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20. September 2024 geblogt am 23. 09. 2024 |
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Zum hundertsten Geburtstag meiner Mutter sind Inge und Gisela nach Wiesbaden gekommen. Am Vortag sind wir im Biebricher Schloßpark spazieren gegangen, haben auf der Schloßterrasse am Rheinufer gesessen und sind dann von einem Gewitter überrascht worden. Am Geburtstag selbst haben wir Mamas Grab geschmückt und auf dem Friedhof auf einer sonnigen Bank gesessen und erzählt. Dann waren wir mi Frau Bieniek in Frauenstein beim Sinz sehr fein und gemütlich essen. Am Abend sind wir dann noch auf den Neroberg gefahren, haben die Russische Kirche bewundert, deren goldene Kuppeln gerade im herrlichsten Abendsonnenschein leuchteten und nach dem Abstieg am Kochbrunnen genippt und in der Altstadt einige Guiness geleert. Am nächsten Tag waren wir in der Stadt auf dem Wochenmarkt und beim Gewürz-Müller und haben uns beim Maldaner Kaffee und köstlichste Torten schmecken lassen.[x]
Der Himmel hat uns genau zu diesen Tagen noch einmal Wärme und Sonne wie im Sommer geschickt. Bei dem Gewitter mußten wir uns mit ielen Leuten am Weinstand unterstellen, und seither vermisse ich mein Portemonnaie mit den ganzen Karten und Ausweisen.[x]
Geplant hatten wir diese Feier beim vorigen Besuch der Cousinen im Frühjahr. Ursula und Gerda sind leider ganz kurz zuvor krank geworden und konnten nicht mitkommen. Im Sommer hatte ich gehofft, daß sogar Willibald und Rita aus Oberursel und Christa aus Tirol kommen, chauffiert von ihren Kindern, die Ältesten unserer Familie und die letzten aus der Generation vor unserer. Rita hat sich dann im August leider ein Bein gebrochen und nicht mehr davon erholen können; sie ist, wie ich heute hörte, am 22. gestorben. Christa mußte absagen, weil sie kurzfristig ins Krankenhaus mußte, und sie hatte ja am 22. selbst ihren 85. Geburtstag.[x]
Als Maria ihr Kommen "mit Familie" angekündigt hatte, hatte Inge ihr in Absprache mit den anderen Cousinen wegen Werners Rechtsstreit gegen Mamas Testament wieder abgesagt. Daraufhin hatte Werner ihnen allen eine weitschweifige Droh-Mail geschrieben; wenn sie für mich Partei ergreifen würden, werde er sie zwingen, unter Eid vor Gericht auszusagen. So sind wir dann doch froh gewesen, daß sie uns in Ruhe gelassen haben, nachdem im ersten Erschrecken über die freche Mail beinahe das ganze Essen aus Angst vor dem hitzköpfigen Unruhestifter
(Frau Bieniek) hätte abgesagt werden sollen. Reinhard und Marie Christine sind, obwohl sie noch am 14. zugesagt hatten, auch weggeblieben, ohne sich noch einmal zu melden.[x]
Wenn wir beim Aufräumen in ihrem Kleiderschrank zu den fast oder gar nie getragenen feinen Sachen kamen, hat Mama immer gesagt, die habe sie dafür aufgehoben wenn mal der Bürgermeister kommt.
Zu ihrem Hundertsten wäre er vielleicht gekommen, wenn sie noch gelebt hätte. Ich konnte mir aber am Vortag nicht verkneifen, ihm, den ich ja von der Dotzheimer SPD her kenne, das mit den guten Kleidern für den Bürgermeister
zu schreiben, und er hat tatsächlich, und sehr freundlich, geantwortet:[x]
Lieber Bernhard, vielen Dank für deine E-Mail. Es tut mir leid zu hören, dass deine Mutter ihren 100. Geburtstag nicht mehr erleben konnte. Dass die Familie ihr am Grab gedenkt, finde ich sehr würdig. Leider kann ich das so kurzfristig nicht einrichten. Ich wünsche euch ein paar Stunden, die mit vielen liebevollen Erinnerungen und hoffentlich wenig Schmerz gefüllt sind. Viele Grüße Gert-Uwe
Nachtrag 6.10.: Das Portemonnaie war nicht gestohlen, es lag daheim auf dem Sofa unter meiner Strickjacke.[x]
zul. bearbeitet 2024-10-06 06:34:15