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mein kleiner blog

Die Ă€ltesten Hospitalregeln und die UrsprĂŒnge der stĂ€dtischen HospitĂ€ler im Mittelalter

08.01.2019, Kategorie: Geschichte

Vor meinem Geschichtsstudium hatte ich als Zivildienstleistender in einem Alten- und Pflegeheim der Diakonie gearbeitet und dabei auch am Unterricht in der dortigen Krankenpflegeschule teilnehmen können, abgeschlossen mit dem «einjĂ€hrigen» Krankenpflege-Hilfe-Examen. Mit dem Beruf noch im Hinterkopf, fand ich recht bald nach Beginn meines Geschichtsstudiums zufĂ€llig in einem Karteikasten im Katalogsaal der Bayerischen Staatsbibliothek staunend, daß auch mein Beruf eine mittelalterliche Geschichte hat und es darĂŒber BĂŒcher gibt. Das schien mir unmittelbar ein Thema, ĂŒber das ich dereinst meine Abschlußarbeit schreiben könnte.

Bald stieß ich auch auf Unerforschtes: Weitreichende Übereinstimmungen zwischen «Regeln» von HospitĂ€lern quer durch Europa: etwa zwischen der des Hospitals zu EichstĂ€tt aus dem Jahr 1250 und der des Hospitals NĂŽtre-Dame zu Paris (1220), der des Hospitals Santo Spirito in Saxia zu Rom und derjenigen des Johanniter-Haupthospitals zu Jerusalem (1152?). Und die lateinische Regel des Heilig-Geist-Spitals der Hansestadt LĂŒbeck von 1263 stimmt weitgehend mit derjenigen des Sint-Janshospitaal der flandrischen Hansestadt Brugge (1188) ĂŒberein. Letztere liegt als besiegelte Originalurkunde aus dem Jahre 1188 vor und ist als Ă€lteste Quelle fĂŒr das Sint-Janshospitaal Brugge 1976 von Griet MarĂ©chal in ihrer Geschichte desselben untersucht worden. Mit ihrem Text stimmen auch noch weitgehend ĂŒberein: ein ebenfalls original ĂŒberlieferter von 1196 aus Gent in lateinischer Sprache und ein altfranzösischer von 1267 aus Ieper. Und der LĂŒbecker Text begegnet wiederum Ă€hnlich auch in Kiel 1301, volkssprachlichen Hospitalregeln aus Älborg in DĂ€nemark, aus Barth in Pommern und einer lateinischen Handschrift aus Riga.

Wurden Ordensregeln gut erforscht, schon weil bis heute bestehende Gemeinschaften ihre eigene Geschichte bearbeiten, blieben Regeln selbstĂ€ndiger HospitĂ€ler wenig bis unerforscht, obwohl sie viel zahlreicher waren (allerdings war lange Zeit gar nicht klar, daß z.B. die meisten Heilig-Geist-HospitĂ€ler nicht zum Heilig-Geist-Orden gehört haben). LĂ©on LEGRAND, der immerhin eine Menge solcher Regeln selbstĂ€ndiger HospitĂ€ler 1901 gedruckt herausgegeben hat, erklĂ€rte rundweg, sie stammten, soweit es um Krankenpflege geht, allesamt von der Johanniterregel ab, ansonsten von der Augustinerregel, und das wurde seither allgemein ohne weiteres repetiert, z.B. noch 1977 und 1991 in Dissertationen. Selbst Siegfried REICKE ĂŒbernahm in seinem Standardwerk zur Rechtsgeschichte der deutschen HospitĂ€ler bezĂŒglich der Regeln einfach die Ansicht, sie seien Varianten der Augustinerregel.

Umso mehr beflĂŒgelte meinen Forscherdrang, was ich ĂŒber belgische Literatur, herausfand: daß die Regel des Sint-Janshospitaals der Hansestadt Brugge und die des gleichnamigen zu Gent von Januar 1188 bzw 1196 als besiegelte Originalurkunden, also so sicher wie nur möglich, ĂŒberliefert sind, und dazu erheblich Ă€lter als die Ă€lteste Handschrift der Johanniterregel (1253). Bereits ein erster Blick auf diese Texte legt auch die These nahe, daß sie und nicht die Johanniterregel ĂŒber die Hansestadt LĂŒbeck eine breite Vorbildwirkung rund um die Ostsee gehabt haben. 1981 hat BONENFANT-FEYTMANS erstmals europĂ€ische Hospitalregeln der Zeit um 1200 sowie Aussagen des Zeitgenossen Jacques de Vitry ĂŒber Hospitalgemeinschaften sowie BeschlĂŒssen französischer Provinzialkonzile von 1214-1215 ohne die PrĂ€misse, sie wĂ€ren alle von der Johanniterregel abgeleitet, miteinander verglichen und in Beziehung gesetzt und diese Meinung Le Grands als haltlos erwiesen.

Ich habe dann 1985 zunĂ€chst in einer Magisterarbeit, einer der ersten, die Prof. Giese betreute, eine Übersicht ĂŒber die bisherige Literatur zu den mittelalterlichen HospitĂ€lern gegeben, die ich hier im 1. Kapitel zusammenfasse, und mit einer Edition der Brugger Urkunden samt ihrer Nachwirkung begonnen, die hier meinem 3. Kapitel zugrundeliegt. Das auf alle Hospitalregeln auszuweiten, blieb ein Dissertationsprojekt, wohlwollend beobachtet, aber, da selbst gewĂ€hlt, ohne befruchtende Umgebung steckengeblieben. 1989 mußte ich vorerst abbrechen und einen «richtigen Beruf» lernen. Sowie ich ab 1999 Computer-Besitzer geworden war, wollte ich lernen, mit Datenbanken umzugehen und hatte viel Hilfe durch Newsgroups und den Access-Stammtisch Raunheim, und gleich versuchte ich auch, mit diesen neuen Werkzeugen die Verwandtschaft der Hospitalregeltexte aufzuklĂ€ren. Eine Dissertation ist es nicht mehr geworden, dazu war der Abstand zur UniversitĂ€t bereits zu groß geworden und das Wekzeug zu fremdartig fĂŒr die philosophische FakultĂ€t, aber bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand konnte ich Prof. Giese immerhin ein erstes Ergebnis ĂŒberreichen, ĂŒber das er sich spĂ€ter anerkennend geĂ€ußert hat. Nun will ich es als "Freizeit-Historiker" abschließen, ausformulieren und im Internet veröffentlichen. Danke fĂŒr Interesse, Nachrichten gerne an post at rosenwelten.de, Verwendung gerne, aber bitte mit Quellenangabe.

zul. bearbeitet 2021-01-12 09:20:52

Von Spener zu Laestadius

30.12.2018, Kategorie: Geschichte

WĂ€hrend und seit ich 1982/83 Auslandsstipendiat in Tromsø an der nördlichsten UniversitĂ€t der Welt war, habe ich mit Rat und UnterstĂŒtzung kompetenter Menschen viel zu einer dort bis heute bedeutenden religiösen Bewegung, dem Laestadianismus, samt ihren sozialen Wirkungen und der Reaktion der Obrigkeit auf sie, gesammelt. ZurĂŒck an meiner Uni in MĂŒnchen, im Kirchengeschichts-Seminar "Pietismus" von Prof. Reinhard Schwarz im WS 1984/85, versuchte ich das Wichtigste zu diesem Teilaspekt zu referieren. Nun habe ich mein Referat wieder hervorgeholt und zunĂ€chst nur etwas gestrafft und gegliedert. Am Schluß öffnet sich ein weites Feld voll weiterer Arbeit, zu den Faktoren kirchlichen (Stockfleth) und staatlichen Akteuren auf norwegischer Seite samt Klimax in Kautokeino und Repression/Quietismus danach; dazu habe ich auch noch Archivmaterial in Kopie hier liegen. Inwieweit derartige Bewegungen in den Kontext von Befreiungsbewegungen gehören, finde ich eine spanndende Frage - fĂŒr einen eigenen Artikel.

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Geschichts-Erinnerungen

26.12.2018, Kategorie: Geschichte

Vor meiner Berufsausbildung zum BaumschulgĂ€rtner hatte ich von 1976 bis kurz vor der "Wende" in MĂŒnchen Geschichte studiert.

Nachdem ich per Zufall in der Wikipedia einzelne Artikel ĂŒber Lehrer und Mitstudenten gefunden hatte, an die ich mich gut erinnere, kam mir neulich der Gedanke, sie mal zusammenzustellen.

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Sieben MĂŒller und ein adeliger Herr aus Preußen

30.11.2011, Kategorie: Geschichte

Sieben MĂŒhlen hat der kleine Bach mit den vielen Namen einst angetrieben, an dem mein Rosenfeld liegt. Er entspringt im Taunus, fließt durchs Weilburger Tal, als Belzbach durch Dotzheim, als Ochsenbach weiter, als Mosbach durch Biebrich, wo er durch den Schloßpark plĂ€tschert und dann auch schon gleich in den Rhein mĂŒndet.

1869, kaum hatte Preußen das Land hier erobert und annektiert, baute sich ein adeliger Herr aus Westpreußen, Freiherr Constantin von Zacha-Strelitz, etwas weiter westlich in Georgenborn ein Schloß und wollte partout im zugehörigen Schloßpark Teiche mit Wasserspielen haben. Geradlinig wie diese preußischen Herren sind, ließ er sich eine Wasserleitung legen, die die Quelle unseres MĂŒhlbachs anzapfte. Das Wasser im Bach hatte schon bisher fĂŒr die sieben MĂŒhlen eher schlecht als recht gereicht, nun ging nichts mehr.

Die sieben MĂŒller, und zwar, bachaufwĂ€rts:

setzten sich also zusammen und fertigten am 12. November 1869 eine Eingabe an die neue Regierung in Wiesbaden, worin sie ihre Lage und die Ursache ihrer Verzweiflung schilderten.

Nun hĂ€tte die Regierung landesvĂ€terlich weise abwĂ€gen können: den wirtschaftlichen Nutzen von sieben MĂŒhlen, die Steuern und Abgaben, die ihr von denen zuflossen, gegen das PrivatvergnĂŒgen des westpreußischen Herrn an dem GeplĂ€tscher in seinen Teichen. Aber die Akten lassen keinen Zweifel: es war keine gute alte Zeit damals. Die Eingabe wurde abgelehnt mit der arroganten Bemerkung, gegen den Wasserklau des Adelsherrn sei "nichts zu erinnern", also einzuwenden. Die MĂŒhlen sind dann alle eingegangen, nur einige ĂŒberdauerten noch eine Zeitlang als AusflugsgaststĂ€tten.

(nach Rolf Schwalbach, Die MĂŒhlen zwischen Dotzheim und Biebrich (Schriften des Heimat- und Verschönerungsvereins Dotzheim e.V., 28) Wiesbaden: Thorsten Reiß Verlag, 2011, S. 165-167)

zul. bearbeitet 2011-11-30 18:30:15

Til ungdommen (Nordahl Grieg, 1936)

26.09.2011, Kategorie: Geschichte

Habe mal versucht, das Gedicht von Nordahl Grieg, das seit 22. Juli in Norwegen im Gottesdienst, bei Beerdigungen, Versammlungen und Gedenkstunden so gern gesungen wird, so daß es sogar als neue Nationalhymne vorgeschlagen worden ist, zunĂ€chst eher wortgetreu zu ĂŒbersetzen. Bin dankbar fĂŒr Korrekturen/Verbesserungen.

Ein englischer Wikipedia-Artikel bietet Informationen ĂŒber das Gedicht und verschiedene englische Übersetzungen und auf youtube kann man verschiedene AuffĂŒhrungen sehen und hören. Über den Dichter Nordahl Grieg (1902-1943) kann man in der deutschen Wikipedia nachlesen.

Kringsatt av fiender, gÄ inn i din tid! Under en blodig storm - vi deg til strid!

Kanskje du spÞr i angst, udekket, Äpen: hva skal jeg kjempe med hva er mitt vÄpen?

Her er ditt vern mot vold, her er ditt sverd: troen pÄ livet vÄrt, menneskets verd.

For all vÄr fremtids skyld, sÞk det og dyrk det, dÞ om du mÄ - men: Þk det og styrk det!

Stilt gÄr granatenes glidende bÄnd Stans deres drift mot dÞd stans dem med Änd!

Krig er forakt for liv. Fred er Ă„ skape. Kast dine krefter inn: dĂžden skal tape!

Elsk og berik med drĂžm alt stort som var! GĂ„ mot det ukjente fravrist det svar.

Ubygde kraftverker, ukjente stjerner. Skap dem, med skÄnet livs dristige hjerner!

Edelt er mennesket, jorden er rik! Finnes her nĂžd og sult skyldes det svik.

Knus det! I livets navn skal urett falle. Solskinn og brĂžd og Ă„nd eies av alle.

Da synker vÄpnene makteslÞs ned! Skaper vi menneskeverd skaper vi fred.

Den som med hĂžyre arm bĂŠrer en byrde, dyr og umistelig, kan ikke myrde.

Dette er lÞftet vÄrt fra bror til bror: vi vil bli gode mot menskenes jord.

Vi vil ta vare pÄ skjÞnnheten, varmen som om vi bar et barn varsomt pÄ armen!

Umzingelt von Feinden, tritt ein in deine Zeit! Unter einem blutigen Sturm weih dich dem Streit!

Mag sein, du fragst in Angst - ungedeckt, offen -: womit soll ich denn kÀmpfen, was ist meine Waffe?

Dies ist dein Schutz vor Gewalt, dies ist dein Schwert: Der Glaube an unser Leben, des Menschen Wert.

Um all unsrer Zukunft willen, such ihn und förder ihn, stirb, wenn du mußt - doch vermehr ihn und stĂ€rk ihn!

Still wie am laufenden Band fliegen Granaten. Stop ihren Todestrieb, stop ihn mit Geist!

Krieg ist Leben verachten, Frieden ist schaffen. Setz deine KrÀfte ein, der Tod soll verlieren!

All das Große, das war, lieb es und bereicher's durch TrĂ€ume! Geh auf das Unbekannte zu, entringe ihm Antworten.

Noch ungebaute Kraftwerke, noch unbekannte Sterne, schaff sie mit mutigen Köpfen mit Leben derer, die bewahrt wurden!

Edel ist der Mensch, die Erde ist reich! Gibt es hier Not und Hunger, liegt's an Verrat.

Weg damit! Im Namen des Lebens muß das Unrecht fallen. Sonne und Brot und Geist, das gehört allen.

Die Waffen sinken dann kraftlos zu Boden. Schaffen wir Menschenwert, schaffen wir Frieden.

Wer auf dem rechten Arm eine Last trÀgt, die ihm teuer ist und nicht verlorengehen darf, der kann nicht morden.

Dies ist unser Versprechen von Bruder zu Bruder: Wir wollen gut werden/bleiben zur Erde der Menschen.

Wir wollen achtgeben auf die Schönheit, die WĂ€rme, als ob wir trĂŒgen ein Kind achtsam im Arm!

zul. bearbeitet 2016-08-23 18:20:24

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