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Die Kästchen mit Zusatzinfos sind von mir, den Obertext hat F. K. am 7.9.2025 vorgetragen, Kursives bei anderer Gelegenheit. Siehe auch
Meine Familie baut in Afghanistan auf über 2400 m.ü.d.M. Äpfel an, und zwar alles bio
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Im Winter ist bei uns dauernd Frost, und es liegt viel Schnee (bis 2 m), da ruht die Arbeit.
Wir pflanzen die Jungbäume im Frühjahr. Wir bekommen sie von der Baumschule ... als ...
Wir heben die Pflanzlöcher 80 cm tief aus.
Wenn die Bäume eingepflanzt sind, machen wir um jeden Baum einen Gießrand aus Erde, damit wir sie später gut bewässern können. Das erstemal bewässern wir gleich nach dem Pflanzen, damit die Wurzeln engen Kontakt mit der Erde (Bodenschluß) bekommen und direkt anwachsen.

Anzucht: Sät man Apfelkerne aus, bekommt man unterschiedliche Pflanzen, das braucht man nur, um neue Sorten durch Auslese zu züchten.
Um von einem guten Baum lauter gleich gute Nachkommen zu bekommen, vermehrt man Apfelbäume durch Veredlung. Man setzt im Sommer ein Auge (eine Knospe) von einem reifen, einjährigen Trieb des gewünschten Baumes in den Wurzelhals einer im Frühjahr gepflanzten Unterlage hinter die Rinde und verbindet es luftdicht. Nach 2 Wochen sind Auge und Rinde zusammengewachsen, und im nächsten Frühjahr schneidet man diee Unterlage direkt über dem Auge komplett ab.
Je nachdem, auf was für eine Unterlage (Wurzel) eine Apfelsorte veredelt ist, wachsen die Bäume sehr schwach, schwach oder mittel, tragen früh und bleiben klein. Die Obstbauern und die Privatgärtner in Europa verlangen solche wuchsgebremsten Bäume für ihre Anbausyteme bzw. kleinen Grundstücke. Unterlagen werden in Unterlagenbaumschulen aus Abrissen vermehrt.Unterlagen-Angebot einer Spezialbaumschule
Wir haben im Sommer jeden Tag Sonnenschein. Somit wachsen und reifen unsere Äpfel optimal, ohne daß wir Spritzmittel gegen Schädlinge und Krankheiten einsetzen brauchen. Hagel-Unwetter und Spätfröste kommen bei uns nicht vor.
Bei uns fällt im Sommer so gut wie kein Regen. Aber wir haben viel Wasser in Bächen und Flüssen aus dem Gebirge, das wir durch Kanäle an unsere Bäume leiten können. Und Grundwasser, das wir mit Solarstrom aus etwa 9 m Tiefe heraufpumpen können. Wir bewässern im allgemeinen ein Mal pro Woche.
Zum Düngen verwenden wir ...

Heimat: Ursprünglich kommen Apfelbäume wild wachsend in den Ländern vom Kaukasus bis Mittelasien vor, entlang der Seidenstraße. Im Tien-Schan-Gebirge (zwischen Pamir und Himalaya) gibt es noch wilde Apfelbaum-Wälder. Im Kaukasus und Mittleren Osten wurden schon vor 4000 Jahren Äpfel angebaut, in Kasachstan schon vor 6000 Jahren Äpfel ähnlich den heutigen Kulturäpfeln gehandelt.
Anscheinend ähneln die Klimabedingungen in F.K.s Heimat denen in der Urheimat der Apfelbäume, Mittelasien.

Europa: Einige wichtige Apfel-Anbaugebiete sind Südtirol, das Alte Land bei Hamburg, das Vorgebirge bei Bonn, das Land um den Bodensee.
Spätfrost: Die Blütezeit beginnt jetzt immer öfter bereits Ende April statt wie früher Mitte Mai (Klimawandel?). Die Blüten sind jedoch nicht frostfest. Ein Spätfrost kann hier bis zu den Eisheiligen Mitte Mai kommen. Danach sind alle offenen Blüten schwarz und es gibt in diesem Jahr keine Ernte, der Albtraum jedes Obstbauern. Kalte Luft ist schwerer als warme, sie liegt unten am Boden. Je höher ein Baum, desto weniger kann passieren. Auch ist es am Hang nicht so gefährlich wie ganz unten im Tal, wo die Kälte liegenbleibt. Wenn großen Apfel-Plantagen so ein Spätfrost droht, steht der Obstbauer in der Nacht auf und schaltet seine großen Wasserpumpen ein. Dann werden die Bäume in den kältesten Morgenstunden mit großen Kreisregnern beregnet. Das Wasser gefriert auf den Blüten. Dieser Eispanzer kann den Frost abhalten.
Hagel: Gefriert im Sommer bei einem schweren Gewitter der Regen zu Hagelkörnern, die die kleinen Äpfelchen zerschlagen, kann auch eine ganze Ernte verlorengehen. In Lagen, wo es oft hagelt, spannt man neuerdings Schutznetze über die Apfel-Plantagen.
Feuerbrand ist eine Bakterienkrankheit, gegen die es kein Mittel gibt. Zweige und Äste werden schnell schwarz, Schleim tropft aus der Rinde, bald ist der Baum tot. Sieht man Feuerbrand, muß man ihn dem staatlichen Pflanzenschutzamt melden. Dann müssen meist in weitem Umkreis alle Obstbäume herausgerissen und verbrannt werden, denn anders kann die Ausbreitung nicht gestoppt werden.
Wir schneiden die Apfelbäume im Herbst. Wir beschneiden hauptsächlich die Seitentriebe, die flach stehen, damit die Bäume in die Höhe wachsen, denn an den aufrechten Trieben kommen die besten Früchte.

Wachsen Apfelbäume aus einem Kern (Samen), so werden sie bis zu 10 m hoch und noch breiter als hoch, bilden eine starke Wurzel, die sich noch weiter als die Krone ausbreitet aber auch tief reicht, und werden wohl bis über 100 Jahre alt, wobei sie erst ab dem 10.-15. Jahr Früchte tragen, vorher sind sie mit Wachsen beschäftigt. Die Form der Baumkrone (und der Wurzelkrone) ähnelt der Form der Frucht, wie bei Birnen.
Typisch ist diese Wuchsform: Im ersten Jahr wächst ein Trieb kräftig und steil in die Höhe. Im zweiten Jahr kommen aus den Augen kurze Seitenzweige. Diese blühen und fruchten und verzweigen sich von Jahr zu Jahr immer weiter. Das Gewicht zieht den anfangs steil aufrechten Trieb nach unten. Er steht nun waagrecht, wieder ein paar Jahre später hängt er herunter. Je flacher er steht, desto kleiner werden die Früchte und desto schwächer die Knospen. Aber an seinem höchsten Punkt bildet er eine sehr starke Knospe. Aus ihr wächst ein neuer steil hochwachsender Langtrieb. Auch der neigt sich mit der Zeit ab, und so weiter. So können Gehölze in Steppengegenden sich gegen ihre Nachbarn durchsetzen, indem sie sie überdecken.
Europa: Die Bäume in den Ertragsanlage werden meist als schlanke Spindeln an Pfählen gezogen. Diese Bäume können ohne Leitern gepflegt und beerntet werden und bestehen fast nur aus dem Stamm und Fruchtholz, das gleich nach dem vollen Ertrag zur Verjüngung ganz zurückgeschnitten und neu gezogen wird.

Spaliere: Wenn man alle aufrechten Triebe eines Apfelbaums den ganzen Sommer lang, sobald sie über 20 cm lang geworden sind, auf 5 Blätter (Augen) zurückschneidet, kann man sie alle zu Fruchttrieben umwandeln. Ein Spalierbaum braucht kein starkes Holz, weil er ganz auf Drähten oder Latten ruht. Die ganze Kraft kann in die Entwicklung der Früchte gehen. Ihre Qualität und ihr Geschmack sind optimal. Solche Spaliere können Hauswände bedecken. Da ermöglicht die Wärme der Wand, auch in kühlen Gegenden wärmeliebendes Obst zu ziehen. Spaliere zu erziehen, ist eine Kunst, die durch billige Massenproduktion fast verloren gegangen ist. Ein Ausbildungszentrum in Versailles versucht jetzt, sie zu bewahren.
4-5 Jahre nach dem Pflanzen beginnen die Bäume zu tragen. Sie blühen und fruchten auch schon eher, aber da sind sie noch zu schwach, um gute Früchte zu auszubilden und sollen ja auch erst einmal wachsen, deshalb machen wir die kleinen Äpfelchen ab.
Die Blüten des Apfelbaums stehen einzeln oder zu mehreren am Ende der kurzen, dicken Fruchttriebe. Die 5 Blütenblätter sind rosaweiß ("apfelblütenfarben"), aus roten Knospen. Sie duften gut "nach Frühling". Um Bienen anzulocken, ist der Nektar in Apfelblüten extrem zuckerreich: 75%.
Damit aus Blüten Früchte werden, müssen sie nämlich von Bienen mit Pollen bestäubt werden. Und zwar kann jede Sorte kann nur von einer bestimmten anderen Befruchtersorte befruchtet werden. Die kann man in Tabellen nachschlagen. Zur Not genügt ein blühender Zweig der Befruchtersorte, in einen blühenden Baum gehängt. Befruchtertabelle für Äpfel (Artländer Pflanzenhof)
Wir haben ungefähr 300-400 Apfelbäume im besten Ertragsalter. Die sind 10-15 Jahre alt. Je nach Sorte sind sie verschieden breit und zwischen 3 und 7 m hoch. (siehe Bild 1)
Wenn die Stiele der Früchte sich leicht abheben lassen, ist der richtige Zeitpunkt zur Ernte (Pflückreife). Beim Pflücken und danach muß man aufpassen, daß Äpfel, die man lagern will, keine harten Stöße abbekommen, denn Druckstellen werden schnell weich und braun und faulen. Einen sehr großen Baum kann man auch schütteln und das Fallobst aufklauben. Ist es um diese Zeit windig, kann leicht der Wind die ganze Ernte herunterscütteln. Fallobst muß schnell verarbeitet werden. Wenn kein Mensch es aufklaubt, finden Siebenschläfer, Mäuse, Fasanen, Wildschweine und andere Wildtiere etwas Gutes zu fressen.
Doch nicht alle Sorten sind zur Pflückreife schon gut zum essen (genußreif). Die Reife geht nach der Ernte weiter. Dabei wird ein Gas (Ethen) ausgeschieden, das auch andere Früchte im selben Lagerraum schneller reifen läßt (deswegen lagert man z.B. keine Kartoffeln mit Äpfeln zusammen). Kunden kaufen Äpfel lieber etwas unreif als mit ihrem voll entwickelten Aroma; deswegen kann man die Reife künstlich bremsen durch bestimmte Gase in High-Tech-Lagerräumen.
Die Wachsschicht auf der Schale vieler Apfelsorten kann man auf Hochglanz polieren.
´Sorten: Wir haben Sommeräpfel und Herbstäpfel
Die Sommeräpfel halten sich nicht lange. Sie sind eher klein und mehr gelb als rot.
Die Herbstäpfel werden den Winter über gelagert. Wir selbst haben kein solches Lager, aber andere Obstbauern in unserem Dorf, die uns unsere Ernte zum Einlagern abkaufen (siehe Bild 2). Es sind bis 50 m lange, etwa 2 m tiefe Gräben in der Erde. Erst sortieren wir alle beschädigten Äpfel aus, damit sich im Lager keine Fäulnis ausbreitet. Nur die unbeschädigten legen wir vorsichtig in mehreren Lagen übereinander hinein. Darüber bleibt ein Luftraum frei, und dann kommt ein Dach aus Stoff und anderem Material und darüber wird alles noch mit Erde abgedeckt, so daß der Frost nicht hinein kann. Im Frühjahr machen sie die Lager auf und können die Äpfel zu einem höheren Preis verkaufen.

Streuobstwiesen: Früher standen auf den Wiesen um die Dörfer überall hochstämmige Apfel- und je nach Gegend auch Birnbäume. Das Vieh konnte unter ihnen weiden. Im Herbst wurden sie geschüttelt, das Fallobst aufgeklaubt und ausgepreßt. In Hessen wurde Äpfelwein daraus gekeltert, in Schwaben Most. Der Frankfurter Äppelwoi gärte im Lehmkeller auf eigener Hefe und wurde gewöhnlich durch ein gewisses Quantum Früchte des Speierling-Baums (Sorbus domestica) haltbarer und kerniger im Geschmack. Heute ist diese vielseitige Landnutzung unwirtschaftlich geworden und muß durch Förderprogramme erhalten bzw. neu belebt werden. Mit verschiedenen Sorten hatten Bauern früher von Mitte Juli bis Mitte Juli eigene Äpfel zur Verfügung.
Europäische Sorten: Viele Sorten von Obstbäumen sind von Pfarrern gezüchtet worden, die die Lebensbedingungen der Bauern ihrer Pfarrei verbessern wollten. Später richtete der Staat Forschungsanstalten wie in Geisenheim ein. Die Landbevölkerung respektierte die Professoren dort sehr, und viele Obstbaumbesitzer schrieben dort hin, wenn sie Fragen oder Probleme hatten und bekamen guten Rat. Die Geisenheimer Forschungsanstalt heißt im Dialekt noch heute "Bommeloschie" (Pomologie = Wissenschaft vom Apfel).
Alte Sorten sind an Klima und Boden ihrer Heimat optimal angepaßt. Von Privatgärtnern werden sie daher wieder gesucht und gepflanzt. Profi-Obstbauern brauchen hingegen moderne Sorten, die möglichst kostengünstig anzubauen, zu ernten, zu lagern und zu transportieren und überall leicht zu verkaufen sind. Von den 2300 Apfelsorten, die es 1880 in Preußen gab, spielen heute nur noch 60 eine Rolle im Handel, und in den Supermärkten findet man gewöhnlich höchstens 10. Auf Wochenmärkten und direkt auf Obst-Bauernhöfen sind es mehr. Wikipedia: Liste von Apfelsorten
Wenn bei uns mehr Arbeit ist, als wir selbst schaffen können, rufen wir Leute aus der Gegend an, die uns regelmäßig helfen kommen.
Eine Presse haben wir nicht. Wir verkaufen einen Teil unserer Ernte an Nachbarn im Dorf, die daraus Apfelsaft pressen.
Europa: Die meisten Obstbaubetriebe sind auch hier Familienbetriebe, die aber viele Saisonarbeiter aus Osteuropa beschäftigen. Sie verkaufen ihre Ernte oft über Genossenschaften.



zuerst geblogt am 26. 08. 2025; zul. bearbeitet 0000-00-00 00:00:00 2991
[Apfel]