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Gesellschaft-blog:

10. 01. 2021

So ähnlich ist es mir seit März auf Twitter auch vorgekommen: die hohle Grabesstimme, die allabendlich um sieben im ZDF eine Viertelstunde lang RKI-Schreckenszahlen deklamiert - und dann Menschen (imho keine Mehrheit), die man jahrelang als höflich, witzig, manchmal poitiert, aber nie plump, immer kultiviert, fenfühlig in ihrem Sprachgebrauch, kannte und die nun plötzlich Weihnachtskirchgängern nachsagen, "ihrer Oma beim Verrecken zusehen" zu wollen oder einem einfach nur noch eine Grafik mit Zahlen von Toten um die Ohren schlagen (das hat der Söder losgetreten!) mit der Frage ob man denn "den Knall noch immer nicht gehört" habe oder stöhnen, ob man denn "nicht EIN Mal mit dem Arsch zuhause bleiben" könne. Es muß die Wirkung dieser beschwörenden Nachrichtenrezitative sein, die übrigens bei alten Menschen, die den Krieg erlebt haben und um deretwillen das angeblich alles gemacht wird und man auch nicht in die Kirche gehen dürfe, was sie sich im Krieg nie haben verbieten lassen, durchaus Weltuntergangserwartung und Todessehnsucht auslöst, sonst könnte man sich nicht erklären, was diese Leute bewegt, sich plötzlich so völlig gegensätzlich zu ihrer ganzen bisherigen Art zu äußern, ja man müßte geradezu fragen, ob die so etwas unter Drogen twittern oder gegen Bezahlung. Es fing im Frühjahr ziemlich unvermittelt an, legte sich dann etwas und geht nun seit der Woche vor Weihnachten umso trotziger und unbändiger weiter. Mit Worten oder Argumenten ist dann jedenfalls nichts mehr zu machen, es hilft nur #twoff. Im echten Leben gibt es meiner Erfahrung nach nur eine Handvoll solcher Leute, die etwa im Bus mit männlichen ausländischen Jugendlichen Streit suchen, nur sehr viele sehr Eingeschüchterte, die gar nicht mehr lachen, keine Scherze mehr machen, nicht daß sie jemand kennen würden, der von der Krankheit betroffen wäre, nur angesteckt von der allgemeinen Verdüsterung des ganzen Lebens.

zul. bearbeitet 2021-01-10 09:09:51

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