal dazu, da? quantitative Argumente ?bersch?tzt und etwa auch zum Beweis von Verwandtschaftsverh?ltnissen eingesetzt wurden.

Ben SALEMANS (Utrecht) hat ?ber die Computer-Stemmatologie mehrere Aufs?tze und zuletzt im Jahre 2000 seine Doktorabhandlung geschrieben. Mi?trauisch gegen eine ?bersch?tzung des Computers, bleibt er bei der Methode LACHMANNs und beh?lt die Schlu?entscheidung dem Urteilsverm?gen des Philologen vor. Aber tats?chlich nur diese einzige, leicht zu kontrollierende und bei Bedarf zu korrigierende Schlu?beurteilung - den Computer programmiert er n?mlich so, da? der die gesamte "Vorarbeit" ?bernimmt und alle in den Textversionen enthaltenen verwandtschaftsrelevanten Daten erfa?t, miteinander kombiniert und in einem einzigen ?bersichtlichen Schaubild, als sogenannte "Kette", anzeigt. Diese Kette ist fast schon ein Stemma: alles was ihr dazu noch fehlt und was der Schlu?entscheidung des Philologen vorbehalten bleibt, ist, sie auf einen Archetyp hin zu "orientieren", also den Ausgangspunkt und damit die Richtung der Entwicklung anzugeben.

Im ersten Schritt l??t SALEMANS eine Liste aller Textgruppen erstellen. Das sind Texte, die sich durch irgend eine gemeinsame Lesart von den anderen unterscheiden. SALEMANS l??t den Computer an jeder Stelle , an der es mehrere Lesarten gibt, die einander entgegenstehenden Textgruppen und ihre Lesarten in einer "Variantenformel" erfassen, nach dem Muster:

Texte abc : Texte defg = Lesung A : Lesung B. Alle diese Textgruppen sind aufgrund ihrer gemeinsamen Abweichung vom Rest an der einen Stelle bereits Elemente des Stammbaums, insofern diese ihre gemeinsame Abweichung vom Rest nur zu erkl?ren ist, wenn diese Texte auf eine gemeinsame Vorlage zur?ckgehen

Wo in der Kette alle diese Textgruppen ihre Pl?tze einnehmen, ergibt sich im zweiten Schritt. Da l??t SALEMANS die Textgruppen nach den darin enthaltenen Texten logisch miteinander verketten. Die Verkettung der Textgruppen kann tats?chlich rein ߢmathemati

Auf diese Weise ist es mittels EDV m?glich, alle ?hnlichkeitsbeziehungen zwischen Texten eines Korpus anhand bestimmter Merkmale zu erfassen, zu einem Ausdruck zusammenzusetzen und ?bersichtlich graphisch darzustellen. Dieser l??t dann die m?glichen Abh?ngigkeitsverh?ltnisse klar erkennen.

Gemeinsame Abweichungen vs. Konkordanzen

Die ?berlieferten Fehler: das klassische Argument f?r Textabh?ngigkeit
Selbst?ndig denkende Schreiber: Die Grenzen der klassischen Methodik
Konkordanzen statt gemeinsamer Abweichungen

Datengrundlage Bei Texten, die eigentlich dazu geschrieben worden sind, einen anderen Text getreu zu ?berliefern, ist Abweichen von der ?brigen ?berlieferung etwas Unerwartetes. Nicht ohne einen besonderen Grund werden zwei oder mehrere Texte an irgendeiner Stelle gemeinsam zu einer anderen Lesart kommen als der Rest der ?berlieferung. Man mu? annehmen, da? beim Abschreiben dieser Texte irgendein besonderer Umstand vorgelegen hat oder da? es ein blo?er Zufall war. Kann man den zufall ausschlie?en, ist die naheliegendste Erkl?rung eine gemeinsame Vorlage. Bei einer Gruppe von Texten, die ihrer Intention nach selbst?ndig sind, wie den Hospitalregeln, ist es aber umgekehrt: wenn sie trotzdem an einzelnen Stellen ?bereinstimmen, ist diese ?bereinstimmung das Erstaunliche. Wo Verschiedenheit zu erwarten war, mu? ?bereinstimmung irgendeinen besonderen Grund haben. Das kann, wenn der Zufall sich ausschlie?en l??t, kaum etwas anderes als die Benutzung einer gemeinsamen Vorlage gewesen sein. Die Datengrundlage f?r klassische Lachmannsche Textkritik sind gemeinsame Abweichungen - die Datengrundlage f?r Verwandtschaftsanalysen an Hospitalregeln und ?hnlichen selbst?ndigen Texten werden Konkordanzen sein. Texte bestehen aus Sinnabschnitten und W?rtern. Dies sind also diejenigen Eigenschaften, deren ?bereinstimmungen man vor allem auswerten sollte, um ?hnlichkeiten zwischen Texten zu messen.

Wortfolgenkonkordanzen Eine Folge von zwei oder mehr aufeinanderfolgenden gleichlautenden W?rtern, die in zwei oder mehreren verschiedenen Texten einmal oder mehrmals auftreten, bezeichne ich im Folgenden als ߢWortfolgenkonkordanzߢ. Ich habe eine Pr

Kapitelfolgenkonkordanzen Ihre Schw?che haben die Wortfolgenkonkordanzen darin, da? sie sich vollst?ndig vom Wortlaut abh?ngig machen und den Inhalt der Texte ignorieren. Wenn zum Beispiel eine lateinische Hospitalregel Kapitel f?r Kapitel in eine Volkssprache ?bersetzt worden ist, liegt ja ohne Zweifel eine enge Verwandschaft vor, obgleich zwischen der lateinischen Vorlage und der ?bersetzung kein einziges Wort ?bereinstimmt - die Abfolge der Sinnabschnitte hingegen g?nzlich. Daher m?ssen die Wortfolgenkonkordanzen als Datengrundlage f?r Verwandtschaftsuntersuchungen eigentlich noch durch andere Daten aus denselben Texten vervollst?ndigt werden. Diese komplement?ren Daten m?ssen gerade Gleichheit in der Disposition der Inhalte erfassen und sollen vom Wortlaut ruhig absehen. W?rter und Wortfolgen kann ein Computer ohne weiteres erkennen und vergleichen; Inhalte und inhaltlich definierte Abschnitte kann er erst erkennen, nachdem man sie von Hand gekennzeichnet hat, am besten durch Textmarken. Und sofern man nur sicherstellt, da? f?r gleiche Inhalte jeweils genau dieselben Textmarkennamen gew?hlt werden, kann man auch die Inhalte sp?ter automatisch vergleichen lassen: Die Liste aller Textmarkennamen eines Textes, in der Reihenfolge des Vorkommens im Text hintereinandergeschrieben, repr?sentiert ja fortan dessen Inhaltsreihenfolge. Sequenzen von Textmarkennamen kann der Computer dann auf genau dieselbe Weise wie Wortfolgen automatisch vergleichen und Konkordanzen festhalten.

Die Ausschaltung des Zufalls

bei gemeinsamen Abweichungen

Ob man also nach der klassischen LACHMANNschen Methode mit gemeinsamen Abweichungen arbeitet oder bei selbst?ndigen Texten mit ?bereinstimmungen: f?r beiderlei Datengrundlagen gilt, da? sie zun?chst nicht frei von zufallsbedingten ߢParallelismenߢ sein wer

Je mehr die eigentliche Arbeit automatisiert wird, desto aufwendiger fallen die Vor?berlegungen aus: Vor dem Computerzeitalter sah sich ein Textkritiker jede einzelne Variante an und entschied, ob sie wichtig oder unwichtig f?r die Rekonstruktion des Stemmas und des Archetypus sei. Bei SALEMANS sind alle diese Einzelentscheidungen der Subjektivit?t des Bearbeiters entzogen, dieser braucht nur noch am Ende die gesamte Kette zu beurteilen und zu "orientieren". F?r Entscheidungen aber, die nun dem Computer ?bertragen werden, mu? zuvor ein Programmierer hundertprozentige Kriterien festgelegt haben.

SALEMANS geht beim Bereinigen seiner Datengrundlage nicht gerade zimperlich zu Werke. Er stellt elf ߢtextgenealogische Prinzipienߢ auf. Sie zu begr?nden, ihnen geradezu Allgemeinverbindlichkeit f?r Textverwandtschaftsuntersuchungen zuzusprechen, macht ?be

In vielen Wissenschaften, treten bei genealogischen Fragestellungen entsprechende Probleme auf, z.B. in der Vergleichenden Sprachwissenschaft, Arch?ologie, Kunstgeschichte und in der biologischen Systematik. In der Biologie haben sich hierbei zwei methodische Richtungen herausgebildet, deren Verschiedenheit darin besteht, was f?r eine Datengrundlage sie zur Erstellung von homologen Systemen verlangen. Die gleichen methodischen Richtungen entstanden, seit die Verarbeitung sehr gro?er Datenmengen m?glich geworden ist, auch in der Philologie . Die eine Richtung, in der Biologie Phenetik genannt, fordert, die Gesamtheit der Merkmalsauspr?gungen der einzelnen Taxa m?glichst vollst?ndig zu erfassen, weil so das getreueste Abbild der wirklichen Abstammungsgeschichte zu erzeugen sei und die Fehler, die durch blo? zuf?llige Analogien verursacht werden, m?glichst gering zu halten seien. Die andere, in der Biologie als Kladistik bekannte Richtung fordert dagegen eine sorgf?ltige Vorauswahl der Merkmale, deren Auspr?gungen bei den einzelnen Taxa zu ber?cksichtigen sind, um die Auswirkung solcher, die "keine genealogische Information enthalten" auf das Gesamtbild mit Sicherheit auszuschlie?en. SALEMANS erkl?rt sich vehement f?r die kladistische Methodik.

SALEMANS geht beim Bereinigen seiner Datengrundlage nicht gerade zimperlich zu Werke. Er stellt elf ߢtextgenealogische Prinzipienߢ auf. Sie zu begr?nden, ihnen geradezu Allgemeinverbindlichkeit f?r Textverwandtschaftsuntersuchungen zuzusprechen, macht ?be

Im einzelnen sind SALEMANSߢ ߢtextgenealogische Prinzipienߢ auf die Hospitalregeln wohl nicht anwendbar. Das Prinzip hinter den Prinzipien ist zwar schon g?ltig: Genealogisch informativ sind Textmerkmale, die in ihrem Kontext eine so gro?e ?berlebenskraft

bei Wort- und Kapitelfolgenkonkordanzen

ߢ?hnlichkeitߢ und ߢVerwandtschaftߢ Viel mehr verspreche ich mir von den statistischen M?glichkeiten, die die elektronische Datenverarbeitungstechnik jetzt bietet. Eigentlich l??t sich zwar mit quantitativen Methoden nur ?hnlichkeit feststellen: ?be

Wahrscheinlichkeit von Verwandtschaft ?hnlichkeit von Texten ist nicht nur daran zu erkennen, da? in ihnen die gleichen Elemente (einerseits W?rter und andererseits Sinnabschnitte) vorkommen, sondern auch daran, da? die Reihenfolge dieser Elemente ?bereinstimmt. Die Wortfolgenkonkordanzen und Kapitelfolgenkonkordanzen sind daher die geignete Datengrundlage, um ein Ma? f?r ?hnlichkeit zu erhalten. Je h?her entweder die Zahl oder die L?nge der zwischen zwei Texten bestehehenden Wort und Kapitelfolgenkonkordanzen ist, desto ?hnlicher sind diese Texte. Bildet man die Summe der L?ngen aller Konkordanzen, hat man Zahl und L?nge in einen Wert zusammengefa?t. Diesen Wert bezeichne ich als "Gesamtkonkordanzenl?nge". In ihm schl?gt sich eine hohe Zahl kurzer Konkordanzen ebenso nieder wie wenige sehr lange. Fa?t man im Sinne der Mengenlehre Texte als Mengen von Elementen (n?mlich 1. W?rter, 2. Sinnabschnitte) auf, so w?re die Gesamtkonkordanzenl?nge die Schnittmenge der verglichenen Texte: Die blo?e Gesamtkonkordanzenl?nge ist jedoch noch kein Ma? f?r Wahrscheinlichkeit von Verwandtschaft, da sie noch von der L?nge der jeweils verglichenen Texte abh?ngt: denkt man sich gleich ?hnliche Gruppen von Texten unterschiedlicher L?nge, so werden die Textgruppen mit den l?ngeren Texten mehr ?bereinstimmungen miteinander aufweisen als die mit den k?rzeren, schon allein weil sie mehr W?rter enthalten. Die Gesamtkonkordanzenl?nge mu? daher zur L?nge der verglichenen Texte ins Verh?ltnis gesetzt (mit den Textl?ngen standardisiert) werden, um eine von Textl?ngen unabh?ngige "Verwandtschaftswahrscheinlichkeit" zu erhalten: Eine solche Definition der Verwandtschaftswahrscheinlichkeit bewirkt, da? ihre Werte stets zwischen 0 und 1 liegen werden, denn sie wird 1, wenn die verglichenen Texte identisch sind und umgekehrt sind die verglichenen Texte identisch, wenn sie 1 ist: , und sie wird 0, wenn die verglichenen Texte ?berhaupt kein gemeinsames Element haben und umgekehrt sind die verglichenen Texte disjunkt, wenn sie 0 ist: . Wenn ein Text B in dem Text A enthalten ist, dann ist die Verwandtschaftswahrscheinlichkeit gleich dem Quotienten aus den Quadratwurzeln der beiden Textl?ngen:

Auswertung

Datenverarbeitungstechnik

Eine Datenbank bietet die besten M?glichkeiten, aus den Texten jede Art von Informationen zu gewinnen, auch solche, die f?r ihre Verwandtschaftsverh?ltnisse relevant sind. Man kann n?mlich mit st?rkeren und schnelleren Abfragewerkzeugen auf den Inhalt einer Datenbank zugreifen als auf einfache Textdateien. Die Daten werden bereits Eine Voraussetzung daf?r ist bereits die strukturierte Art, wie die Daten abgelegt werden: in Feldern und Zeilen: in Zeilen (auch Datens?tze genannt) werden die Werte der verschiedenen Eigenschaften einer Einheit angeordnet, in Feldern Werte derselben Eigenschaft f?r verschiedene Einheiten. Der Zugriff auf jeden beliebigen Wert ist dann ?ber Feldnamen und Kriterien zur Auswahl bestimmter Datens?tze m?glich. Ein "relationales" Datenbankmanagementsystem (DMS) speichert zus?tzlich Regeln f?r Beziehungen zwischen Daten in verschiedenen Feldern und Indizes ?ber ausgew?hlte Felder. Dadurch sch?tzt sie die Integrit?t der Daten gegen?ber Eingabefehlern[#1], und beschleunigt das Suchen.[#2]

Um die Daten auszuwerten, benutzt man genormte Abfragesprachen, allen voran ߢStandard Query Languageߢ (SQL). Man gibt in SQL die Felder an, aus denen man Daten abfragen m?chte und hat ansonsten praktisch unbegrenzte M?glichkeiten, durch Kriterien die Date

Ich habe f?r meine Untersuchung ein relationales DMS benutzt, das mir wie sehr vielen PC-Besitzern als Teil des Microsoft-Office-Softwarepakets nun einmal zur Verf?gung gestanden hat: MS Access (in der Version 97). Es wird zwar landl?ufig nur zur Verwaltung von Kunden- oder Artikeldaten in kleinen und mittelgro?en Unternehmen eingesetzt, hat sich aber, vor allem durch die eingebaute Programmiersprache VBA als an die verschiedensten Erfordernisse der Textuntersuchung (zum Erstaunen auch erfahrener Access-Programmierer) hervorragend anpa?bar erwiesen. Da alle entscheidenden Schritte der Untersuchung aus SQL-Anweisungen bestehen, ist jedoch das ganze Projekt nicht auf MS Access angewiesen sondern ohne Probleme auf andere relationale DMS portierbar.

SALEMANS l??t die Verkettung der Textgruppen ?brigens von einer Software namens PAUP durchf?hren, die in der biologischen Systematik entwickelt worden ist, um die Position von Pflanzen- oder Tierarten in der Entwicklungsgeschichte aufgrund von Auspr?gungen einzelner Merkmale zu bestimmen. Dieses Programm ist leider nicht frei erh?ltlich, die f?r unsere Zwecke wichtigen Funktionen lassen sich aber in VBA gut nachbauen.

Sind die Texte erst einmal in einer Datenbank, kann man sie nicht nur statistisch auswerten, sondern auch sehr komfortabel nach bestimmten Stellen suchen, die man zum Nachweis von Verwandtschaft ben?tigt.

Die Daten sammeln und vorbereiten

Die Texte digitalisieren

Aus Texten, die gedruckt vorliegen, wurden mithilfe eines Scanners und der Texterkennungssoftware FineReader? maschinenlesbare Dokumente hergestellt.[1] Bisher ungedruckte Texte wurden nach Handschriftenfotos oder -Kopien, die die Archive freundlicherweise zur Verf?gung gestellt haben per Tastatur in den Computer eingegeben. F?r den Import in die Datenbank h?tte es gen?gt, die Texte als txt-Dateien zu speichern. Es wurden jedoch auch Word-Dokumente und html-Versionen davon erzeugt, die letzteren stehen im Internet unter www.mittelalter-hospitaeler.de/editionen als html-Dateien zur Verf?gung.

Eine Datenbank mit den Daten der Texte anlegen

Beim Import in eine neue Datenbank habe ich jeden Text in einer eigenen Tabelle gespeichert. Dieser Vorgang w?re automatisierbar gewesen. Alle Tabellen haben die gleiche Struktur: sie bestehen aus drei Spalten.[2]

Eine enth?lt die W?rter des Textes in ihrer originalen Reihenfolge, und zwar immer nur ein Wort pro Zeile, so da? jedes Wort als eigener Datensatz behandelt werden kann. Als Datentyp f?r dieses Feld mu? man ߢTextߢ w?hlen, um in dem Feld suchen und nach de

Eine zweite Spalte vom Typ Integer wird als Auto-Wert-Feld angelegt. In ihr wird bei Einf?gung des Textes zu jedem Wort automatisch eine eindeutige Identifikationsnummer erzeugt, beim ersten Wort mit 1 beginnend und von Wort zu Wort um 1 ansteigend. Die eindeutige Numerierung der W?rter h?lt deren originale Reihenfolge fest,[3] und sie erlaubt es, die Position jedes Worts im Kontext durch Zahlen auszudr?cken. Die L?nge einer ?bereinstimmenden Wortfolge zum Beispiel l??t sich mit Hilfe der Nummern als Differenz aus der Nummer des letzten und ersten Worts bestimmen.

In einer dritten Spalte habe ich im Anschlu? an den Import durch eine besondere Prozedur zu jeden Wort ein Synonym hinzuf?gen lassen, das dieses Wort in vereinheitlichter Schreibweise darstellt. Beim Vergleich werden anstelle der originalen W?rter diese Synonyme verglichen, damit die orthographische Vielfalt der mittelalterlichen Texte das Erkennen gleicher W?rter nicht beeintr?chtigt.[4]

Die w?rtlichen ?bereinstimmungen auswerten

Wortfolgenkonkordanzen finden

Dazu habe ich eine Prozedur geschrieben, die folgende Arbeitsschritte erldigt: Sie ?ffnet der Reihe nach alle m?glichen Paare von Text-Tabellen, um jeden Text einmal mit jedem zu vergleichen.[5] Aus allen diesen Textpaaren bildet sie zun?chst das Kreuzprodukt aus den W?rtern beider Texte),[6] das hei?t sie kombiniert jedes Vorkommen jedes Wortes in dem einen Text (definiert durch die laufende Nummer des Worts) mit jedem in dem anderen Text. Alle jene Wortpaare, deren beide H?lften gleich sind, speichert sie mit den zugeh?rigen Wort-Nummern in einer Hilfstabelle, die, nachdem sie ihren Zweck erf?llt hat. wieder gel?scht wird.

Diese ߢEinzelw?rterkonkordanzenߢ dienen als Datengrundlage bei der Suche nach l?ngeren Folgen ?bereinstimmender W?rter. Von jedem der Paare in der Liste der Einzelw?rterkonkordanzen ausgehend, wird gefragt, ob auch die jeweils darauffolgenden W?rter (also

Man kann in diese Suchprozedur noch eine gewisse Fehlertoleranz einbauen, indem man programmiert: falls eine ?bereinstimmung nur durch ein Paar (einstellbar w?ren auch 2, 3 ? Paare) verschiedener W?rter unterbrochen wird und beim n?chsten Wortpaar weitergeht, soll bei dem ungleichen Wortpaar nicht abgebrochen werden. In der Ergebnistabelle soll es durch Auslassungspunkte kenntlich gemacht werden. Ich habe den Vergleich mit dieser Einstellung durchgef?hrt, um die Gefahr der Verf?lschung des Ergebnisses durch blo? orthographische Abweichungen oder geringe sprachliche Freiheiten noch weiter zu minimieren. Will man die Ergebnisse ohne diese unvollst?ndigen ?bereinstimmungen sehen, ist es sp?ter ein Leichtes, sie auszublenden.[7]

Als Ergebnis der Datenerfassung habe ich eine Tabelle mit 290510 Wortfolgenkonkordanzen erhalten.

Daten der Wortfolgenkonkordanzen normalisieren

Diese Tabelle zeigt jeden Konkordanzfund mit dem Textpaar, in dem er vorkommt, f?r sich an. Das ist noch nicht ganz der Gesamt?berblick ?ber die Beziehungen zwischen Wortfolgen und Texten, den ich brauche, um Textgruppen anhand der Wortfolgen (anstelle der Varianten in Salemansߢ Verfahren) als Kriterium bilden zu k?nnen.

Zu jeder Wortfolge sollen also alle Texte, in denen sie vorkommt, angezeigt werden und zu jedem Text alle Wortfolgen, die er mit andern gemeinsam hat. Durch ein paar Datenumformungen ist das jetzt leicht zu erreichen. Beim Suchen nach Wortfolgenkonkordanzen geich jeden Fund daraufhin zu pr?fen, ob die Wortfolge neu oder schon in anderen Texten gefunden worden ist, h?tte die Such-Prozedur ?berm??ig belastet, das Erkennen von Wortfolgen-Duplikaten ist n?mlich recht aufwendig, m?ssen doch orthographische Varianten auch hierbei ausgeschlossen bleiben.

Deswegen will ich die in der Tabelle ߢWortfolgenkonkordanzenߢ enthaltenen RohDaten ߢnormalisierenߢ, indem ich sie in drei miteinander verkn?pfte Tabellen verteile: In einer sollen nur die wirklich verschiedenen Texte stehen, in einer anderen nur die wirkl

1. Die eindeutige Text-Tabelle habe ich bereits beim Textimport angelegt.

2. Eine eindeutige Wortfolgentabelle erhalte ich mit Hilfe eines ߢINSERT-INTOߢ-SQL-Statements aus der Tabelle mit den Wortfolgenkonkordanzen. Dabei mu? jedoch verhindert werden, da? Duplikate oder orthographische Synonyme von Wortfolgenkonkordanzen in die

3. Nun ist noch aus der Tabelle ߢWortfolgenkonkordanzenߢ eine Tabelle ߢWortfolgenUndTexteߢ zu erstellen, die in einer Spalte Texte und in der anderen die darin vorkommenden Wortfolgen zeigen soll, dazu noch 2 Spalten f?r Anfangs- und Endwortnummer der Wor

Dazu f?ge ich der alten Tabelle zun?chst ein numerisches Feld ߢWortfolge_Nrߢ hinzu, das das Textfeld ߢWortfolgeߢ ersetzen soll. Nun verkn?pfe ich die Felder ߢSynonymߢ in beiden Tabellen miteinander und setze daraufhin alle Werte im Feld ߢWortfolge_Nrߢ in

Danach kann ich aus ߢText1ߢ und ߢText2ߢ der Wortfolgenkonkordanzen-Tabelle durch eine UNION-Abfrage eine einzige Spalte ߢTextߢ bilden[14] und daraus die neue Grundtabelle erstellen,[15] die k?nftig ߢWortfolgenkonkordanzenߢ ersetzen soll. Dies ist eine Tab

Textgruppen finden und ihre Daten normalisieren

Zu jeder Wortfolge in dieser Tabelle ߢWortfolgenUndTexteߢ kann ich nun durch eine ganz einfache Abfrage alle Texte finden, die sie ?berliefern.[16] Das sind die gesuchten Textgruppen. Da sich die Daten nicht mehr ?ndern, kann ich die Textgruppen fest in e

Die Zahl der zugeh?rigen Texte und die Nummern der zugrundeliegenden gemeinsamen Wortfolgen ebenfalls als sortierte Zeichenkette kann ich nun dank der Beziehungen zwischen den Tabellen problemlos feststellen und in zus?tzliche Spalten der Textgruppen-Tabelle eintragen lassen.[18]

Um die Textgruppen nun gleich zu einer Kette zusammensetzen zu k?nnen, mu? zuvor bekannt sein, welche Textgruppen Teilmengen von anderen sind. Das herauszufinden ist wieder etwas aufwendiger, es geht nicht per SQL-Befehl, sondern nur mithilfe einer Prozedur. Die vergleicht jede Textgruppe mit allen anderen, die gr??er sind als sie selbst, und sucht aus diesen alle heraus, in denen s?mtliche Mitglieder der kleineren enthalten sind. Sie legt ihre Ergebnisse (Textgruppe_Nr und Nummer der m?glichen Vater-Textgruppe) in der neuen Tabelle "Textgruppenbeziehungen" ab.

Die gleiche Prozedur habe ich auch auf die Wortfolgen angewendet, um auch von diesen zu wissen, welche k?rzeren m?glicherweise Teilst?cke von l?ngeren sind (wobei nat?rlich die Reihenfolge der W?rter zu ber?cksichtigen war). Datenmodell

Abbildung 1 gibt nun einen ?berblick ?ber alle Tabellen, wie sie als Ergebnis der Normalisierung und Feststellung der internen Beziehungen zwischen Textgruppen und Wortfolgen miteinander verkn?pft sind. Die Zeichen ߢ1ߢ und ߢ8ߢ an den Enden der Beziehungsl

Verwandtschaftswahrscheinlichkeiten berechnen

Die Verwandtschaftswahrscheinlichkeit und noch einige zus?tzliche Kenndaten zu ihr erhalte ich nun sehr leicht durch Abfragen, die die Beziehungen zwischen den Tabellen nutzen, um pro Textgruppe die Daten der zugeh?rigen Wortfolgen[19] und der zugeh?rigen Texte[20] auszuwerten und beides zusammenf?gen.[21]

Es ergeben sich f?r die Verwandtschaftswahrscheinlichkeit Werte von 0,964 bis 0,00286. Die Gesamtkonkordanzenl?nge schwankt zwischen 6743 und 2. Die Anzahl Wortfolgenkonkordanzen liegt zwischen 594 und 1. Die gr?sste Wortfolgenkonkordanzl?nge reicht von 485 bis 2, die kleinste von 47 bis 2 und die mittlere von 102,231 bis 2.

Die Textgruppe mit der gr??ten Gesamkonkordanzenl?nge hat auch die meisten Wortfolgenkonkordanzen sowie insgesamt die h?chste Verwandtschaftswahrscheinlichkeit: Roma S. Spirito 1316?Roma S. Spirito 1564. Die Textguppe mit der l?ngsten Wortfolgenkonkordanz hat auch die h?chste mittlere Wortfolgenkonkordanzl?nge: Bruxelles 1211?Bruxelles 1223.

Ketten verwandter Texte erstellen

Damit ist alles vorbereitet f?r die Rekonstruktion der Verwandtschafts-Ketten Ich beginne mit den kleinsten Textgruppen und beziehe nach und nach immer gr??ere ein. Komme ich zu einer Textgruppe, die ganz neu ist, lasse ich sie unten hinzuf?gen; steht eines ihrer Elemente bereits in der Liste, f?ge ich diese Gruppe nicht unten an, sondern verbinde das oder die noch nicht vorhandenen Elemente direkt mit dem schon vorhandenen. Soweit folge ich der Vorgehensweise SALEMANSߢ.

Anders als er, bewerte ich aber die Textgruppen nach ihrer Verwandtschaftswahrscheinlichkeit. Die Liste, aus der ich die Textgruppen an die Kette anf?ge, habe ich au?er nach zunehmender Gruppengr??e auch nach abnehmender Verwandtschaftswahrscheinlichkeit sortieren lassen.

Das Zusammenf?gen der Kette w?re sicher auch v?llig automatisierbar, da es sich bei mir aber nur um 55 Texte handelt, mache ich es ߢhalbautomatischߢ.

Alle 55 Texte lassen sich aus Zweier-Textgruppen einf?gen;[22] gr??ere Textgruppen brauche ich also gar nicht zu ber?cksichtigen. Um jeden Text entsprechend seiner gr??ten Verwandtschaftswahrscheinlichkeit nur einmal an die Kette anzuf?gen, lasse ich mir also eine nach fallender Verwandtschaftswahrscheinlichkeit sortierte Liste der Zweier-Textgruppen anzeigen, in der jeder Text nur einmal vorkommt und zu jedem Text nur die Textgruppe mit der h?chsten Verwandtschaftswahrscheinlichkeit angezeigt wird. In dieser Liste lasse ich Textgruppen, die v?llig neu sind, an ihrem Platz stehen, aber Textgruppen, von denen ein Element bereits weiter oben vorgekommen ist, verschiebe ich unter die Textgruppe, zu denen sie geh?ren und r?cke sie dort um einen Tabulatorschritt ein.

Das f?hrt nicht zu einer zusammenh?ngenden Kette, sondern zu 8 Teilketten.

?bereinstimmungen in der Inhaltsreihenfolge auswerten

Dieser prinzipiell wichtige Arbeitsschritt ist vorerst hintangestellt. Verschiedensprachige Texte habe ich zun?chst noch nicht in den Vergleich einbezogen, und die Struktur der Beziehungen zwischen den lateinischen hat sich auf Grundlage der Wortfolgenkonkordanzen bereits so gut aufkl?ren lassen, da? es gen?gt, im folgenden an einigen wenigen "neuralgischen" Stellen, an die die Ergebnisse der Wortfolgenkonkordanz-Untersuchung hinf?hren, auch nach der Inhaltsreihenfolge zu sehen, um die Entstehungsgeschichte dieser Texte aufzukl?ren. Daf?r ist keine Untersuchung der Kapitelfolgenkonkordanzen aller Texte n?tig. Die Einbeziehung auch der volkssprachlichen Hospitalregeltexte ist demn?chst geplant.

Ergebnisse

Die Ketten

Die meisten Texte (37 von 55) haben sich als Glieder von Ketten erwiesen, die jedenfalls im jeweiligen Zentrum sehr stark zusammenh?ngen. Querverbindungen zwischen Ketten gibt es erst unterhalb einer Verwandtschaftswahrscheinlichkeits-Schwelle von ca. 3. Die beiden Ausnahmen von dieser Regel sind Br?ssel 1211?Herentals und Br?gge Bߢ?Kiel mit Verwandtschaftswahrscheinlichkeiten von 68 bzw. 43.

Die Auffassung, da? alle Hospitalregeln auf einen gemeinsamen Ursprung zur?ckgehen, kann nach dieser Erkenntnis nicht mehr bestehen bleiben. Stattdessen scheinen gewisse Gruppen von Hospitaregeln je f?r sich einen gemeinsamen Ursprung haben.

Einige Texte h?ngen nur lose mit den ?brigen zusammen. Ihre n?chsten Verwandten sind vielleicht nur nicht mehr vorhanden oder noch nicht aufgefunden. Ich habe sie vorl?ufig als ߢPseudo-Ketteߢ zusammengestellt.

Die Zahlen zwischen den Regelnamen in den folgenden Schaubildern und die in Klammern im Text geben die Verwandtschaftswahrscheinlichkeit an.

Kette 1: Johanniterregel und Heilig-Geist-Regel: In dieser Gruppe befindet sich zwar mit einem Wert von 96 die gr??te Verwandtschaftswahrscheinlichkeit, die ?berhaupt gefunden werden konnte; das ?berrascht allerdings nicht, denn da? Roma S. Spirito 1316 die Vorlage f?r Roma S. Spirito 1564 gewesen ist, stand nie in Frage. Wirklich bemerkenswert ist hingegen, da? die beiden anderen Texte in dieser Gruppe, die Johanniterregel und Aubrac, weit schw?cher mit den ?brigen Kettengliedern verwandt sind. LE GRANDs Auffassung, da? die Johanniterregel die Vorlage aller europ?ischen Hospitalregeln gewesen sei, ist nach diesem Befund darauf zu reduzieren, da? sie es in gewissem Ma? f?r die Regel des r?mischen Heilig-Geist-Hospitals gewesen ist, und f?r sonst keine.

Kette 2: Die Regeln aus Br?ssel und Brabant: Die zweitengste Verwandtschaft nach der zwischen den beiden r?mischen Texten ist die zwischen den beiden Versionen der Regel des Br?sseler St.-Johannes-Hospitals. Auch das ?berrascht nicht; es best?tigt h?chstens, da? die angewendete Me?technik zuverl?ssig arbeitet. Fast genauso eng ist die Verwandtschaft zwischen den Regeln von Antwerpen O.L.V. und Herentals. Herentals ist der n?chste Verwandte von Enghien und von Geel. Geel wiederum ist der engste Verwandte von sߢ Hertogenbosch. Antwerpen dagegen der engste des Hospitals St. Gertrud in Br?ssel, das seinerseits der engste Verwandte von Aalst O.L.V. ist. Alle diese Regeln sind auch mit den beiden Versionen von Br?ssel St. Johannes verwandt, aber f?r keinen von ihnen ist einer dieser Br?sseler Texte der n?chste Verwandte. Am ehesten f?r Herentals: es ist an den ?lteren Br?sseler Text mit 68 Punkten gebunden, nur 10 Punkte schw?cher als die Bindung an Antwerpen. Auf die "starken Querverbindungen" komme ich sp?ter noch zur?ck.

Kette 3: Die Regeln aus Br?gge und L?beck und anderen Hansest?dten: Auch hier liegen wieder zwei Teilketten mit einer ziemlich starken Querverbindung vor. Kernbereich der ?lteren Teilkette sind Brugge?1188 und die Bearbeitungen dieses Textes durch mehrere H?nde bis hin zu Brugge?Bg., zwei Textstufen, deren Verwandtschaft meine Untersuchungstechnik mit 73 beziffert., Brugge?Bߢ (64) und schlie?lich Gent?1196 (28) hinzu. der j?ngeren L?beck?1263?Kiel (74)., Sp?ter sto?en L?beck?1294 (69)Die Querverbindung Brugge?Bߢ?Kiel (43) ist sogar st?rker als die ketteninterne Verbindung von Brugge?Bߢ zu Gent; nur ist nur f?r keine der beiden st?rkste Verwandtschaftswahrscheinlichkeit, Gents n?chster Verwandter ist eben Brugge?Bߢ. Bis herunter zum Wahrscheinlichkeitswert 3 liegen alle Verwandtschaftsbeziehungen dieser Texte innerhalb der beiden Ketten, darunter kommen dann auch Verbindungen zu Kette 6 (Gautier de Marvis, s.u.) vor.

Kette 4: Die Regeln aus Bischofsst?dten der Picardie: Unter diesen Texte aus einigen Bischofsst?dten in Nordfrankreich besteht die st?rkste Verwandtschaftswahrscheinlichkeit zwischen Beauvais und Noyon. Es folgt der Text aus Amiens und dann als Br?ckenglied zu anderen Ketten der von Abbeville. Praeceptum ist ein Teil der Augustinerregel, ich habe ihn in den Vergleich einbezogen, weil die Vorbildfunktion dieser Regel f?r die Hospit?ler so oft betont worden ist. Er hat seine meisten ?bereinstimmungen mit Abbeville.

Kette 5: Die Regeln aus Cambrai und Lessines

Kette 6: Regeln von Gautier de Marvis, Bf. v. Tournai

Kette 7: Regeln aus Frankreich

(Pseudo-)Kette 8: Lose verbundene Texte

Beziehungen zwischen den Ketten

Starke Querverbindungen

Es gibt zwei Ausnahmen von der Regel: Nur diese beiden Querverbindungen zwischen Ketten haben wirklich gro?e Verwandtschaftswahrscheinlichkeiten:

Die Teilketten Br?ssel 1211-1223 und Herentals-Antwerpen-Br?ssel St. Gertrud-Aalst-Geel-Enghien-sߢHertogenbosch m?chte man aufgrund der Verbindung zwischen Herentals und Br?ssel 1211 (Verwandtschaftswahrscheinlichkeit 68) als eine einzige Kette auffassen; zumal sie auch in demselben geographischen Raum beheimatet sind.

Brugge/Gent und L?beck/Kiel sind im Vergleich mit der Br?ssel-Brabanter Kette, trotz der immer noch hohen Verwandtschaftswahrscheinlichkeit zwischen Brugge Bߢ und Kiel von 43, zwei deutlicher verschiedene Teile einer Gruppe. Auch geographisch sind sie ja deutlich voneinander geschieden.

Br?ckenglied-Texte

Von diesen beiden abgesehen, bestehen die relativ st?rksten Querverbindungen zwischen Texten, die an ihre eigene Kette mit relativ geringer Wahrscheinlichkeit angeschlossen sind. Diese ߢBr?ckentexteߢ sind offenbar in ihrem jeweiligen Kontext besonders alt

Ketten?bergreifende Wortfolgenkonkordanzen

Mit wenig ߢHandarbeitߢ ? Um ketten?bergreifende Wortfolgenkonkordanzen zu finden, habe ich die Tabellen ߢTextgruppenߢ und ߢWortfolgenߢ nach Textgruppen abgefragt, die sowohl einen Text aus einer als auch einen aus einer anderen Textgruppe enthalten, also

Themenbereich Stundengebete ߢpro qualibet ? horarumߢ ist gemeinsamer Bestandteil der Br?ssel-Brabanter Kette (ohne Aalst) mit Br?gge Bߢ-Gent und Kiel-L?beck. Auff?llig ist, da? die ?lteste Br?gger Fassung ߢloco cuiuslibet horeߢ geschrieben hatte und de

Themenbereich Fasten/Fleischenthaltung: Ab St. Martin: ߢusque ad festum ? Martiniߢ ist nur der Br?gge-Genter Teilkette und der Br?ssel-Brabanter Doppelkette gemeinsam; es kommt nicht in Kiel-L?beck vor.

Themenbereich Aufnahme und Eigentum der Kranken: ߢsub stola, res suasߢ und ߢsub testimonio ? magistroߢ verbinden die Br?ssel-Brabanter Kette mit der zweiten Fassung aus Br?gge (Bߢ) sowie Gent und der Kiel-L?becker Teilkette. ߢInfirmus ? recipiaturߢ

Themenbereich Speisen der Kranken: Die Wortfolgenkonkordanzen zu diesem Thema verbinden alle die Picardie-Texte und Rom-Jerusalem mit Cambrai-Lessines: ߢEt quicquid in ejus desiderium venerit si tamenߢ und ߢquod non sit ei contrarium secundum po

Themenbereich Zusammenleben der Br?der und Schwestern Thema Ausgang ߢNullus fratrum ? sororum extra domum suamߢ und die ?hnliche Wortfolge ߢNullus fratrum vel sororum ? domumߢ verbinden die Ketten Br?ssel/Brabant und Cambrai S. Jean/Cambrai

Nicht signifikante ketten?bergreifende Wortfolgenkonkordanzen ߢPro ? autem furtoߢ und ߢjejunio unius ? in pane et aqua punieturߢ scheinen die Br?ssel-Brabanter Kette mit bestimmten Gliedern der Br?gge-Gent-Kiel-L?becker Doppelkette zu verbinden, n?

Die Beziehungen zwischen den Ketten

Bestimmungen ?ber die Speisung der Kranken verbinden die Hospitalregeltexte aus der Picardie mit denen aus Cambrai/Lessines. Zum Teil beziehen sie auch Paris, Troyes, Jerusalem und Rom ein. Diese Verbindungen d?rften den Anla? dazu gegeben haben, die Jerusalemer Regel als Vorbild aller anderen hinzustellen.

Bestimmungen ?ber Aufnahme und den Verbleib des Eigentums der Kranken sowie diejenigen ?ber Kleidung, Ausgang und getrennte R?ume verbinden die Br?ssel/Brabanter Kette mit Cambrai/Lessines. Sie stehen in Cambrai S. Jean vor denjenigen, die mit den Picardie-Texten zusammenh?ngen.

Einige Bestimmungen ?ber das Stundengebet und ?ber Strafen verbinden die Br?ssel/Brabanter Kette mit mehr oder weniger gro?en Teilen der Br?gge/L?becker

Andere Strafbestimmungen verbinden Abbeville nur mit den Br?gger Texten ohne ihre Genter und L?becker Verwandten.

Jerusalem und Rom geh?ren mithin am ehesten zur Verwandt-schaft der Picardie-Gruppe. Br?ssel/Brabant hat wie die Picardie-Gruppe Verbindungen zu Cambrai/Lessines. Direkte Verbindungen zur Picardie hat Br?ssel/Brabant nicht. Dagegen hat es direkte Ver-bindungen zu den j?ngeren Texten der Br?gge/Gent-Gruppe sowie der L?beck-Kiel-Gruppe.

Es ergibt sich ein klares Bild:

1. Alle ketten?bergreifenden Wortfolgenkonkordanzen verbinden - entweder die Picardie-Texte mit Cambrai-Lessines - oder Cambrai-Lessines mit Br?ssel-Brabant - oder Br?ssel-Brabant mit Br?gge-L?beck. Direkte Verbindungen zwischen Br?ssel-Brabant und den Picardie-Texten fehlen; ebenso wie direkte Verbindungen zwischen Br?gge-L?beck und den Picardie-Texten. 2. Wortfolgenkonkordanzen zwischen denselben Ketten handeln auch von denselben Themen. Diese Themen sind: (folgt Kapitel Traditionstr?nge)

Verwandtschaften zwischen Gliedern unterschiedlicher Ketten haben nur sehr geringe Wahrscheinlichkeiten (= 1,8: Abbeville-sߢHertogenbosch). Das st?tzt die Ergebnisse der Kettenbildung.

Altersverh?ltnisse

Jerusalem-Br?ssel ?lter als die j?ngere, aber j?nger als die ?ltere Schicht in Br?gge-Gent

Der Schl?ssel zur Bestimmung des Altersverh?ltnisses zwischen der Jerusa-lem-Br?sseler und der Br?gge-Genter Tradition zum Thema Aufnahme der Kranken liegt darin, da? Br?gge Bߢ und Gent sie beide in nacheinander niedergeschriebenen Textschichten aufweisen die durch die Br?gger und die Genter Originalurkunde klar datiert werden k?nnen.

Die urspr?ngliche Br?gger Tradition ߢItem Siquis peregrinus vel errans ?ߢ, die bereits in der Urkunde von 1188 steht ist also ?lter als ߢQuicumque igitur infirmus domum ingressus fuerit primum Deo per confessionem ?ߢ, die Jerusalem-Br?sseler Tradition

W?re die Jerusalem-Br?sseler Tradition dem Verfasser von B im Januar 1188 bereits bekannt gewesen, so w?re schwer zu erkl?ren, warum er sie nicht verwendet. haben sollte. Da? 1188 in Br?gge noch keine Kranken gepflegt worden w?ren und es deswegen keinen Grund gegeben h?tte, die Bestimmung aus Jerusalem-Br?ssel ?ber sie einzuf?gen, kann nicht sein: man hatte ja eine Bestimmung ?ber die Speisung der "Pauperes et inbecilles lecto accumbentes", nur eben nicht die aus Jerusalem-Br?ssel. Da? die Jerusalem-Br?sseler Tradition 1188 schon bestanden h?tte, aber in Br?gge noch nicht bekannt gewesen w?re, ist bei der zentralen Verkehrslage und dem ?beraus regen Reiseverkehr dieser Stadt ebenfalls sehr schwer vorstellbar.

Beim Thema Stundengebet haben wir gesehen, wie der Bearbeiter Bg eine alte Br?gger Formulierung unterpungiert und ?ber der Zeile durch diejenige aus Br?ssel ersetzt hat; also d?rfte auch beim Themenbereich Kranke Br?sseler Einflu? die ?nderungen und Hinzuf?gungen in Br?gge bewirkt haben und nicht die Br?sseler Tradition auf Br?gge-Gent zur?ckgehen.

Die Anf?gung zum Verbleib der G?ter eines Eintretenden konnten Br?gge-Gent nur aus Br?ssel, nicht aus Jerusalem ?bernehmen. Jerusalem kann deshalb f?r Br?gge h?chstens indirekt ?ber Br?sseler Vermittlung ein Vorbild gewesen sein.

Jerusalemer Tradition ?lter als Br?ssel-Brabanter

Jerusalem mit der vollst?ndigen Sakramentenspendung kann im ?brigen eher Vorlage f?r Br?ssel-Brabant gewesen sein, das die Kommunion weggelassen und Eigentumsbestimmungen daran gekn?pft h?tte, als da? umgekehrt Jerusalem die Eigentumsbestimmungen weggelassen und die Kommunion zur Beichte hinzugef?gt h?tte - das sollte aber noch durch weitere Belege gest?tzt werden.

Br?gge und Gent

Vergleicht man, was die Br?gger und was die Genter ?bernahme mit der Br?sseler Vorlage gemacht haben, setzt die erstere bereits einen eigenen Hospital-Pfarrer voraus, der den Kranken im Hospital die Beichte abnimmt, w?hrend das in Gent noch einem der ?rtlichen Pfarrer vorbehalten ist. Leider haben wir vor 1200 noch keine anderen Quellen dar?ber, wann das Br?gger St.-Janshospitaal eine eigene Pfarrei geworden ist.

Cambrai-Lessines unbeeinflu?t von Jerusalem-Br?ssel

Eine Beeinflussung durch Jerusalem-Br?ssel wie in Br?gge hat es in Cambrai-Lessines ?berhaupt nicht gegeben. Noch 1247 ?bernimmt Lessines die Formulierung Cambrais, in der nichts von Beichte oder Kommunion beim Eintritt eines Kranken und auch nichts vom Verbleib seines Eigentums gesagt ist.

Cambrai-Lessines und die ?ltere Schicht von Br?gge-Gent gleich altCambrai-Lessines und die ?ltere Schicht von Br?gge-Gent gleich alt

Cambrai ist durchaus erkl?rbar als eine religi?se Parallelle zu der ?ltesten Schicht Br?gges. Im Vergleich zu Br?gge beschr?nkt sich Cambrai auf Aufnehmen, Speisen und Pflegen von Kranken, Reisende kommen nicht vor, und es ist begibt sich bei der Formulierung dieses Gebots in die N?he der Benediktinerregel: "Omnes supervenientes hospites tanquam Christus suscipiantur". Die Kranken sind mithin die Herren des Hauses. Keine Rede ist aber davon, da? die Kranken bei ihrer Aufnahme Sakramente empfangen w?rden. Die Einschr?nkungen der freien Spei-senwahl auf Schwerkranke, wie in Br?gges ?ltester Schicht, gibt es in Cambrai-Lessines auch nicht, und am Ende ist noch eine allgemeine Bestimmung ?ber sorgf?l-tiges Beh?ten ("custodia") der Kranken hinzugef?gt, die es wiederum in Br?gge nicht gibt. Erkl?rbar sind diese Unterschiede eventuell auch durch eine andere Klientel, aber die Tendenz zum Religi?sen allein h?tte auch schon gen?gt, die Kranken und deren Pflege in den Mittelpunkt zu stellen, ist das doch ein Werk der Barmherzigkeit und eventuell auch bereits eine asketische ?bung, Reisende zu beherbergen dagegen nicht.

Cambrai Vorbild f?r j?ngere Schicht Br?gges

Der Br?gger Bearbeiter Bg, der in die ?ltere Br?gger Formulierung ߢSiquis peregrinus [?] hospitium a domo requisierit recipietur una nocte tantumߢ vor ߢrecipieturߢ das Wort ߢcaritativeߢ ?ber der Zeile eingef?gt hat, Cambrai als Vorbild gehabt haben.

Ergebnis

Zusammenhang mit St?dtebildung und Religi?ser Bewegung um 1200

Schwerpunkt der St?dtebildung um 1200

?ber die H?fen in Flandern setzte seit dem 11. Jahrhundert ein stark zunehmender Warenhandel zwischen England, dem Rheingebiet (durch das zun?chst fast ?de Brabant) und dem n?rdlichen Frankreich (der Picardie und dem Artois, vor allem aber der durch ihre von Italienern, Deutschen und S?dfranzosen besuchten Messen bedeutenden Champagne) ein.

Gro?e Wolleinfuhren aus England erm?glichten in Flandern seit etwa 1100 zudem, da? ein arbeitsteiliges, exportorientiertes Textilgewerbe entstehen und sich schnell entfalten konnte, als dessen Folge die St?dte, wo die Fernh?ndler und Textilhandwerker wohnten, enorm an Einwohnerschaft wie auch an Reichtum zunahmen

Die Grafen von Flandern, durch ihre rechts und links der Schelde, des Grenzflusses, liegenden L?nder zum Kaiserreich und auch zum franz?sischen Lehnsverband geh?rend, bem?hten sich mit den Grafen von Champagne, die entstehenden Handelsbeziehungen zu sichern und zu f?rdern. Sie erlangten im 12. Jahrhundert sogar eine Schl?sselstellung im franz?sischen Lehnsverband und konnten ihren Machtbereich in die Picardie und das Artois hinein ausdehnen.

Um die Wende zum 13. Jahrhundert gelang es jedoch dem franz?sischen K?nig Philipp Auguste (1180-1223), erst die vormals englischen Gebiete West- und Nordfrankreichs und dann auch die Grafschaft Flandern zu unterwerfen (Schlacht bei Bouvines 1214).;

Etwa zeitgleich begannen Kaufleute aus den bisher von Flamen besuchten L?ndern, selbst nach Br?gge zu fahren.

Religi?se Bewegung

Ebenfalls im 12. Jh. entstand in Nordfrankreich, S?dfrankreich und der Lombardei eine ߢReligi?se Bewegungߢ: Laien kritisierten den Lebenswandel von Klerikern und strebten selbst ein christlicheres Leben an, ohne in einen der vorhandenen Orden einzutreten.

((Notwendigkeit neuer Hospit?ler))

Im fr?hen Mittelalter war die Beherbergung von Fremden und die Pflege von Kranken eine Aufgabe, die innerhalb der Hausgemeinschaften wahrgenommen wurde Allein Kl?ster und die seit der Karolingerzeit an den Bischofskirchen gebildeten Stifter erf?llten einen Teil dieser f?r die Gesellschaft wesentlichen Funktionen in institutionalisierter Form: Die Lebensweise dieser Gemeinschaften war n?mlich durch "Regeln" normiert, die in den Kl?stern von der Regula Benedicti und die der Stifter von der Regula Augustini. Beide Texte ermahnen zur Aus?bung der Gastfreundschaft

Und zu dem, was die zur Konkretisierung der Regeln erlassenen Consuetudines ihnen mit dem Ziel auferlegten, da? sie die Lebensweise Jesu nachahmten, geh?rte, da? ihre ?bte in der Liturgie am Gr?ndonnerstag dreizehn Armen die F??e waschen; nach dem im Neuen Testament erz?hlten Vorbild Jesu . Daraus ergab sich, da? Kl?ster und Stifter Nebengeb?ude hatten, in denen sie eine gewisse, h?ufig symbolische Zahl wie zw?lf, von Armen, Fremden und/oder Kranken ganzj?hrig versorgten und denen die Bezeichnung "hospitale" (lat. hospes, "Gast") gegeben wurde

Ihnen wurde je nach Gr??e eine Anzahl Klosterbr?der als Pflegepersonal zugewiesen. . In einigen dieser Hospit?ler, wohl solchen, die besonders professionell arbeiteten, erstrebte und erlangte die mit der Pflege betraute Personengruppe mit der Zeit eine gewisse Unabh?ngigkeit von dem Kloster beziehungsweise Stift.

Je mehr Menschen seit dem 11./12. Jahrhundert die zu dieser Zeit neu entstehenden St?dte bev?lkerten, desto geringer mu?te der Beitrag der auf dem flachen Lande gelegenen Kl?ster zur Versorgung der Reisenden und Kranken ausfallen. Zumal gerade die St?dte Zentren des Fernhandels wurden, der zu reisen n?tigte. Und zumal die Gr??e der Hausfamilien sowie ihre M?glichkeiten, krank gewordene Angeh?rige daheim selbst zu pflegen, in den sich immer dichter dr?ngenden H?usern und den sich immer weiter differenzierenden Gesellschaften in St?dten schon bald geringer geworden war als auf den gro?en Dom?nenh?fen der fr?hmittalterlichen Zeit

((?Kommunalisierung?" alter Hospit?ler und neue kommunale Hospit?ler))

?berall wo neue St?dte sich bei Bischofssitzen entwickelten, standen also theoretisch Hospit?ler, unterhalten von Domstiftern, zur Aufnahme von Reisenden und Kranken zur Verf?gung (wenngleich die Frage, in welchem Ma? diese Stiftspit?ler wirklich diesem sozialen Bed?rfnis gen?gten, vorerst mangels Quellen noch unbeantwortbar ist)

Je weiter die Stadtbewohner sich dann von den bisch?flichen Stadtherren emanzipierten, indem sie sich miteinander zu ߢKommunenߢ verschworen sich ߢB?rgerߢ nannten und sich ߢB?rgermeisterߢ w?hlten, desto st?rker wurde auch ihr Bestreben, die Hospit?ler in k

Die rasant aufstrebenden flandrischen Handels- und Textilgewerbest?dte waren nie Bischofssitze gewesen. Hier gab es nur das Bistum Cambrai (das gerade noch zum Kaiserreich geh?rte, denn die Stadt Cambrai liegt am Ostufer des Grenzflusses Schelde): es erstreckte sich ?ber ganz Brabant bis an die Grenze des Bistums Utrecht im Norden. w?hrend Flandern westlich der Schelde zun?chst dem Bischof von Noyon in der Picardie unterstand, bis Tournai 1146 Sitz eines eigenen Bischofs f?r dieses Gebiet wurde.

Original auf uns gekommene, von den Sch?ffen der Stadt verk?ndete Hospitalregeln von 1188 beziehungsweise 1196 bezeugen nun, neben arch?ologischen Befunden , da? es zu dieser Zeit in Br?gge und in Gent bedeutende Hospit?ler gab, deren Ursprung jedoch im Dunkeln liegt: aus domstiftischen Vorg?ngerinstitutionen k?nnen sie jedenfalls nicht entstanden sein.

Man ist ein bi?chen versucht, an die unbekannten Hospit?ler von sogenannten ߢnegotiatores dolosi et caupones astutiߢ zu denken, gegen die Jacques de Vitry 1222/1225 so heftig polemisiert hat, um andere, seiner Meinung nach wahre Hospit?ler in umso hellere

Immerhin bekamen die Hospit?ler in jenen flandrischen St?dten von den Sch?ffenkollegien dieser St?dte bereits vor 1200 Regeln des Zusammenlebens, und diese Texte sind gl?cklicherweise als Originalurkunden erhaltem geblieben. Sie ordnen sich als Hospitalregeln ein in eine ganze Gruppe von aus dem Mittelalter ?berlieferten Texten, in denen Hospitalbr?dern und -schwestern, zum Teil auch den Insassen, Lebensregeln gegeben werden, eine ebenso vielgestaltige wie von stets wiederkehrenden gemeinsamen Elementen gepr?gte Textgruppe. Es sind programmatische, meist recht konkrete Aussagen von zust?ndigen Autorit?ten welche Lebensformen, Gebote, Verbote und Sanktionen in ihnen unterstellten Hospit?lern verwirklicht werden sollten; - zugleich als Regeln eine Art Versicherung f?r die, die sich auf sie verpflichtet hatten, da? ihre Lebensf?hrung Verdienst f?r das Leben nach dem Tod einbringt. Sie erlauben direkten Einblick in die Vorstellungen dieser Autorit?ten, mittelbar auch in die Wirklichkeit, die jene zu regulieren gedachten.

Es wird daher ein neues Licht auf die Eigenarten der Entstehung nicht nur jener bisher zu wenig beachteten origin?r ߢkommunalenߢ Hospitalgr?ndungen, sondern auch vieler anderer, aus kirchlichen in kommunale H?nde ?bergegangenen, geworfen, wenn man einmal

Hierarchisch-kirchlicher vs b?rgerlicher Ursprung

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zul. bearbeitet 2020-12-13 16:14:50

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