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Apfelbäume und Äpfel
geblogt am 12. 09. 2025

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Farooqs Präsentation für die Abendhauptschule ist Apfelbäume und Äpfel nun leider doch nicht geworden. Er hatte es als Thema gewählt, aber mit seinem feinen gastronomischen Gespür von Anfang an eine starke Ahnung, daß dem deutschen Lehrer-Publikum im Jahre 2025 ein so agrarisches, bodenständiges, von Selbständigkeit, Unabhängigkeit, dörflicher Solidarität, LowTech, Genügsamkeit, Stolz, Fleiß und Handarbeit strotzendes Thema nicht recht schmecken würde. Und tatsächlich hat die Lehrerin am Tag der Entscheidung geradeheraus gesagt, irgendwelche Bäume seien doch kein Thema, über das Du sprechen kannst. Mach doch Die Frauenrechte in Afghanistan!. Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl war, wie eine gute Note (die bereits großes Gewicht für die Abschlußnote haben soll) zu bekommen ist und wie nicht (Es hat schon mal ein Junge was über Garten gemacht, das war schlecht). So blieb ihm kaum eine Wahl. Ich find's nicht schade um mein bißchen Hilfsarbeit, die hat mir Spaß gemacht und ist ja nicht verloren sondern ein schöner Blogartikel geworden. Aber jammerschade um das interessante Thema, über das bestimmt noch nicht so viel geschrieben wurde, wie über das andere. Aber in Deutschland 2025 liebt man wohl Themen, bei denen man ein Bekenntnis ablegen kann, viel mehr als solche, bei denen die Moral offen ist. Als ich in die Schule gegangen bin, war es noch genau umgekehrt, Einseitigkeit, Parteinahme wurde dick rot angestrichen. Noch nimmt Farooq ihnen ja ab, es gut zu meinen, über die Situation der Frauen unter den Taliban möchte er auch wirklich gern einiges sagen, und das wird ja auch endlich mal etwas Authentisches sein. Aber andere deutsche Beamten haben anscheinend erst vor kurzem einen afghanischen Mitschüler von ihm (nach Österreich) abgeschoben. Der hatte seine Präsentation schon fertig geschrieben, ich habe sie gelesen: voll Sympathie über die Bundeswehr, gut geschrieben und gestaltet, der muß schon lang hier gewesen sein und sich gut eingelebt haben. Hoffentlich verlangen die Lehrer:innen bei Farooqs Vortrag Mitte Oktober nicht zu viele Bekenntnisse. Da weiß ich nicht, wie das ausgehen könnte, er ist, scheint mir, nicht mehr der kleine Flüchtlingsjunge, der sich im Land all seiner Träume alles gefallen läßt.[x]

Der Abgabetermin ist erst am 31. Oktober. Nur die Gliederung sollten sie im September abgeben. Die Lehrer haben sie sich angesehen und am letzten Tag vor den Ferien gesagt: Alle müssen die Gliederung nochmal neu schreiben. Außer Farooq, seine ist sehr gut, Wenn mich nicht alles täuscht, macht ihm die Schule jetzt erst richtig Spaß. Ich muß die Schule schaffen. Wenn ich nicht schaffe, dan Schade!. Und für seinen Freund, der es durch einen Handyvertrag unverschuldet mit einem Inkassobüro zu tun bekommen hat, hat er einen Brief an dasselbe geschrieben, den er mir gezegt hat.—So gut, völlig unmißverständlich und dabei ausgesucht freundlich, frei von jeglichen unnötigen Spitzen, hätte ich es wohl kaum formuliert.[x]

Farooq hat jetzt hier eine eigene Werkstatt[x]

Update 1.11.2025: Diese Deutsch-Lehrerin ist selbst aus Saudi Arabien gebürtig. Das hat Farooq einmal erwähnt, doch , als ich das Obige schrieb, habe ich nicht daran gedacht. Seit es mir wieder eingefallen ist, ist mir klar, warum dieses Thema sie beschäftigt, so sehr, daß sie gar nicht mehr damit aufhört, ihm Bemerkungen wie Schreibe mehr darüber! in seinen Text zu schreiben.[x]

zul. bearbeitet 0000-00-00 00:00:00