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Um ein Hörgerät geblogt am 23. 08. 2024 |
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Mama nahm nichts einfach hin, sie war ja nicht krank
und blieb bis zuletzt mißtrauisch gegenüber allem, was jemand mit ihr vor hatte. Von jeder neuen Tablette, von jedem neuen Dingsbums
mußte sie erst geduldig überzeugt werden.[x]
Maria wurde damals schnell ruppig, wenn Mama eine von ihren guten Ideen nicht annahm. Ich schüttelte dem Kopf über Bemerkungen wie: Jetzt geht sie ja schon wieder mit dem falschen Stock!
und bekam dann zu hören: Ws reicht jetzt!
Als ich einmal an einem Donnerstag Mittag erhitzt von der Arbeit auf dem Feld kam, als sie in der Küche Mamas Essen warmmachte und schimpfte, weil die das Hörgerät, das sie ihr nach etlichen Fahrten zum Ohrenarzt und dann zum Akustiker bsorgt hatte, nicht mochte und keine Lust hatte, demnächst schon wieder zum Nachschauen und Anpassen hinzufahren, und bat, mit der alten Frau nicht so zu schimpfen und es halt gut sein zu lassen, wenn sie das Ding nicht mochte, wurde sie sehr laut und zornig: es wäre schließlich meine Idee gewesen (womit sie recht hatte, aber es war halt ein Irrtum) und sie hätte sich über Wochen die ganze Arbeit gemacht, und wenn uns das nicht paßte, käme sie halt gar nicht mehr. Ich spürte, daß für sie Mama einen völlig anderen Stellenwert hatte als für mich, befürchtete, wenn sie so leicht einfach nicht mehr kommen könne, ihr vielleicht auch sonst allerhand einfallen könnte, daß ich Mama nach hause geholt so daß sie jetzt eben anfing, wieder gesund zu werden, beruhte ja auf keiner verbindlichen Absprache mit Maria, sie hatte es nur hingenommen, wenn es ihr unbequem würde oder nicht paßte, würde sie sie vielleicht eines Tages in ein Heim bei Ingelheim stecken, Beziehungen zu Ärzten, Anwälten und Sozialbürokraten hatte sie, wie sie immer erzählte, e masse, und ich säße allein in dem großen Haus, das ich von meinem Einkommen allein gar nicht halten könnte. Ich hatte hatte von der Arbeit und der Wärme draußen schon hohen Blutdruck und konnte in diesem Moment beim besten Willen nicht nicht deeskalieren (sie dagegen, dachte ich, als studierte Pädagogin, werde schon professionell mit einem Konflikt umgehen)sondern sah in diesem Moment alle Zukunftsangst der letzten Jahrzehnte zugleich auf mich einstürzen und wollte mir unbedingt Luft zum Atmen, im Sinne einer gewissen Sicherheit, daß ich mit Mama auf dem begonnenen guten Weg weiter machen konnte, verschaffen und alle Knoten, die sie mir mit ihrer ewigen Unbestimmtheit und Distanz umgelegt hatte, auf einmal durchhauen. Ich nahm kein Blatt vor den Mund, sagte, daß ich schon lang Angst habe, sie werde mich eines Tages mit Hilfe ihrer Kontakte zu Ärzten, Anwälten und Bürokraten, von denen sie bei Erzählungen von ihrer Arbeit immer stolz erzählt hatte, aus diesem Haus hinausbefördern. Sie erklärte mich für verrückt, wollte mich aus der Küche rausschmeißen, womit sie meine diffusen Befürchtungen konkret bestätigte. Da packte ich sie am Arm und schüttelte sie auf dem Flur einmal kräftig. Danach bin ich aufs Feld gegangen und hatte einen Blutdruck, der wahrscheinlich gar nicht mehr meßbar gewesen wäre, denn mir war klar, daß ich in die Falle getappt war, mich hatte provozieren lassen bis zu dem Grad, den sich jemand, der mir scaden wollte, nur wünschen konnte.[x]
Mama hatte bei der Auseinandersetzung das letzte Mal in ihrem Leben geschrieen: Jetzt hört aber auf!
Maria saß, als ich erschöpft vom Feld zurückkam, immer noch bei ihr in der Küche, als wäre sie da zuhause und überhaupt nichts gewesen, so professionell - oder kalt - war sie offenbar schon. Ich bin an ihnen vorbei in meine Wohnung gegangen und hab lang mit niemandem gesprochen. Am nächsten Morgen erzählte mir Mama, daß sie in der Nacht am liebsten gestorben wäre. Ich sagte, daß ich gern so weitermachen würde wie bisher, aber ich müßte eine Sicherheit haben. Am Telefon haben wir beide darüber auch mit Inge gesprochen. Dann hat Mama am 10. Mai 2019, Geburtstag ihres Papas, das Testament geschrieben. Maria kam auf den Streit, wie es ihre Art ist, nie mehr zu sprechen bis nach Mamas Tod, als sie einmal mit ihrem Mann da war, um Sachen abzuholen und wir in den kleinsten Kleinigkeiten Meinungsverschiedenheiten entdeckten, so daß ich sagte: Wenn das hier ausgestanden ist, sollten wir am besten völlig getrennte Wege gehen, denn wir haben uns offenbar maximal auseinandergelebt
, da kam sie auf den Streit um das Hörgerät zurück und meinte Ich warte immer noch auf eine Entschuldigung von dir.
Bis zu der schlimmen Nacht 6./7.10.2023 gab es keinen offenen Streit mehr, ich redete sogar, als es 2023 schwieriger wurde, doch wieder wie im Vertrauen mit ihr über Mamas Befinden, doch bekam ich nie eine Antwort über Hmm
hinaus, eine Hilfezusage über den Tag hinaus, eine Sicherheit, eine Anerkennung oder gar einen Dank, auch nicht nach dem Tod, im Gegenteil, sie erzählte diese Geschichte und viele andere am 5.11.2024 dem Nachlaßgericht durch ihren Anwalt als Argument für – es wird nicht klar, wofür, es wird aber massiv Dreck auf mich geworfen.[x]
zul. bearbeitet 2025-01-10 18:43:06