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Lage

Am Ochsenbach (Mosbach), gegenüber der ehemaligen Kahlemühle, konnte ich 2007 ein kleines Feld für meine Rosenschule pachten.

Dort vermehre und kultiviere ich Rosen in über 150 Sorten und Arten mehrjährig. Die meisten durch Veredlung (Okulation), einige wenige auch durch Teilung. Die Veredlungen stehen die ersten 1½ Jahre in dem kräftigen Lehmboden hier im Tal, dann in Töpfen auf einer Stellfläche mit Mattenbewässerung. Als Containerpflanzen topfe ich sie regelmäßig um, so daß ich außer der Standardgröße viele Sorten auch als ältere und stärkere (nicht unbedingt höhere durch die Kultur im Topf wird das Längenwachstum gebremst, da die Wurzelmasse aber weiter zunimmt, holt die Pflanze das Versäumte nach dem Auspflanzen in Ihren Garten in kurzer Zeit nach.) Exemplare in Größe L und einzelne auch in XL anbieten kann.

Unser Garten schräg gegenüber vom Feld an der Erich-Ollenhauer-Straße hat bereits lang vor mir meine Großeltern, meine Mutter, seit 1976 mich komplett mit Obst und Gemüse versorgt. Im sonnigeren Teil habe ich in letzter Zeit allerhand Rosen und Stauden gepflanzt, um meine Sorten in ihrer Gartenwirkung zeigen zu können. Auf einer kleinen Container-Stellfläche ziehe ich einige Stauden zum Verkauf als Rosenbegleiter heran. Im schattigeren Teil habe ich mir vor meiner Zeit mit Rosen Moorbeete angelegt und Rhododendron gepflanzt, die groß und prächtig geworden sind, unter den neuen Sommerdürren aber leiden. Viele Stammkunden, denen es wirklich um Pflanzen geht, schätzen es, im Garten und auf dem Feld einzukaufen statt in einem Gartencenter.

Hintergrund

Bevor ich mich am 20.7.2005 in Wiesbaden auf eigene Füße gestellt habe, hatte ich in München Mittelalterliche Geschichte studiert und angesichts der Aussichtslosigkeit, irgendwann davon leben zu können, im Sommer der "Wende" mit dem Magister in der Tasche und einer halbfertigen Dissertation auf dem Schreibtisch eine Lehre als Baumschulgärtner begonnen. Bäume, Gehölze, mit ihrer langen Zeitperspektive und Stauden mit ihrer Anpassung an Standorte faszinierten mich seit dem Jahr in Nordnorwegen. Nach Jahren des Erfahrungen Sammelns in guten Baumschulen im Oldenburger Ammerland und im Rheinland sowie ab 1995 wieder hier in der Nähe wurde mir 2003 klar, daß man in der Branche nicht als Geselle (Gehilfe) alt werden kann, und als angestellter Meister auch kaum in unserer Gegend. So traute ich mich, zunächst mit Kollegen zusammen, von dem wenigen, was sich von einem Gärtnerlohn hatte auf die Seite legen lassen und mit Unterstützung durch die Familie meine eigene kleine, auf Rosen spezialisierte Baumschule aufzubauen. Rosen, weil das damals noch viel gekauft wurde und mit relativ wenig Platz und Maschinen heranzuziehen ist.

Vieles würde ich heute anders machen. Nicht nochmal Rosen zukaufen, um gleich größer anzufangen und so einen guten Namen zu bekommen - der bringt nicht mehr viel ein in einer Zeit der Dauer-Krisenstimmung (seit 2001) und der großen Rabattprozente-Zahlen an den Schaufenstern selbst der renommiertesten Geschäfte (die die Coronapolitik jetzt sowieso alle ruiniert). Und es von Anfang an allein machen, das mußte ich dann sowieso sehr bald, aber als geborener Arbeitnehmer hätte ich es mir nicht zugetraut, ausgebildet wird man nicht zum Selbstvertrauen und Sich-selbst-Behelfen sondern zum Rädchen, das nur mit anderen Maschinen zurechtkommt. Mit "attraktiven", aber nicht robusten Englischen und Delbard-Rosen mich gar nicht mehr erst herumärgern, keine(r) von den vielen KundInnen, die vor dem bösen Winter 2008-09 so eine spontan wegen der "tollen" Blüte gekauft hatten, ist je zufrieden wiedergekommen. — Überhaupt angefangen zu haben, hab ich aber noch keinen Tag bereut.

Philosophie

Was für eine Vielfalt an wilden Rosen hat die Natur in fast allen Teilen der Welt hervorgebracht! Welche Wahnsinns-Menge von Schönheiten haben die Menschen vieler Kulturen in ihrer jahrtausendelangen Zuneigung zu dieser Pflanzengattung bewahrt oder gezüchtet! Selbst wenn vieles durch Kriege und Katastrophen wieder verloren gegangen ist, blieb doch ein riesiger Schatz bis heute erhalten, und was daraus in heutigen Gärten an schönen Rosen-Welten entstehen könnte, wenn sie die von nutzlosem Möblement verstellten oder aufwendig sterilisierten Gartenplätze einnehmen dürften, kann man sich gar nicht schön genug ausmalen.

Produziert werden auch Rosen aber zunehmend nach der Logik des globalisierten Kapitalismus immer mehr immer billiger: tolle Maschinen zur Stecklingsvermehrung bzw die Ausbeutung von Arbeitern auf kilometerlangen Feldern werfen immer höhere Stückzahlen auf einen Markt, der immer lustloser irgendetwas Billiges kauft, das eh bald kaputtgeht. Sortenvielfalt ist da nur hinderlich, auf Umwelt, Gesundheit und Wohlbefinden der Arbeiter wird bestenfalls geachtet, soviel man muß.

Dabei muß das alles nicht sein. Warum sollen Profitinteressen weniger das Bild unserer Gärten prägen und nicht einfach die Vielfalt und Schönheit der Natur selbst? Warum soll eine Rose, die jahrzehntelang den Garten schmückt, nicht so viel wie ein schlichtes Mittagessen kosten dürfen? Für diesen Preis aber kann auch ich sie von Hand umsichtig und nachhaltig heranziehen, mich dabei in meinem erlernten Beruf verwirklichen und dem Menschen, dem sie gefällt, so umfassend wie möglich helfen, sie zu prächtigstem Gedeihen zu bringen.

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Bernhard Höpfner, rosenwelten, Wiesbaden, Erich-Ollenhauer-Straße 116 · Mo–Sa (Mrz—Okt), 9–12+15–18+n.Vereinb. · Tel. (0611) 84 62 58 · post at rosenwelten.de

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